• 25.05.2010
  • von Andrea Schneider

Jeder hat eine Stimme

von Andrea Schneider

Energiebündel Eli Foto: promo

Heißer Punk und Ska mit Trashtucada aus Spanien

Der Beliebtheitsgrad spanischsprachiger Punk-Ska-Bands in Deutschland scheint nicht kleiner zu werden. Auch Potsdam lädt sich immer wieder Formationen aus dem Süden ein, die dem Publikum mit ihrer Energie und ihrem wilden Mix aus Rock, Punk und Ska ordentlich einheizen.

Kein Wunder also, dass am Samstagabend in der fabrik Potsdam die Luft brennt, während Trashtucada, die aus der Nähe von Cadiz in Südspanien kommen, auf der Bühne eine Show performen, die sich sehen lassen kann.

Es scheint, als wären die Bandmitglieder direkt von den Straßen der südlichen Großstädte auf die Bühne der fabrik gebeamt worden. Leger in Baggypants oder Trainingshose, mit Schlagzeug, Trompete, Bass, Gitarre und Trillerpfeife, transportieren sie ein Lebensgefühl, das sich aus der Lust auf Leben und der ungebändigten Empörung über die bestehenden Verhältnisse speist. Dafür nutzen sie nicht nur die Kraft der Worte und die Rhythmen des Punk und Ska, sondern auch die Sprache des Körpers. Mit kraftvollen Gesten und lebhaftem Minenspiel vermitteln sie ihre Texte auch denen, die des Spanischen unkundig sind.

Die Bühne scheint beinahe zu klein für die sieben, die absolut gleichberechtigt ihren Teil zum Konzert beitragen. Hier scheint jeder eine Stimme zu haben und es gibt keinen echten Bandleader. Die Bühnenshow gleicht einer gelungenen Performance, in der jeder immer wieder anders steht und sich alle umeinander herumschlängeln, ohne sich auf die Füße zu treten. Eli, einzig weibliches Bandmitglied, ist ein ganz besonderes Energiebündel. Das Englische ist nicht ihre Stärke und so plaudert sie ganz unbekümmert auf Spanisch mit dem Publikum. Und da ihre Gebärden so lebhaft sind, hören alle erheitert zu, reimen sich ihre eigene Übersetzung zusammen und freuen sich über all die Songs, die sich teilweise nahtlos aneinander reihen und den Abend zu einer ausgelassenen Party werden lassen.

Berührungsängste gibt es keine, auf der Bühne wird genauso ungebändigt getanzt und gefeiert, wie davor und immer mal wieder verschwindet eins der Bandmitglieder, schlängelt sich durchs Publikum oder taucht kurz hinter der Bühne ab.

Das ganze Konzert scheint eine einzige große Interaktion, die kurz vor Ende noch in einem gemeinsamen Fotoshooting endet, für das alle Gäste ordentlich zusammenrücken und ihre Partystimmung demonstrieren. Zwei Zugaben später lassen Publikum und Band schließlich doch voneineinder – erschöpft, aber glücklich und voll des südlichen Lebensgefühls.Andrea Schneider

  • Erschienen am 25.05.2010 auf Seite 27

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