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  • 12.02.2018
  • von Peter Buske

Das Sinfoniekonzert des Staatsorchesters: Intensive Dialoge zur russischen Seele

von Peter Buske

Ganz dem Schwelgen in russischer Romantik – und ihrer Ausforschung – hatte sich das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt unter Leitung seines Chefdirigenten Howard Griffiths am Samstag bei seinem umjubelten Auftritt innerhalb der Sinfoniekonzertreihe des Nikolaisaals verschrieben.

Die reizvolle Programmauswahl mit Werken von Sergej Rachmaninow, Peter Tschaikowsky und Sergej Prokofjew erwies sich gleichsam als ein unaufhörlicher Dialog über die russische Seele. Und zwar in allen erdenklichen Facetten: melancholisch, kraftstrotzend, jähzornig, kapriziös, keck, derb, sentimental… Der Zwischentöne und des Klangfarbenreichtums scheint kein Ende zu sein. Für Howard Griffiths ist dabei jedes Detail ungemein wichtig. Dass er an den Beginn seiner russo-musikalischen Psychoanalyse das liebevoll „Rach 3“ genannte spätromantische und technisch überaus anspruchsvolle 3. Klavierkonzert d-Moll op. 30 von Rachmaninow stellt, dürfte kein Zufall gewesen sein, sondern klug konzipierte Absicht. Verlangt es doch von allen Beteiligten ein Höchstmaß an interpretatorischer Inbrunst. Und die wird geliefert.

Wie nebenbei und sehr lyrisch entsteht ohne lange Vorrede eine pulsierende Bewegung, aus der sich ein markantes Thema entwickelt. „Ich wollte“, so der Komponist und Klaviervirtuose über seine Absicht, „die Melodie am Klavier ‚singen’, so wie ein Sänger sie singen würde, und eine passende Orchesterbegleitung finden.“ Im präludierenden Fortspinnen der Gedanken erfolgt eine sinfonische Verzahnung von Klavier und Orchester. Dabei zieht allmählich das Tempo an und das Ganze steuert unaufhörlich und vor pianistischen Vertracktheiten nur so strotzend auf die große Solokadenz zu. Der 28-jährige litauisch-russische Pianist Lukas Genuišas, Silbermedaillengewinner des Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerbs 2015, beherrscht das poetische wie energische Tastatieren des Steinway-Flügels gleichermaßen. Er verfügt über einen klaren Anschlag und technische Brillanz, die ihm nie zum Selbstzweck gerät. Mit seinem ausgeprägten, sehr differenzierten Ausdrucksvermögen vermag er es, kraftdonnernde Akkordballungen abrupt in perlende Leichtigkeit umschlagen zu können – und umgekehrt. So überrumpelt er im Adagio-Intermezzo die Zuhörer mit einer staunenswerten Pianissimo-Spielkultur, durch die beispielsweise der Eindruck von Raunendem oder eines Flattertanzes von Fledermäusen entsteht. Mit zwei Zugaben dankt er dem Bravojubel.

Hellwach und ebenfalls in die Musik hineinhorchend erzeugen die Musiker des Staatsorchesters einen voluminösen, wie ein präzises Uhrwerk abschnurrenden und romantisch-schwelgerischen Klang, der aber durch die analytische Saalakustik viel von seiner beabsichtigten Wirkung einbüßt. Leider auch bei der Wiedergabe von Tschaikowskys „Romeo und Julia“-Phantasie-Ouvertüre, die sie als ein kontrastreiches, klangschlankes, intensiv gestaltetes Seelenpanorama ausdeuten – ein Shakespeare-Drama im Miniformat. Den komödiantischen Gegensatz bildet Prokofjews witzig-karikierende Suite aus der Oper „Die Liebe zu den drei Orangen“ op. 33a, vom Staatsorchester mit geradezu karnevalistischem Furor ausgebreitet. Pointiert werden „Die Lächerlichen“ vorgeführt, hat der berühmte Grotesk-„Marsch“ nichts von seiner Würze eingebüßt, sorgt die rasant vorüberjagende „Flucht“ und weiterer parodistischer Spielwitz für einen umjubelten Ausklang des vergnüglichen Abends.

Peter Buske

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