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  • 23.12.2017
  • von Erik Wenk

Virtuos und ganz ohne Weihnachten Der Saisonabschluss von „JazzTime in Babelsberg“

von Erik Wenk

Ein letztes Mal „JazzTime in Babelsberg“ für dieses Jahr: Am Donnerstag sorgte die Erfolgsreihe aus Konzert und Jamsession, die allen offensteht, erneut für einen vollen Saal im Kulturhaus Babelsberg. „Damit geht schon die dritte Saison von JazzTime zu Ende“, sagt Max Punstein selbst ein bisschen ungläubig, aber hochzufrieden. Der Schlagzeuger, der vor drei Jahren den Jazz zurück nach Potsdam holte, hat in diesem Jahr immer wieder hochkarätige Solisten nach Babelsberg locken können: Die Sängerin Jessica Gall etwa, oder den Schweizer Saxophonisten Daniel Guggenheim. Viele davon seien auf Vorschlag des Publikums eingeladen worden, so Punstein, und das gelte auch für den Gast des heutigen Abends: den Berliner Flötisten Tilmann Dehnhard, der auf seinem Instrument buchstäblich Atemberaubendes zu Stande bringen kann.

Im Zuschauerraum liegen schon zu Beginn des Abends mehrere Instrumente auf dem Boden, bereit für die anschließende Jamsession, bei der die Bühne allen offensteht. Die Stimmung ist familiär, man kennt sich, es wird eifrig über Musik gefachsimpelt. Aber erst mal kommt der „Star“ – auch wenn er sich keineswegs so verhält: Dehnhard eröffnet den Abend mit einem lyrisch-melancholischen Stück, begleitet nur vom Klavier, garniert mit kleinen Flöten-Trillern à la John Coltrane. „IHMO“ („In my humble opion“) heißt das Stück. „Eine Eigenkomposition", sagt Dehnhard fast entschuldigend über den gelungenen Auftakt. „So, jetzt spielen wir Jazz!“

Die Band rund um Max Punstein begibt sich mit Cole Porters Swing-Standard „You’d be so nice to come home to“ sogleich in die Blütezeit des Jazz. „Das muss man eigentlich singen, aber ich bin leider etwas verschnupft“, sagt Dehnhard anschließend. Aber auch im angeschlagenen Zustand ist der Musiker ein Virtuose an seinem Instrument, der bei aller Improvisationslust immer ein gutes Gespür für wirkungsvolle Pausen beweist.

Heimlicher Star des Abends ist aber der Gastgeber: Max Punstein am Schlagzeug zuzusehen, ist einfach eine Freude, vor allem bei Wes Montgomerys „Road Song“, bei dem Punstein die Besen ebenso rasant wie pointiert über das Schlagzeug wirbeln lässt, die Trommeln mal nur antupfend, mal mit Stakkato- Schlägen malträtierend, mal sachte streichelnd. „Dieser Song heißt ‚Beatrice’ von Sam Rivers – war bestimmt ein Weihnachtsgeschenk für seine Frau“, kündigt Dehnhard das nächste Stück an. Es bleibt der einzige Hinweis auf das heranrückende Weihnachtsfest an diesem Abend – zum Glück verschonten die Musiker ihr Publikum mit Weihnachtsliedern.

So auch im zweiten Teil des Abends, der vom US-amerikanischen Klarinettisten Harry Petersen eingeleitet wird, ein Stammgast bei „JazzTime“, der schon beim allerersten Mal mit von der Partie war. Nun wird Thelonius Monk gespielt. „Kennt jemand Monk?“, fragt Punstein nicht ganz ernst ins Publikum und scherzt: „Das ist ein etwas unbekannter Pianist hier aus der Region.“ Natürlich kennt hier jeder Monk und deshalb entern auch schon bald die ersten Musiker aus dem Publikum die Bühne und klinken sich bei Petersen ein.

Das gilt es auszukosten, denn nach dem Ende der Session ist Schluss für dieses Jahr: JazzTime geht in die Winterpause. „Im März geht es weiter!“, verspricht Punstein. Erik Wenk

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