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  • 07.09.2017

Was Siegfried und Thorin eint Phänomen Fanartikel: Neue Filmmuseum-Schau

Farbenprächtig. Replik von Kriemhilds Kostüm aus dem Jahr 1982. Foto: Sebastian Gabsch

Filmposter, Postkarten oder Sammelbilder – Werbeartikel für Filme sind heute in Massen erhältlich. Das Phänomen von Merchandise ist allerdings keines der Neuzeit. Das zeigt die neue Foyerausstellung „Die Nibelungen. Mythos, Alltag und Moderne“, die heute Abend im Filmmuseum eröffnet wird. Im Rahmen des 100-jährigen Ufa-Jubiläums widmet sie sich Fritz Langs Verfilmung der Nibelungensage aus dem Jahr 1924. Ganze 293 Minuten ist die lang und daher auch in zwei Teile gegliedert: „Siegfried“ sowie „Kriemhilds Rache“. Beide Filme werden im Rahmen der Ausstellung auch gezeigt. Teil 1 heute Abend um 19 Uhr, Teil 2 am morgigen Freitag um 19.15 Uhr.

In „Die Nibelungen. Mythos, Alltag und Moderne“ erfährt der Besucher allerdings nur wenig über den Film an sich. Wie Filmmuseumschefin Ursula von Keitz erklärt, geht es vielmehr um die Vermarktung desselben. Und so zeigen die Vitrinen im ersten Stock des Filmmuseums unter anderem Postkartenmotive des Films, aufwendig gestaltete Sammelkarten im A4-Format oder ein kleines Fanbuch zu Paul Richter. „Jung Siegfried der Held – Paul Richter“ heißt das und enthält alle wichtigen Informationen über Fritz Langs Siegfried-Darsteller. „Es enthält die Basics und war auch sehr kostengünstig“, so von Keitz. Ein Fanartikel für die Massen eben. So auch das eigentliche Herzstück der Ausstellung: Elf farbige Filmmotive aus „Siegfried“, gemalt von Franz Köck. Es sind Originale aus der Sammlung des Filmmuseums, die zur Vermarktung des Films vervielfältigt und Kaffeepackungen hinzugefügt wurden. „Sie waren das Pendant zu heutigen Sammelbildern“, erklärt von Keitz. Die Bilder seien ein Hit gewesen. Darüber hinaus geben sie Auskunft über die Farbkomposition von Kulisse und Kostüm, die Langs Schwarz-Weiß-Film nicht zeigen kann. Auch eine Replik des Kriemhild-Kostüms von 1982, das im Eingangsbereich des Museums ausgestellt ist, zeigt die reichhaltige Farbpalette. Grün und Rot dominieren hier, mit einer Goldkante abgesetzt. Auch die Bilder sind in satten Farben gehalten – allerdings nur bis Ende Oktober. Dann werden die „Siegfried“-Darstellungen mit Motiven aus „Kriemhilds Rache“ ausgetauscht. „Die sind sehr viel düsterer gehalten, in Brauntönen, Orange, Schwarz“, so die Filmmuseumschefin.

Viel moderner, aber nicht weniger düster: Die Hobbit-Filme von Peter Jackson, in denen ähnlich wie bei den Nibelungen Ring und Drache größere Rollen spielen – und für die eine riesige Merchandise-Maschinerie bis heute wirbt. Das Filmmuseum greift diese moderne Parallele auf und zeigt unter anderem eine Replik von „Orcrist“, dem Schwert von Zwergenchef Thorin Eichenschild. Ein Fanartikel, der genau so beim Anbieter Elbenwald gekauft werden kann. Somit zeigt die Ausstellung auch den Wandel des Merchandise: von Sammelbildern zu bezahlbaren Repliken, die dem Fan die Möglichkeit geben, selbst zur Filmfigur zu werden. Aus Fritz Langs Nibelungen-Epos sind hingegen laut von Keitz wahrscheinlich nicht einmal mehr Originalrequisiten erhalten. Sarah Kugler

„Die Nibelungen“ öffnet heute um 18.30 Uhr und ist bis zum 3. Dezember zu sehen

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