21.08.2018, 23°C
  • 17.05.2018
  • von Lena Schneider

Glas und Gemälde: Das Potsdam Museum wird doppelt beschenkt

von Lena Schneider

Neuling. Das neue Goldrubinglas ist bereits Teil der Dauerausstellung.Foto: Museum

Als eine von zwei Schenkungen der Fielmann-Stiftung wurde ein Gemälde am gestrigen Mittwoch dem Potsdam Museum übergeben. Das zweite Geschenk ist ein um 1700 entstandenes Goldrubinglas.

Potsdam - Schmal sieht das Marmorpalais aus, der Heilige See spiegelglatt. Zwei Männer blicken hinüber, den Rücken dem Betrachter zugewandt. Der eine macht eine Geste, als wollte er sagen: Schön hier, oder? Darüber ein leicht verhangener, blassblauer Sommerhimmel. Mit Gondeln wie der, die unterhalb des Palastes zu erkennen ist, soll Friedrich Wilhelm II. auf dem See herumkutschiert worden sein.

Die idyllische Szene hing wohl einst in bürgerlichen Haushalten, als sogenannte Supraporte, eine Wanddekoration. Ein unbekannter Maler mit dem Kürzel CW schuf das Ölgemälde um 1790 – bevor die beiden Seitenflügel des Marmorpalais ergänzt wurden. Als eine von zwei Schenkungen der Fielmann-Stiftung wurde das Gemälde am gestrigen Mittwoch dem Potsdam Museum übergeben. Museumsdirektorin Jutta Götzmann, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Kaiser und Johannes Haerkötter, Filialleiter der Fielmann AG, stellten die Schenkungen vor. Beide, so Jutta Götzmann, füllen Sammlungslücken.

Das Gemälde stellt eine Besonderheit dar, denn: Es ist die erste gemalte Vedute des Marmorpalais im Bestand des Museums. Es entstand wohl nach der Radierung eines ebenfalls unbekannten Künstlers. Bislang hat das Museum 20 Ansichten des Marmorpalais in seiner historischen Grafiksammlung. Die genannte Radierung befindet sich allerdings darunter.

Womöglich noch eindrucksvoller – und für das Publikum in der Dauerausstellung seit einigen Tagen bereits zu sehen – ergänzt die zweite Schenkung den Museumsbestand. Hierbei handelt es sich um ein um 1700 entstandenes Goldrubinglas aus der renommierten privaten Glassammlung der Münchner Birgit und Dieter Schaich. Der mithilfe der Stiftung realisierte Erwerb schließe „eine große Lücke im Sammlungsbestand des Potsdam Museums“, hieß es. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte das Museum mehrere Goldrubingläser in seinem Bestand. Sie waren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von Museumsmitbegründer Paul Heiland auf Auktionen ersteigert worden. Allerdings sind diese Goldrubingläser alle seit 1945 verschollen – bis auf einen Becher. Dieser jedoch ist so stark glaskrank, dass er nicht mehr ausstellungsfähig ist.

Umso stolzer wird jetzt der Neuling, der Fußbecher aus der Sammlung Schaich, mit weiteren Highlights der Glassammlung des Potsdam Museums und zwei Dauerleihgaben aus dem Kunstmuseum Moritzburg Halle gezeigt: dunkel-rubinrotes, dickwandiges Glas, ein hochgezogener, angeschmolzener Fuß, ein rund verschmolzener Mundrand, fehlerfrei gearbeitet. Stolze 775 Gramm wiegt das Glas, bei einer Höhe von etwas mehr als 16 Zentimetern. Gekostet hat es die Stiftung 1800 Euro, mehr als dreimal so viel wie das Gemälde.

Dank der Fielmann-Stiftung habe das Potsdam Museum in den letzten Jahren drei wichtige Ankäufe für die Ständige Ausstellung realisieren können, sagte Direktorin Götzmann im Rahmen der Präsentation. Bereits 2009 kaufte die Stiftung eine Kratervase der KPM mit einer Ansicht des Potsdamer Stadtschlosses für das Potsdam Museum an. „Die Erweiterung der Sammlungen ist für viele Museen ohne Drittmittel nicht mehr möglich“, so Götzmann weiter. Dass sie damit auch ihr eigenes Haus meinte, musste nicht weiter betont werden. 

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