24.06.2018, 16°C
  • 11.06.2018
  • von Babette Kaiserkern

Musikfestspiele Potsdam: Konzert mit acht Blockflöten

von Babette Kaiserkern

Foto: Sebastian Gabsch

Dorothee Oberlinger brillierte mit Alter Musik.

Potsdam - Wie sich die Zeiten ändern! Dass jetzt eine Königin der Flöte in Sanssouci herrscht, hätte sich der Alte Fritz wohl nicht vorstellen können. Noch dazu nicht mit seinem Instrument, der adeligen Querflöte, sondern mit deren als schlichter geltenden Verwandten. Dorothee Oberlinger, in den Medien gern als „ungekrönte Königin der Blockflöte“ tituliert, brachte beim Konzert Celtic Baroque den goldenen Figuren aus Ovids erotischen Erzählungen in den Neuen Kammern die Flötentöne bei.

Mindestens acht verschiedene Blockflöten in allen Größen und Holzfarben liegen auf dem kleinen Podest, auf dem die designierte Leiterin der Musikfestspiele Potsdam Sanssouci im silbernen Gewand Platz genommen hat. Ihr zur Seite die Harfenistin Johanna Seitz, der Gambist Vittorio Ghielmi sowie Fabio Biale, der nicht nur die irische Trommel namens Bodhran spielt, sondern auch eine Fiddle. Der Dudelsackvirtuose Fabio Rinaudo ergänzt das Quintett, das die Alte Musik zu Hochform auflaufen lässt. Mehr oder weniger kurze Melodien aus historischen Kompendien, wie dem English Dancing Master und dem Fitzwilliam Virginal Book, aus Liederbüchern und Lehrwerken erklingen in längeren, aufwendig arrangierten Versionen. Mitreißende schottische Reels, ein wiegender Lilliburlero, gefühlvolle Lamenti oder eine Pavane von Matthew Locke und eine Ciaccona des italienischen Geigers und Komponisten Nicola Mattheis, der in England wirkte, bieten ein breites Spektrum an Musik von den britischen Inseln. Da innerhalb der Tunes jedoch kaum Abwechslung existiert, setzt der musikalische Wechsel vor allem die einzelnen Instrumente in den Fokus. Allen voran die diversen Flöten, die mal hell und grell, mal weich und dunkel, mal melancholisch, mal perkussiv klingen.

Dorothee Oberlingers stupende Performance, die rasenden Läufe im Staccato und Legato, die virtuose Finger- und Zungen-Akrobatik und ihre kräftigen Tonfarben bringen mehr als einmal spontanen Beifall hervor. Auch die anderen Instrumente werden von Meistern ihres Fachs gespielt. Ob auf der Gambe oder auf dem Pardessus de Viole, dem kleinsten Mitglied aus der großen Gambenfamilie, stets bezaubert Vittorio Ghielmi mit leuchtenden, weichen Klängen. Seine eigenen Kompositionen fügen sich homogen in das Programm ein. Besonders klangvolle Akzente setzen die Dudelsäcke von Fabio Rinaudo, der darauf - was selten ist - höchst angenehm zu spielen weiß. Auf der Tin Whistle trägt er das Liebeslied She Rose and Let Me auswendig und so ausdrucksvoll vor, dass die irische Verwandte der Blockflöte gar nicht mehr ärmlich wirkt. Die markanten Melodien geben dieser stilisierten Folklore im Hochglanzformat den Drive. 

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