14.12.2017, 4°C
  • 29.10.2007
  • von Von Christoph Henkel

„100% Musik“

von Von Christoph Henkel

Die Gewinner des Förderpreises im Konzert

Wer kann schon ohne Musik leben? Diese Frage stellte Abba in den Achtzigern. Von den Kindern und Jugendlichen, die am Sonnabend zum Musizieren und Tanzen im Nikolaisaal zusammenkamen, sicherlich keiner. Zum siebten Mal lobte Lotto Brandenburg den Förderpreis „100% Musik“ aus und 106 Schulen hatten sich mit ihren Beiträgen um die mit 1 000 Euro dotierte Auszeichnung beworben. Durch das Preisträgerkonzert führen Tatjana Jury und Andreas Hahn, die zunächst den Schirmherren der Veranstaltung, Bildungsminister Holger Rupprecht, in die Mangel nehmen. Wie es denn um seine Musikalität stehe, fragt Jury. Rupprecht muss zugeben, nie ein Instrument gelernt zu haben. „Dafür singe ich schlecht – aber gerne!“, fügt er lachend hinzu. Tatjana Jury verleiht ihm aus gegebenem Anlass den Titel „Musikminister“.

Dann darf aber endlich musiziert werden: Ein Schelm, wer hinter dem Bandnamen „Minirock“ anzügliches vermutet. Die Gruppe von der Thomas-Müntzer-Grundschule Walsleben konnte sich den Förderpreis mit dem augenzwinkernden „Die Jungen aus meiner Klasse“ sichern – der Song-Titel deutet den Mädchenüberschuss in der Band schon an. Die kleinen Mini-Rocker erhalten auf jeden Fall kräftigen Applaus und die ersten Zugaberufe aus dem vollen Zuschauerraum – es sollen nicht die letzten sein.

Die Musiktheater AG der Geschwister Scholl Grundschule Jüterborg begibt sich im Stück „Die Suche nach dem größten Schatz der Welt“ auf eine Weltreise: in Amerika wird Square Dance getanzt, in Mexiko dröhnen die Blasinstrumente und im Orient werden Hüften geschwungen. Am Ende haben sie den Schatz gefunden: nicht Geld oder Gold, sondern die Freundschaft und Liebe, die sie mit allen Menschen, egal woher, verbindet.

Über den Sonderpreis kann sich die „Schule der Lebensfreude“ in Lübben freuen. Die Tanz-AG dieser Förderschule für geistig behinderte Jugendliche hat zum Song „Just be good to me“ unter Leitung von Nancy Rost eine Choreografie einstudiert. Der Spaß an der Sache ist den Tänzern anzusehen und die Fertigkeiten und das Taktgefühl werden anschließend ausgiebig gefeiert. Abwechslungsreich und stets umjubelt, geht die musikalische Querfeldein-Tour durch das ganze Land Brandenburg: die Lausitz tanzt (Europaschule Lauchhammer), Wittenberg jazzt („BrassBand“ des Marie-Curie-Gymnasiums), der Chor des Gottfried-Arnold-Gymnasiums Perleberg beweist, dass er den Preis in der Kategorie „Technisches Können“ zurecht bekommen und „The Paddies“ aus Strausberg bringen den Saal mit einer Coverversion der irren Iren „Flogging Molly“ zum Beben.

Der Job sei schon anstrengend gewesen, sagt Jury-Mitglied Ellen Fehlow. Die „PNN“-Redakteurin traf sich mit den anderen Juroren, der Choreografin Anja Kozik, dem Eventmanager Rengo Wunderlich und dem Musikredakteur Reinhard Bahrke, um in einer ganztägigen Session die 150 Beiträge zu sichten und die Gewinner zu küren. Es habe „Auseinandersetzungen“ gegeben, gesteht Ellen Fehlow ein. Aber ihrem Lächeln ist zu entnehmen, dass dabei niemand zu Schaden gekommen ist. Zum Konzertabschluss bedanken sich alle Akteure und das Publikum gemeinsam mit einem Lied: „Thank you for the music“ schallt die Abba-Hymne aus Hunderten Kehlen. Ohne Musik leben? Nein danke!

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!