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  • 09.03.2018
  • von Helena Davenport

Lesung in Potsdam: Bücher wie Faustschläge

von Helena Davenport

Foto: Henning Kaiser/dpa

Der Schriftsteller Szczepan Twardoch stellt seinen Roman „Der Boxer“ im Literaturladen Wist

Potsdam - Jakub Shapiro, groß und schön, wird als Boxer bejubelt. Er hat aber auch ein zweites Gesicht. Nicht ohne Grund ist auf seinem Arm ein zweischneidiges Schwert mit dem hebräischen Wort für Tod tätowiert. Shapiro ist der erste Vertraute des Unterweltpaten Kaplica. Als rechte Putschpläne gegen die polnische Regierung 1937 auch das Imperium Kaplicas in Bedrängnis bringen, trägt Shapiro plötzlich die alleinige Verantwortung.

Szczepan Twardochs Roman „Der Boxer“, erschienen bei Rowohlt, fragt nach der polnischen Identität in einem Polen, das sich zwischen zwei Weltkriegen befindet. Am Dienstag, dem 13. März, um 19 Uhr, liest der Autor, der 2012 für „Morphin“ den Polityka-Passport-Preis erhielt, im Literaturladen Wist aus seinem jüngsten Werk.

Zwei Warschaus versammeln sich

Schon der Boxkampf, den der allwissende Ich-Erzähler namens Mojzesz Inbar zu Beginn des Buches schildert, bereitet auf einen Riss vor, der die gesamte Gesellschaft spaltet: Shapiro – jüdischer Pole – und Andrzej Ziembinski, ein blonder Katholik, beschrieben als „arischer Halbgott“ mit „Art-decó-Kiefer“, stehen sich im Ring gegenüber. Zwei Warschaus haben sich versammelt, und natürlich sind auch zwei Zeitungen vertreten.

Die Beschreibung des Boxkampfes ähnelt fast einer präzisen Sportmoderation. „Auch der linke Fuß dreht sich, als würde er eine Kippe ausdrücken, und plötzlich wirft er den linken Arm nach vorn, als würfe er einen Stein (...).“ In welchem Charakter der Erzähler steckt, ist zunächst nicht ganz klar. Er himmelt den jüdischen Boxer Shapiro an, scheint regelrecht mit ihm zu verschmelzen – obwohl der es war, der seinen Vater am langen grauen Bart aus der Wohnung zerrte, um ihn dann im Namen des Paten umzubringen. Aus diesem Grund werde er niemals einen Bart tragen – so springt der Erzähler in eine Barbierszene. Und wieder betreten neue Gestalten die Bildfläche, die den Leser in eine düstere, aufregende Welt mitnehmen. 

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