20.07.2018, 26°C
  • 08.01.2018
  • von Richard Rabensaat

Raumgreifend

von Richard Rabensaat

Reflexive Meditation. Das Foto eines Mannes im Wald von Menno Veldhuis ist ein Nachdenken des Künstlers über seine holländische Heimat – und die Rolle des ostentativ männlichen, naturverbundenen Malers. Foto: Andreas Klaer

Das Kunsthaus zeigt in der Ausstellung „Kein Thema“ die Produktivität der Potsdamer Kunstszene – und baut seinen Wirkungskreis aus

„Kein Thema“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Potsdam: Ein Thema wurde für die beteiligten Künstler auch ausdrücklich nicht festgelegt. Die gegenwärtige Ausstellung zeigt nun, wie vielfältig die Potsdamer Kunstproduktion ist und wie sie sich in das weit verzweigte Netz von Kunstvereinen im Land einfügt.

Zu sehen ist unter anderem raumgreifende Farbfeldmalerei von Elisabeth Sonneck und eine chrom-schimmernde Skulptur mit dem Titel „Erreger“ von Götz Lemberg, die anmutet wie eine zu groß geratene Spore. Auch experimentelle Fotoarbeiten sind zu sehen, beispielsweise ein Objekt mit Röntgenfilmen von Sibylle Wagner. „My home is where my heart is“ behauptet die Künstlerin Ina Lindemann mit einer Bildkombination aus expressiver und skripturaler Malerei.

Birgit Möckel, seit mehr als zwei Jahren Vorsitzende des Kunstvereins Kunsthaus Potsdam, ist es wichtig, aus der Potsdamer Kunstlandschaft hinaus auch in andere Städte und Länder zu wirken. „Wir haben Kooperationen mit Kunstvereinen in anderen Städten, mit Botschaften und anderen europäischen Ländern“, sagt Möckel. Schon zur Gründung des Kunstvereins, vor mehr als 15 Jahren, lag der Blick auf internationaler Kunst. Künstler wie der aus Holland stammende Armando wirkten von Anfang an im Verein mit.

Einige der kommenden Ausstellungen des Kunstvereins werden auch in andere Städte weiterreisen. So die zeitgenössische Position aus Holland, die im Juni im Kunsthaus zu sehen ist: mit den beiden holländischen Künstlern Joncquil und Piet Warffemius. Im April gibt es bereits eine Zusammenarbeit mit Künstlern aus Amsterdam. „Die Glasskulpturen von Johoshua Rozenman sind sehr ungewöhnlich“, sagt Möckel. „Anti-Glas“ ist der Titel der aktuellen Ausstellung des Künstlers im National Glass Museum Leerdam in Holland. Wie zerbombte Überreste geschmolzenen Glases muten einige seiner dort gezeigten Skulpturen an, weit entfernt von der bunt schimmernden Optik hübsch geschliffenen Tiffany-Glases.

Das großformatige Foto eines Mannes im Wald von Menno Veldhuis, ausgestellt in der aktuellen Ausstellung in Potsdam, fasziniert als reflexive Meditation des Künstlers über seine holländische Heimat und die Rolle des ostentativ männlichen, naturverbundenen Malers. Van Gogh, ein stets virulenter Bezugspunkt von Veldhuis, scheint geradezu hinter einem Baumstamm hervorzulugen.

Dem Kunstverein sei es wichtig, ungewöhnliche Positionen zu zeigen und künstlerische Experimente zu wagen, so Möckel: „Wir zeigen nicht nur das zweidimensionale Bild an der Wand. Kunst ist heute auch medial und raumgreifend.“ Deshalb verfüge der Kunstverein nun über entsprechende Projektionsmöglichkeiten, könne Filme und Videos präsentieren. Damit zeigt der Verein auch seinen Mitgliedern das breite Spektrum der Gegenwartskunst.

„Die Mitglieder sollen in den Verein eingebunden werden, wir möchten ihnen etwas bieten, das sie nur hier finden“, sagt Möckel. Hierauf gibt die erste Ausstellung in diesem Jahr einen Ausblick. Sie wird begleitet von einem Vortrag von Jutta Götzmann, der Direktorin des Potsdam Museum über den Expressionisten Fritz Ascher und einer Diskussion mit dem Kunstkritiker Hanno Rautenberg über Kunstmarkt und Moral.

Auch im weiteren Verlauf des Jahres bietet der Kunstverein mit Diskussionen, Fahrten zu Ausstellungen und dem Austausch mit anderen Kunstorten die Möglichkeit, die Lebendigkeit der Kunstlandschaft zu erforschen. Um ein Programm zu gestalten, das nicht nur lokale Künstler zeigt, reichen die Mittel des Vereins allerdings nicht, gesteht Möckel. Mitgliedsbeiträge und eine Unterstützung der Stadt Potsdam würden zwar einen Großteil der Kosten decken, dennoch aber sei es für jede Ausstellung notwendig, weitere Sponsoren und Drittmittel einzuwerben.

Dementsprechend koste es sie als ehrenamtliche Vorsitzende stets erhebliche Zeit, entsprechende Anträge zu stellen und die Korrespondenz mit Stiftungen, Ämtern und Fördergebern zu führen. Gelungen ist dem Verein auf diese Weise ein Programm, das eben nicht nur die Werke eigener Künstler präsentiert, sondern im September mit „Pirating Presence“ den Diskurs über die allgegenwärtige Verfügbarkeit beliebiger Bildermengen in immer zahlreicher werdenden Medien anstoßen möchte: kooperierend mit dem Kunstverein Pforzheim und dem Haus am Lützowplatz.

Die Roland Gräfe Stiftung wird im August die mit dem Stiftungspreis prämierten Arbeiten zeigen, die sich mit Pleinair-Kunst in Brandenburg auseinandersetzt. Jedes Jahr werde der Kunstpreis in einem anderen Bundesland vergeben, so Möckel. Sie freut sich, dass es gelungen ist, den Stifter für den Kunstverein zu interessieren. Der Kunstverein befinde sich auf einem guten Weg, sagt sie, er hätte nahezu 300 Mitglieder. Seit Jahren bringe er nunmehr Künstler und Kunstinteressierte zu einem lebendigen Dialog nicht nur über die Kunst in Potsdam zusammen.

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