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  • 11.09.2009

Sexarbeit

Szenische Lesung und Vortrag im „KuZe“

Ayscha arbeitet in einer türkischen Bar. Sylvia schafft seit 30 Jahren am Hamburger Fischmarkt an. Melanie ist im Hamburger Escort tätig. Katrin ist nach zehn Jahren Herbertstraße ausgestiegen. John arbeitet als Callboy in Stuttgart. Die Bordellbetreiberin Felicitas managt das Berliner Café „PSSST“ und Andreas ist Bordellchef in Hamburg. Auch die Frankfurter Prostitutionskunden Markus und Norbert kommen zu Wort, ebenso Ronny, ein auf St. Pauli geborener, ausgestiegener Zuhälter. Zehn Milieugeschichten, begleitet von einer Toncollage, tragen die Schauspieler Ulrike Johannson und Thor W. Müller in der szenischen Lesung „Sexarbeit – eine Welt für sich“ am Donnerstag, 17. September, 20 Uhr, im Studentischen Kulturzentrum „KuZe“, Hermann-Elflein-Straße 10, vor. Über die Hintergründe von Sexarbeit wird in einem anschließenden Kurzvortrag berichtet.

Wie leben Frauen und Männer, die mit Sex-Dienstleistung ihren Lebensunterhalt verdienen – auf St. Pauli und anderswo? Die Antworten sind so vielfältig wie die Erfahrungen und Arbeitsfelder im Sexgewerbe. Lebensnah und lebendig erzählt, unaufgeregt und ohne Glitzerromantik. Und sie sind auch kritische Reflektionen der gesellschaftlichen Stigmatisierung und Doppelmoral. Diese wirken fort, obgleich das deutsche Prostitutionsgesetz von 2002 den Weg für die Entkriminalisierung der Sexdienstleistung und die Gleichstellung mit anderen Erwerbstätigkeiten frei gemacht hat.

Die Lesung „Sexarbeit – eine Welt für sich“, organisiert vom Autonomen Frauenzentrum und „primaDonna“, will Augenöffner sein für das vielschichtige Phänomen der Prostitution zwischen stark nachgefragter, dennoch verdrängter Schatten-Arbeit sowie krimineller Ausbeutung. Zwar ist Sexarbeit keine Dienstleistung wie jede andere, aber sie ist eine legale Tätigkeit hierzulande, nicht mehr sittenwidrig nach dem Gesetz, ein einträglicher Wirtschaftsfaktor, trotzdem nahezu ein Tabuthema.

Lustvolle und zugleich ernüchternde Aufklärung bietet die Lesung. Ohne moralischen Zeigefinger oder voyeurhaften Blick. Und wie auf einer Reise vor die Haustür in eine eher von der Vergnügungsseite denn als Arbeitswelt bekannte Sphäre, gibt sie neben dem Hörvergnügen Einsicht in soziale Realität: Hinter der Fassade von Glamour und Stigma haben nun die Frauen und Männer eine Stimme, über die sonst immer nur geredet wird. kip

Der Eintritt kostet 4 Euro

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