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  • 16.02.2018
  • von Astrid Priebs-Tröger

Filmdiskussion zu „Free Lunch Society“: Einkommen ohne Bedingung

von Astrid Priebs-Tröger

Im Film "Free Lunch Society" geht es um bedingungsloses Grundeinkommen. Im Filmmuseum sorgte das für Diskussionen.

Potsdam - Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein: Bedingungsloses Grundeinkommen! Denn wenn Einkommen und Arbeit voneinander getrennt sind, bedeutet das die Freiheit, nur noch das zu tun, was man wirklich will. Seit fast siebzig Jahren ist diese Grundeinkommens-Idee in der Welt, wie man im neuen Dokumentarfilm „Free Lunch Society“ von Christian Tod an vielen historischen und gegenwärtigen Beispielen aus den USA, Europa und Afrika erfährt.

Die Idee an sich ist gut. Das bezweifelte auch keiner der Anwesenden im Filmmuseum, in dem am Mittwoch im Rahmen der 13. Ökofilmtour der Film gezeigt wurde. Mit dem Thema „Grundeinkommen“ beschäftige sich das Festival schon lange, sagte dessen Leiter Ernst-Alfred Müller zu Beginn der einstündigen Filmdiskussion. Doch bisher habe es qualitativ keiner der bisher eingereichten Filme ins Festivalprogramm geschafft.

Film ist bundesweit zu sehen

„Free Lunch Society“ hingegen schon und der faktenreiche, gut recherchierte Dokumentarfilm, so Müller, sei auch seit 1. Februar bundesweit in den Kinos zu sehen. Winfried Wolf, der Chefredakteur der linken Wirtschaftszeitung „Lunapark 21“ hielt dagegen, dass der Film sehr vollgepackt mit Informationen und Personen sei und weder beantwortet, was das Grundeinkommen genau sei, noch, wer es bezahlen würde. Der abendfüllende Dokumentarfilm produziert eine durchweg positive Stimmung für das bedingungslose Grundeinkommen. Doch „Free Lunch Society“ stellt keine grundlegenden Fragen, gibt fast keine Antworten und lässt auch keine Gegner zu Wort kommen.

Der Frage der Finanzierung wurde dann im Gespräch nachgegangen. Robert Cibis, Co-Produzent von „Free Lunch Society“, der den an Grippe erkrankten Regisseur Tod auf dem Podium vertrat, sagte, dass allein die Frage „Wer bezahlt es?“ ja schon impliziere, dass die Gesellschaft das Grundeinkommen wolle. Und dass es jetzt darum gehen könnte, das Grundeinkommen gemeinsam zu gestalten. Damit griff er den überaus optimistischen Tonfall des Filmes auf und erzählte, wie ihn ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) bei seiner freien Tätigkeit als Produzent finanziell auffangen würde.

Digitalisierung als Gefahr?

Wolf wandte sich dann gegen die weitere „Atomisierung in der Arbeitswelt“, die immer mehr Menschen dazu zwinge, gleichzeitig mehrere Jobs zu machen und immer noch flexibler zu sein. Er glaube auch nicht, dass durch die stark zunehmende Digitalisierung ein Großteil der Jobs wegfallen würde, sondern mahnte an, dass in den Bereichen Bildung, Erziehung oder Altenpflege viele neue Jobs entstünden und dass gerade die Familienarbeit endlich geschlechtergerecht aufgeteilt werden müsse.

Zur Sprache kam auch, dass durch die Globalisierung und Digitalisierung die Macht der nationalen Regierungen schwinde und dass, so Cibis, nationale Grenzen weiter aufgelöst würden. „Kann der Kapitalismus so bestehen bleiben?“, fragte schließlich Winfried Wolf und lieferte die Antwort gleich selbst: Er dürfe es nicht, „denn er fährt die Welt gegen die Wand!“ Nach diesem Credo wurde die Diskussion für das Publikum geöffnet. Ein Besucher sah ein Riesenpotenzial in der sogenannten kreativen Arbeit, die auch nicht marktkonform sein müsse, sondern einfach getan werden könnte, wenn für jeden ein bedingungsloses Grundeinkommen zur Verfügung stünde.

Konsens herrschte darüber, dass heutzutage schon viel Geld für sozialen Ausgleich gezahlt wird, diese Transfers jedoch an Bedingungen geknüpft seien. Das bedingungslose Grundeinkommen sei dagegen ein sehr liberales Projekt – „links“ und „rechts“ zugleich, so Produzent Robert Cibis.

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