21.08.2018, 23°C
  • 11.05.2018
  • von Heidi Jäger

Filmmuseum Potsdam: Die „Andrea Doria“ wieder flottgemacht

von Heidi Jäger

Blick ins Innere. Das Röntgenbild des Wetterhahns stammt von Stephan Puille.

Restauratoren stellen sich im Filmmuseum vor

Potsdam - Die Folien schrumpfen, die Farbe blättert ab. Alfred Hirschmeiers Szenografieentwürfe bleiben unter Verschluss. Jede Bewegung könnte eine weitere Farbscholle lösen. Dennoch ist bis Sonntag aus dem großen Bestand der Filmmuseums-Sammlung mit rund 600 Hirschmeier-Collagen eine im Foyer ausgestellt. Eine Reproduktion – präsentiert auf einem Podest. Sie soll auf Restaurierungsprojekte aufmerksam machen, mit denen Studenten Filmgeschichte bewahren helfen. Auch in sechs Vitrinen sind Exponate zu sehen, die die akribische Arbeit der Studenten belegen.

Anlässlich des 41. Internationalen Museumstags erzählen junge Restauratoren über ihre Arbeit: am Sonntag, den 13. Mai, von 11 bis 13.30 Uhr. So auch Maria Lörzel von der Fachhochschule Köln, die in ihrer Masterarbeit an einem Festigungsmittel geforscht hat, um solche Kleinode wie die Hirschmeier-Szenografien zu erhalten. Ihr Thema war die Veränderung von Cellulose-Acetat. Hirschmeier (1931 bis 1996) gilt bis heute als einer der wichtigsten Filmarchitekten.

Johannes Roeder von der Fachhochschule Potsdam hatte am Filmmuseum ein Masterprojekt und nahm die abgetakelte „Andrea Doria“ näher unter die Restauratorenlupe. Dieses Modelltrickschiff in Größe von 1,20 mal 1,80 Metern spielte in „Zar und Zimmermann“ 1956 und Anfang der 60er in „Die schwarze Galeere“ eine wichtige animierte Rolle. Neben den Feuerspuren – schließlich brannte es an Bord – gab es aufgrund der späteren unsachgemäßen Lagerung auch Verwahrlosungen. Teile des Holzschiffes brachen ab und gingen verloren. So auch die Balustrade mit 80 kleinen Balustern. Das sind niedrige Einzelsäulen der Balustrade. Eine davon fand Johannes Roeder im Schiffsbauch und drechselte sie mit eigens dafür gebautem Werkzeug nach. Jetzt steht die „Andrea Doria“ in einer geöffneten Transportkiste im Museumsfoyer.

So wie auch der Marionettenwetterhahn, der in „Die vertauschte Königin“ 1984 seinen Auftritt hatte. Nora Grabowski von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin nahm sich seiner an und untersuchte Leder, Textil und Pappe. Sogar eine Röntgenaufnahme gibt es von ihm, um ins Hahn-Innere zu schauen. Einen traurig eingefallenen Schweinekopf aus Papiercaché richtete Hanna Neumann wieder auf. Auch sie wird über die von ihr restaurierte Maske einen Vortrag halten. Das größte Sammlungsobjekt des Filmmuseums, die Welte-Kinoorgel aus dem Jahre 1929, wird um 11.30 Uhr vom Organisten Christian Deichstetter in klassischer Form zu hören sein.

In den letzten zehn Jahren sind in Zusammenarbeit mit den Hochschulen für Restaurierung Potsdam, Berlin und Köln unterschiedliche Projekte erfolgreich umgesetzt worden. Eine Auswahl der originalen Objekte kann nun also bis Sonntag im Museum bestaunt werden. Die Arbeit der Restauratoren wird zum Abschluss dieser kurzen Ausstellung in 20-minütigen Vorträgen im Kinosaal und einer „Live Restaurierung“ im Foyer spannend vorgestellt. Der Eintritt ist frei. 

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