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  • 18.06.2018
  • von Christoph H. Winter

Lit:potsdam mit Frank Schätzing: Terminator lässt grüßen

von Christoph H. Winter

Plauderton. Frank Schätzing las in Potsdam und übte sich im Name Dropping. F.: A. Klaer

Bestsellerautor Frank Schätzing besucht Potsdam und plaudert mit Denis Scheck.

Potsdam - Nachdem die Maschinen die Macht übernommen haben, wenden sie sich gegen ihre Schöpfer. Da die künstliche Intelligenz dem Menschen überlegen ist, erkennt sie in ihm die größte Bedrohung für die Existenz der Erde und beginnt sukzessiv damit, das menschliche Leben auszulöschen. Diesen Plot teilen sich die seit 1984 sporadisch erscheinenden Filme der Reihe „Terminator“ mit dem jüngst veröffentlichten Roman „Die Tyrannei des Schmetterlings“ des Bestseller-Autors Frank Schätzing.

Schätzing, der sich jederzeit auch als optisches Roger Waters-Double verdingen könnte, sitzt am Sonntag leger im Ledersessel auf der Bühne des ausverkauften Hans Otto Theaters und plaudert mit Denis Scheck, der vor allem durch seine Literatursendung „Druckfrisch“ bekannt ist, in der er sich in unregelmäßigen Abständen vom Enfant terrible und dem intelligentesten deutschsprachigen Gegenwartsautor Christian Kracht vorführen lässt. Angenehm entspannt plätschert das Gespräch zwischen beiden dahin. Scheck liefert Schätzing die Stichworte, um von der Entstehung des Buches erzählen zu können. Gemeinsam mit seinem Verleger Helge Malchow habe man eine „Buddy-Tour“ durch die Staaten unternommen, habe mit Cowboys im Saloon Bier und mit den Visionären des Silicon Valley Espresso getrunken. Während dieser Reise habe Schätzing alles fotografiert, gefilmt und mitgeschnitten, was ihm vor Linse und Mikro kam, um das Material dann zu Hause „zu inhalieren“. Auf diese Weise entstand der gut 700 Seiten umfassende Roman, aus dem Schätzing während der 90minütigen Matinée zwei Mal in Märchenonkel-Manier liest.

Vorhersehbares Gespräch

Bereits nach der ersten vorgetragenen Passage beginnt das Gespräch zwischen Scheck und Schätzing an Fahrt zu verlieren. Waren die Einblicke in die Schreibwerkstatt und den Schreibanlass des Autors noch interessant, zuweilen sogar aufschlussreich, verliert sich Schätzing zusehends in Namedropping: Mit Jaron Lanier, Peter Thiel und vielen anderen, die Schätzing im Silicon Valley imitierendem Slang etwas zu lässig beim Vornamen nennt, habe man gesprochen und sich so einen Eindruck vom Spirit des kalifornischen „Fortschrittsinkubators“ verschafft. Dabei verlieren die Pointen seiner Anekdoten immer mehr an Verve und werden durchschau- und vorhersagbar. Vorhersagbar ist auch, was nach der zweiten vorgetragenen Passage folgt: Ideologiekritik, die sich als Technikkritik tarnt. Schätzing, der eigenen Angaben zufolge über keinen eigenen Facebook-Account verfügt, räsoniert altbewährte kulturpessimistische Plattitüden, die sich in dem so geäußerten Satz „Facebook macht dumm!“ subsummieren lassen. Auf diese Weise führt er eindrucksvoll vor, dass das Urteil über die Social Media vor allem Auskunft über die Medienkompetenz der Urteilenden gibt. Schließlich spiegeln – wie Schätzing selbst ausführt – Algorithmen die Wünsche ihrer Nutzer wider.

Während Schätzing innen noch geduldig etliche seiner Bücher signiert, lädt der vor dem Theater stattfindende Büchermarkt zum Stöbern ein. Dieser bildet den Abschluss des diesjährigen Literaturfestivals Lit:potsdam und präsentiert vor allem kleinere Verlage, Buchhandlungen und Buchbindereien. Mit einem Espresso über das Gelände flanierend, hin und wieder den Blick in das ein oder andere Buch werfend, überlegt wohl so mancher bereits, wo er an diesem Nachmittag am besten das Deutschland-Spiel schaut.

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