18.12.2017, 2°C
  • 05.06.2010
  • von Astrid Priebs-Tröger

„Selbstversuch“ in neuem Gewand

von Astrid Priebs-Tröger

Der 2. „frauenArt“-Salon in der „fabrik“

Man glaubte sich in einen Zeichenkurs versetzt, wenn man am Donnerstagabend einen Blick ins Café der „fabrik“ warf. Dort saßen mehr als zwei Dutzend Besucherinnen – auch eine Handvoll Männer war darunter – an den Tischen und kritzelten emsig an den diesjährigen Kulturland-Plakaten herum. Diese gelb-pinkfarbenen Poster mit der Herzenskönigin Luise, die mit schwarzem Schnurrbart und Pickelhaube verunziert, das Logo des Kulturlandthemas „Mut und Anmut. Frauen in Brandenburg-Preußen“ bildet, regte augenscheinlich die gestalterische Fantasie der Salonbesucherinnen an.

Die Kreativwerkstatt war eine der Zutaten, die die Gastgeberin des 2. „frauenArt“-Salonabends, Mechthild Klann, benutzte, um auch an diesem Abend ein leckeres „Kultursüppchen“ zu kreieren. Denn alles hatte mit jedem zu tun, wirkte erst im Zusammenspiel. Das bekam frau gleich am Anfang zu spüren, als sich die Textversatzstücke der Neuköllner Improtheatergruppe um Dorothea Klein, Isabell Remer und Ursi Trexler als Zitate aus Christa Wolfs Erzählung „Selbstversuch“ entpuppten. Und während die Berliner Improfrauen reimend, singend und spielend nicht nur Mut und Anmut zeigten, regte Christa Wolfs phantastisch-utopische 30 Jahre alte und immer noch aktuelle Erzählung zum Nachdenken über Geschlechterrollen an.

Das ist natürlich Absicht bei einem Programm, das vom Bereich Kultur und Bildung des Potsdamer Frauenzentrums Primadonna initiiert und veranstaltet wird. Aber wenn die Potsdamer Autorin Maria Stolz in ihrer Geschichte die heulende Prinzessin aus dem „Froschkönig“ mit der lebenstüchtigen Regine Hildebrandt zusammentreffen lässt, dann ist das Politische witzig und überhaupt nicht mehr schwer verdaulich. Und hat so gar nichts von der Erdenschwere, mit der Kampagnen für Gleichberechtigung oder gegen Gewalt (oftmals) daherkommen.

Mit „Kultur und Gesellschaft“ war dieser zweite Salonabend überschrieben und weil dieses Feld ein weites ist, kann frau Vieles darunter summieren. Hervorzuheben ist, dass die Veranstalterinnen charmant und gekonnt improvisieren und sich ihre Salonkultur durch viele aktivierende Momente auszeichnet. Aber insgesamt wünschte man sich doch mehr Konzentration und auch eine kürzere Dauer; die zehnminütige Pause nach der Kreativwerkstatt ließ die beiden Programmteile nochmals zerfasern. Und hätte Maria Stolz nicht noch ihre ganz spezielle Rotkäppchengeschichte im Gepäck gehabt, wäre man schnell vom (richtigen) Weg abgekommen.

Aber die junge Autorin überraschte auch hier mit pointierten gesellschaftlichen Bezügen und bürstete das bekannte Motiv kräftig gegen den Strich. Wie sie sich dabei aus den Märchenschätzen bedient, ist originell und macht Appetit auf mehr. Auch die amüsante Spielwiese der „Primadonnen“ des Potsdamer Frauenzentrums erlebt im Herbst ihre Fortsetzung und soll weiteren Künstlerinnen aus Potsdam und Umgebung die Möglichkeit zum gegenseitigen Kennenlernen und Vernetzen bieten. Astrid Priebs-Tröger

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