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  • 11.05.2018
  • von Helena Davenport

T-Werk Potsdam: Alltagsflucht ins Feriencamp

von Helena Davenport

Wie geht’s weiter? Im Camp müssen sich alle zusammenraufen. Foto: T-Werk

Das Stück „Jenseits der Zivilisation“ feiert am Samstag Premiere im T-Werk. Inszeniert wird es von der Kindertheatergruppe „Wildspieltruppe“.

Potsdam - „Jenseits der Zivilisation“ – ein neues Freizeitcamp mit großem Namen. Aber was genau verbirgt sich hinter diesem Titel? Eine gestresste Lehrerin hofft auf Entspannung, ein Fitnessfreak möchte seine körperlichen Grenzen austesten und eine junge Wissenschaftlerin neue Erkenntnisse erlangen. Außerdem wäre da noch die rebellische Rockerin, die sich auf ein Musikfestival eingestellt hat.

Ein Feldlager, viele Erwartungen, und dann kommt alles anders – so in etwa lässt sich die Handlung des ersten Bühnenstücks der Kindertheatergruppe des T-Werks unter der Leitung von Janina Sasse sehr grob zusammenfassen. Alle Charaktere wollten mal herauskommen aus ihrem Alltag, aber eigentlich wäre jeder doch am liebsten in der eigenen Welt geblieben. Nun müssen sie sich arrangieren, zusammen funktionieren.

Was die jungen Theatermacher innerhalb eines Jahres gemeinsam erarbeitet haben und nun auf die Bühne bringen, hört sich verdammt nach Realität an. Die Gesellschaft in kleiner Ausgabe. Aber wie geht die Geschichte aus? Sind die Campbewohner in der Lage, Kompromisse zu finden? Am Samstag um 19 Uhr feiert „Jenseits der Zivilisation“ im T-Werk in der Schiffbauergasse Premiere.

„Es geht nicht nur darum, einmal die Woche hierher zu kommen“

„Über die Bedeutung ihres Stücks haben sich die Kinder gar nicht so sehr den Kopf zerbrochen“, erzählt Sasse. Zuerst habe sie der zehnköpfigen Gruppe aufgetragen, je eine Bühnenfigur für sich zu entwickeln und diese ganz unabhängig vom Setting mit Leben zu erfüllen. Die Geschichte kam erst später dazu. Sie lege viel Wert darauf, dass die Kinder sich zunächst kreativ frei entfalten können. „So müssen sie auch die Verantwortung für ihre eigenen Ideen übernehmen“, sagt Sasse. Sie stehe den Kids – alle zwischen zehn und 14 Jahren – natürlich beratend zur Seite, mache etwa Vorschläge, was sich eher für die Bühne eigne, sagt die Schauspielpädagogin. Das Thema Überlebenscamp sei das Resultat von vielen kleinen spontanen Wünschen. Ein junger Theatermacher habe sich nach Wald gesehnt, ein anderes Kind fand die Vorstellung toll, Zelte auf die Bühne zu stellen.

Abgesehen von der Beratung durch ihre Leiterin ist die Gruppe für alle Bereiche selbst zuständig: Einige kümmern sich um Requisiten, andere um die Musik, wieder andere um die Bühne und die Kostüme. Nachdem die Kinder ihre Ideen im Groben skizziert haben, erhalten sie professionelle Unterstützung. So hat beispielsweise ein Mädchen die Kostüme gezeichnet und die Textildesignerin Marion Casejuane half ihr dann bei der Umsetzung.

Einen Raum zu öffnen, in dem sich Kinder ausleben können

„Es geht nicht nur darum, einmal die Woche hierher zu kommen“, sagt Sasse. Die Kindertheatergruppe hat ein Ziel: das Gelernte der Öffentlichkeit zu präsentieren. Es geht darum, innerhalb eines Jahres ein professionelles Bühnenprogramm auf die Beine zu stellen. Sasse leitet die Kindertheatergruppe seit rund acht Jahren. Mitmachen kann jeder ab zehn Jahren aufwärts, der Lust auf Theater hat.

Für Jugendliche ab einem Alter von 14 bietet die 43-jährige Berlinerin die „Wildspieltruppe“ an. Besonders schön sei es, wenn Kinder so begeistert sind, dass sie irgendwann quasi nahtlos von der Kinder- in die Jugendgruppe wechseln. Sasse möchte den Kindern nicht nur Einblicke in verschiedene Bereiche des Theatermachens geben. Ihr Ziel ist es auch, ihnen einen Raum zu eröffnen, in dem sie das ausleben können, was in der Schule möglichweise zu kurz kommt: „An weiterführenden Schulen steht geistiger Inhalt an erster Stelle, das Theater arbeitet auch mit Emotionen, mit dem Körper, mit dem ganzen Menschen.“ Für sie sei das Kindertheater sowieso das spannendste Theater. 

„Jenseits der Zivilisation“, Kindertheatergruppe Potsdam, 12. bis 14. Mai, T-Werk, Schiffbauergasse

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