20.11.2017, 5°C
  • 06.11.2017
  • von Klaus Büstrin

Reformation und Requiem

von Klaus Büstrin

Der Sinfonische Chor der Singakademie Potsdam lud zu seinem Konzert am Samstag im Nikolaisaal den Berliner Oratorien- Chor als Musizierpartner ein. Beide von Thomas Hennig geleitete Ensembles mit jeweils wohl rund 100 Sängerinnen und Sängern bildeten eine kraftvolle und homogene Einheit. Sie tat sogleich dem Eingangsstück des Abends, der Kirchlichen Festouvertüre über Luthers Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ von Otto Nicolai, einem Zeitgenossen Mendelssohn Bartholdys, gut. Nicolais Vorstellungen vom musikalischen Triumph des Protestantismus kamen bestens zur Geltung. Das Brandenburgische Staatsorchester spielte das mit Pathos durchzogene Werk klangschön und gab ihm mit dem Chor, was man erwartete: festliche Momente.

Anschließend ging es mit 500 Jahren Reformation weiter. Hennig und das Staatsorchester musizierten die 5. Sinfonie in D-Dur/d-Moll, die Reformationssinfonie, von Felix Mendelssohn Bartholdy. Auch hierbei erwies sich der Komponist als Zauderer seines Werkes. Nach der Uraufführung 1832 hätte er es am liebsten verbrannt. Doch die Sinfonie bietet alles, was wir an Mendelssohns Musik lieben: eingängige, sangliche Themen, straffe Rhythmen, auch die unnachahmliche Sommernachtstraum-Atmosphäre, kontrapunktische Kunststücke und klangvolle Bläsersätze, die mit dem Luther-Choral „Ein feste Burg“ kraftvoll harmonisieren. Unter Hennigs Dirigat überzeugte das Staatsorchester mit furiosen Streicher-und Bläserpassagen, mit schöner Leichtigkeit im zweiten Satz, interessanten Farbschattierungen, die von kammermusikalisch-zartem Triospiel unterbrochen wurden im Andante und klar gesetzter Choralfestigkeit im Finalsatz.

Nach der Pause kamen die Singakademie Potsdam und der Berliner Oratorien-Chor zum großen sängerischen und gestalterischen Einsatz. Auf dem Programm stand „Ein deutsches Requiem“ von Johannes Brahms in einer warm getönten Interpretation durch Thomas Hennig. Nicht die lateinische Totenmesse liegt dem 1866 uraufgeführten Werk zugrunde, sondern Brahms hatte ein Requiem für die, „die da Leid tragen“, geschrieben. Dafür hatte er aus dem Alten und Neuen Testament Texte zusammengestellt, die eine sehr persönliche Haltung zu Glaube, Tod, Trost und Erlös vermitteln. Der große Chor erwies sich als ein differenziert nuancierender Klangkörper, der vor allem bei den großen Ausbrüchen, so bei „Denn es wird die Posaune erschallen“ und „Tod, wo ist dein Stachel“, nichts schuldig blieb. Auch die Fugen waren klar strukturiert und kraftvoll gestaltet. Fast kammermusikalisch geriet „Wie lieblich sind deine Wohnungen“. Ein besonderes Lob verdient die auffallende Textverständlichkeit. Das stimmliche Ereignis bot jedoch die Sopranistin Yvonne Friedli. Die Schweizerin sang mit klarer, doch diesseitiger „Engelhaftigkeit“ ihren relativ kurzen Part ganz souverän. Dagegen war der Bariton Till Schulze stimmlich oftmals überfordert.

Bei der Brahms-Wiedergabe war das Staatsorchester ein souveräner Musizierpartner. Nach einer längeren Minute andächtiger Stille gab es zum Schluss viel Beifall als Zeichen des Dankes für eine bewegende Aufführung. Klaus Büstrin

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!