22.11.2017, 9°C
  • 11.09.2017
  • von Richard Rabensaat

Der Natur ergeben

von Richard Rabensaat

Ergänzend. Während Rudolf Hartmetz (l.) und Otto von Kamecke weitgehend auf Abbildungen von Menschen verzichteten, muten die Skulpturen von Klaus Hack immer auch etwas humanoid an. Foto: Ronny Budweth

Zum Kunstwochenende eröffneten neue Ausstellungen in Potsdam: Alpenblicke und Holzskulpturen

Einem ziemlich scheuen Privatsammler gehören die meisten Gemälde, die in der aktuellen Ausstellung im Kunsthaus Sans Titre zu sehen sind. Glühende Berglandschaften, rauschende Bäche, Gletscher und schroffe Felsen. Berge, die sich im Hintergrund eines blau schimmernden Sees auftürmen, werden in zartem Orange und Rot von der untergehenden Sonne beschienen. Die Ölbilder des Malers Otto von Kamecke ergänzen Skulpturen von Klaus Hack und Fotografien von Rudolf Hartmetz. Im Rahmen des Potsdamer Dreiklangs hat die Ausstellung in dem selbst verwalteten Kunsthaus eröffnet. Zudem eröffnet am gestrigen Sonntag dort eine Soloschau von Menno Veldhuis.

Musikalisches an ungewöhnlichen Orten quer durch die Stadt, frei zugängliche Baudenkmale und eben Kunst ist im Rahmen des Dreiklangs zu sehen. Die ungewöhnliche Schau im Sans Titre ist den Kuratoren Herbert Schirmer und Daniel Fitzenreiter zu verdanken. Der Sammler möchte namentlich nicht genannt werden. Sein Engagement bliebe im Verborgenen, auch bei der Vernissage sei er nicht zugegen gewesen, so Fitzenreiter. „Es wird aber eine nicht öffentliche Kuratoren Sammler Führung durch die Ausstellung geben“, sagt der Kurator. Kamecke verstarb bereits vor mehr als hundert Jahren.

1826 bis 1899 lebte der Maler, der viel reiste und seine Bilder nach Studien vorwiegend in Oberbayern, der Schweiz und Tirol malte. Einem Adelsgeschlecht entstammend und mit einer ebensolchen Frau verheiratet entschied sich der 34-jährige Hauptmann von Kamecke zur Kunst zu wechseln. Er studierte zunächst in Rom, dann auch in Weimar unter anderem bei Böcklin.

Berufen als Professor und als Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften war Kamecke sicher kein brotloser vor sich hin schaffender, getriebener Künstler. Und das sieht man seinen Bildern auch an. Es sind genau beobachtete Landschaftsansichten, die sich auf Strukturen von Felsen und Flechten von Nebeln einlassen.

Ohne mit dem Finger darauf zeigen, schafft es Kamecke die Schönheit der Berglandschaft einzufangen. Und noch ein wenig mehr. In ihrer Großartigkeit und Wildheit, beispielsweise eines rauschenden Gebirgsbaches zeigt sich die Erhabenheit der Natur. Das ist vielleicht sentimental, aber keinesfalls kitschig. Einige Bilder Kamecks seien in öffentlichen Sammlungen zu finden, so sei der Sammler auf den Maler aufmerksam geworden, so Fitzenreiter. Zu den Ölgemälden fügen sich sehr passend die Fotografien Rudolf Hartmetz und die Skulpturen Klaus Hacks. Hartmetz studierte Fotografie und arbeitete lange als Fotograf in der Denkmalspflege. Sein großes Projekt aber bestand darin, einen fiktiven Fotoatlas Europas zu schaffen. „Aber fotografiert hat er nur im Winter. Im Sommer war ihm die Sonne zu direkt“, so Fitzenreiter. Der 1941 geborene und 2007 verstorbene Foto-Grafiker Hartmetz hatte eine deutliche Vorliebe für Schlagschatten. Säulen, Tempelanlagen, Steintreppen fotografierte der in Sachsen aufgewachsene Künstler gerne im Licht der untergehenden Sonne. Was den Fotos eine erhebliche Dramatik verschafft und die Tempelanlagen wie Hinterlassenschaften ferner Götter erscheinen lässt.

Hartmetz allerdings verzichtet ebenso wie Otto von Kamecke weitgehend darauf Menschen abzubilden. „Daher war es gut, die Bilder mit den Skulpturen von Klaus Hack zu kombinieren“, so Fitzenreiter. Denn die Holzskulpturen Hacks haben auch dann menschliche Anmutung, wenn nicht so recht erkennbar ist, ob es sich um einen Stuhl, einen Turm oder eine Figur handelt. Aus Linde oder Eiche geschlagen und mit weißer Farbe bemalt, muten die sonderbar verdrehten und gestapelten Figuren rätselhaft, humanoid an.

Als im Laufe des Nachmittags die Sonne hinter den Regenwolken hervorkommt, finden sich im Sans Titre und den anderen Kunsthäusern interessierte Besucher ein. Eine weiße, historische Straßenbahn, wohl zum Tag des offenen Denkmals aus ihrer Garage geholt, rumpelt mit blechernem Klang durch die Charlottenstraße, an der Galerie von Angelika Euchner vorbei, in der ebenfalls eine neue Ausstellung zu sehen ist. Die Arbeiten von vier Künstlern und Künstlerinnen aus Caracas, Venezuela zeigt die Galerie. Gut gefüllt eröffnet die Ausstellung mit Fotos und Objekten und mit landestypischen mittelamerikanischen Klängen. Der „Kaiman als Haustier“ so der Begleittext, steht auf zahlreichen der Fotos im Mittelpunkt. Denn in Mittelamerika werde das Reptil häufig domestiziert und könne dann ein ganz angenehmer Hausgenosse sein, berichtet Euchner. Das Leben in Venezuela, einen krisengeschüttelten Land, sei recht beschwerlich, das habe sie bei ihrem Besuch dort selbst erfahren, so die Galeristin.

Ausschließlich in Potsdam produziert Rapunzel Bräutigam, die in der Gutenbergstraße ein Keramik Atelier betreibt. In einer speziellen japanischen Technik: Raku, fertigt sie ihre schönen, zwar fragilen, aber auch ein wenig archaisch anmutenden Skulpturen. Bei einem Jahresaufenthalt in einem französischen Atelier hat sie ihr Handwerk verfeinert, nachdem sie zunächst an der Kunstakademie Burg Giebichenstein in Halle studiert hatte. Der künstlerische Dreiklang in Potsdam habe ihr einige neue Besucher beschert, so die Keramikerin, die auch Landschaften zeichnet und verkauft.

Gut verzichten auf zusätzliche Besucher kann offensichtlich die Galerie Lidiya. Obwohl im Kalender zur Kunstgenuss Tour aufgeführt, verkündet ein Schild am Eingang, dass die Galerie bis zum Dienstag geschlossen sei.

Über die Alpen zum Meer, bis 8.10., Do-So 14-19 Uhr, Kunsthaus sans titre, Französische Str. 18

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