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  • 06.10.2017
  • von Richard Rabensaat

Illustration, Prominenz und Gefühl

von Richard Rabensaat

Fläche statt Tiefe. Die Bilder des Pop-Art-Künstlers Ed Heck werden derzeit in der Galerie von Albert Baake am Alten Markt ausgestellt. Sie sind vor allem illustrativ. Foto: Andreas Klaer

Die Galerie Baake expandiert munter weiter – nach dem Alten Markt nun die Villa von Haacke

Der Galerist Albert Baake hat ein Faible für Schauspieler und Sänger, die zu Stift und Pinsel greifen. Seit zehn Jahren zeigt er in seiner Galerie im Holländischen Viertel unter anderem Bilder von Udo Lindenberg, Armin Müller-Stahl und Ron Wood. Auch in der Villa von Haacke, einem Restaurant in einem der laut Baake „schönsten Häuser Potsdams“ sind seit wenigen Tagen handsignierte Drucke von Armin Müller-Stahl und Bilder des Künstlers Devin Miles zu sehen.

Die Villa von Haacke ist der inzwischen dritte Ausstellungsort für den Galeristen in Potsdam. Dort zeige er aber keine thematischen Ausstellungen, sondern wechselnde Werke verschiedener Künstler, erklärt Baake. Wird etwas verkauft, werden neue Bilder aufgehängt. Der neue Eigentümer des Restaurants sei auf ihn zugetreten und habe nach der Möglichkeit einer Zusammenarbeit gefragt.

Im Mai 2016 hat er einen neuen Showroom neben dem Museum Barberini eröffnet. Dort zeigt Albert Baake gegenwärtig Bilder des New Yorker Malers Ed Heck. Der Künstler war für die Eröffnung seiner Ausstellung nach Potsdam gekommen und beendete hier eine Tour durch Deutschland. Eigentlich ist Heck Illustrator. Nach einer entsprechenden Ausbildung arbeitete er zunächst am America Museum of Natural History. „Dort habe ich Dinosaurier gezeichnet“, beschreibt der Künstler sein Tätigkeitsfeld. Nachdem er allerdings mit einem Freund den Film Jurassic Park angesehen hatte, sei ihm klar geworden: „Künstler, die Dinosaurier zeichnen, braucht niemand mehr. Dinosaurier werden künftig animiert.“ So habe er sich entschlossen, seinen Beruf als Illustrator an den Nagel zu hängen und startete 1999 mit einer ersten Einzelausstellung in einer New Yorker Galerie.

Weiterhin zeichnete Heck allerdings Kinderbücher. Sympathisch lächelnde Hunde, lustig jubilierende Vögel und vieläugige, gut gelaunte Monster finden sich dort. Was Kindern Spaß bereitet, muss allerdings nicht unbedingt als Kunst auf Leinwand funktionieren. „Die meisten Bilder sind handgemalt“, erläutert Alexander Lieventhal, der mitgereiste Agent des Künstlers. Nur wo sich ein Copyright-Zeichen auf einem Bild finden würde, handele es sich um Drucke. Die lassen sich allerdings kaum von den handgemalten Bildern unterscheiden. Beide Formate wirken völlig glatt, wie gedruckt. Die Figuren auf den Bildern: flach und ohne jeden erkennbaren personalisierten Strich oder Stil, der über den der zweckgerichteten Kinderbuchfiguren hinausginge. Was als Illustration wunderbar funktioniert und erheitert, wird auf der Leinwand zum platten und überflüssigen Dekor, dessen illustrativer Grundgedanke schnell zum flachen Witz verkommt. Der anekdotische Grundgedanke der Illustrationen lässt sich offenkundig nicht unmittelbar in die Malerei und in eine Kunst übertragen, die im Idealfall Welt reflektiert und nicht bebildert.

Ed Koch sei ein Pop-Art-Künstler, erklärt der Albert Baake, der auch selbst in Hamburg Kunst studiert hat. Nicht zuletzt um seine eigenen Bilder zu zeigen, habe Baake die Galerie eröffnet, zunächst in Hamburg, dann in Potsdam. Mit der Eröffnung des Museums Barberini blase in Potsdam ein frischer Wind in der Kunstszene, der sich auch für seine neu eröffnete Galerie in unmittelbarer Nähe bemerkbar mache, sagt er. Seine Kunden kämen nicht nur aus Potsdam, sondern aus ganz Europa, viele aus der Schweiz.

„Ich habe mich auf die klassische Moderne spezialisiert: Dali, Picasso und so weiter“, sagt Baake. Markus Lüpertz und Max Liebermann finden sich auch im Portfolio des Galeristen. Es seien meist handsignierte Drucke, die er von den großen Klassikern im Programm führe, so Baake. Mittlerweile sei er als Galerist so bekannt, dass er angerufen werde, wenn in Deutschland ein Nachlass mit Bildern aufgelöst werde, die ihn interessieren könnten.

Auch Kerstin Leicher wird von Albert Baake vertreten. „Meine Bilder sollen fröhlich sein. Ich möchte Positives in die Welt bringen“, sagt sie. Mit leichter Hand gemalt fügen sich orangefarbene Schmetterlinge, Blumen und Herzen aus Lack und Öl vor weißem Hintergrund zu einem unbeschwert pulsierenden, rhythmischen Bildganzen. Sonnen und Sterne, manchmal die Andeutung einer Figur, die ganz aus der Ferne an die Frauenbilder der Malerin Elvira Bach erinnert, Fische, die durch Häuserschluchten schwimmen. Vielleicht sind es Erinnerungen an New-York-Aufenthalte der Künstlerin, sie ist in internationalen Galerien vertreten.

Nicht über den intellektuell angeregten Verstand, sondern unmittelbar über das Gefühl des Betrachters wirken die mit bewegtem Strich und fröhlicher Farbigkeit gemalten Bilder Leichers. Sie hängen in der Galerie unmittelbar neben den Objekten von Ralf Birkelbach. Dieser unterrichtet gegenwärtig an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin (HTW). Birkelbach schafft mit seiner Kunst „kluge Gedanken in 3D“. So steht es auf der Visitenkarte.

Nachdem mittlerweile seit mehr als einem Jahrzehnt die Digitalisierung den Zeitgeist geprägt habe, gebe es nun einen Hunger nach „Kunst zum Anfassen“, sagt Birkelbach. Seine Objekte sind dreidimensional und spielen mit dem Raum und seiner Umgebung. „Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, das Schöne zu erkennen, wird nie alt werden“, zitiert eines seiner Objekte Franz Kafka. Richard Rabensaat

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