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  • 13.11.2017
  • von Richard Rabensaat

Art Brandenburg: Nicht so bescheiden!

von Richard Rabensaat

Strukturen, die Kunst im Land sichtbar machen -die sollen sich Verbände überlegen, fordert die kulturpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Ulrike Liedtke.

Potsdam - Wohin mit der Kunst in Brandenburg, um diese Frage drehte sich nicht nur die Diskussion auf der siebten Art Brandenburg. „Wir haben eine gute wirtschaftliche Ausgangslage, jetzt gilt es, daraus etwas zu machen und Positionen für die Künstler und Künstlerinnnen in Brandenburg zu gestalten“, sagte Ulrike Liedtke, kulturpolitische Sprecherin im Brandenburgischen Landtag (SPD). Einige Forderungen, die Brandenburgische Künstlerverbände schon lange gestellt hätten, seinen mittlerweile entweder vom Landtag beschlossen, oder würden entsprechend vorbereitet, so Liedtke: Ausstellungshonorare für Künstler in kommunalen Galerien, die Förderung von Atelierräumen, Stipendien für Künstler. „Jetzt sind die Verbände aufgerufen, sich zu überlegen, welche Strukturen neu geschaffen und ausgebaut werden müssen“, appellierte Liedtke.

Dauerhafte Strukturen nötig

Die anwesenden Verbandsvertreter: Gerrit Gohlke für den Brandenburgischen Kunstverein und Jutta Pelz, Vorsitzende des Brandenburgischen Verband Bildender Künstlerinnen und Künstler, waren sich einige: Notwendig ist es, dauerhafte Strukturen zu schaffen, die die Kunst im Land Brandenburg sichtbar machen. Hierzu gehöre die Förderung von Ausstellungsräumen ebenso wie eine angemessene Honorierung von Künstlern.

Häufig würden sich die jeweiligen Kommunen gerne mit den lokalen Künstlern schmücken, wenn diese spektakuläre Kunstprojekte mit überregionaler Strahlkraft entwickeln. Über ein lauwarmes Dankeschön bei der Eröffnung des jeweiligen Projektes hinaus fände dann aber keine weitere Anerkennung statt. „Wir haben eine große Ausstellung organisiert und bekamen danach einen Scheck vom Landrat“, berichtet eine Diskussionsteilnehmerin aus dem Publikum: „Das waren 20 Euro.“ Bei den entsprechenden Landräten fehle nicht selten das Verständnis dafür, dass Kunst nicht nur schön sei, sondern auch viel Arbeit mache, bestätigte Jutta Pelz vom Künstlerverband.

Kunsthalle Brennabor ist beispielhaft

Pelz nannte die Kunsthalle Brennabor in Brandenburg/Havel als beispielhaft für das Bundesland. Die Kunsthalle verfügt über keine eigene Sammlung, ehrenamtliche Mitarbeiter organisieren den Ausstellungsbetrieb. Für die Stadt Brandenburg jedoch sei die Kunsthalle wichtig, weil sie Ausstellungsmöglichkeiten sowohl für unbekanntere Brandenburger Künstler wie auch für Künstler mit überregionaler Strahlkraft biete, so Pelz. Zwar gibt es in Brandenburg nach Angaben von Pelz nur rund 1100 Künstlerinnen und Künstler, was recht wenig ist im Vergleich zu den weit mehr als 10.000 bei der Künstlersozialkasse gemeldeten Berliner Künstlern. Aber die strukturelle Kulturarbeit der Künstler in den ländlichen Regionen sei ausgesprochen wichtig.

Der Brandenburgische Kunstverein hat dementsprechend im vergangenen Jahr Künstlerateliers in Brandenburg besucht, um sich einen Überblick über die Lage im Land zu verschaffen, und die Werke der Künstler dann in einer Ausstellung in Potsdam präsentiert. „Kunst kann hier strukturbildend wirken. Wenn das nicht geschieht, werden andere Strukturen noch mehr erstarken, die niemand will“, sagte Gohlke. Die Künste müssten im Land gemeinsam agieren und nicht nach Sparten getrennt denken, forderte Liedtke, die sich als Musikerin insbesondere für die Neue Musik einsetzt. Auch die Art Brandenburg müsse gestärkt werden und wohl häufiger als im Zweijahresrhythmus stattfinden.

Art Brandenburg braucht Veränderung

Dass sich einiges an der Art Brandenburg ändern müsse, finden auch einige der rund 100 ausstellenden Künstler. Auch wenn die Stände mehr Raum hätten als in vergangenen Jahren und die Präsentation insgesamt angenehmer sei, gebe es noch Verbesserungsbedarf: Anzeigen und Werbung müssten früher und offensiver geschaltet werden; unerfreulich sei, dass die Beleuchtungsanlage in einer der beiden Hallen nicht vollständig genutzt werde; unglücklich seien auch die Dauer und die Öffnungszeiten. Die Messe sollte besser auf die Tage von Freitag bis Sonntag konzentriert werden und auch sonntags länger als bis 18 geöffnet sein, sagten einige Künstler. Zudem sei die Art Brandenburg ohnehin eher eine Messe, auf der „man sich zeige und gesehen werde und wenig verkaufe“, so der Tenor.

Das ist schade, denn bemerkenswerte Kunstwerke können zu vergleichsweise moderaten Preisen erworben werden. Insgesamt ist das Format und das Profil der Messe sicherlich erweiterbar. Immerhin ist Potsdam eine prosperierende Landeshauptstadt mit einer Bewohnerschaft, die durchaus eine hochpreisige Kunstmesse tragen könnte, zumal in Berlin eine wirklich repräsentative Messe nach dem Ende der Art Forum Berlin fehlt. Notwendig wäre es, die hochkarätige Kunst, die in Potsdam und Brandenburg entsteht, deutlicher herauszustreichen.

Stetig wachsendes Interesse

Dass erfolgreiche Galeriearbeit auch in Potsdam möglich ist, betont die Galeristin des Kunstkontor Sehmsdorf. „Seit der Gründung der Galerie bemerke ich ein stetig wachsendes Interesse an meinen Künstlern“, sagt Sehmsdorf, die international anerkannte Künstler wie Strawalde, Wieland Förster und Johannes Heisig in ihrem Portfolio führt.

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