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  • 10.08.2017

„Die Flöte ist immer dabei“

Foto: Stefan Gloede/promo

Die Kammerakademie Potsdam ist gerade in der Sommerpause. Machen auch die Musiker Ferien? Und ihre Instrumente?

Nach der Saison ist vor der Saison: Das gilt für Fußballer nicht anders als für Musiker. Derzeit ist Sommerpause für beide. Allerdings mit einem Unterschied: Für Profifußballer gibt es im Sommer keine Festivals. Für Orchestermusiker hingegen ist gerade der Monat August die Zeit, in der sie gerne für Konzerte angefragt werden. Die PNN sprachen mit drei Musikern der Kammerakademie Potsdam (KAP) darüber, wie sie den August verbringen – mit oder ohne Instrument?

RENATE LOOCK (VIOLINE)

„Früher habe ich durchgearbeitet und auf Sommerfestivals gespielt. Das hat sich massiv geändert. Seit einigen Jahren möchte ich vier Wochen ganz ohne Instrument sein. Mich so erholen, ohne an das Musizieren zu denken. Denn das bringt nur Stress und sonst nichts. Der Kopf braucht vier Wochen, um in die muskuläre Entspannung zu kommen. Es übt sich danach leichter und ich werde schneller fit für den Saisonstart. Ich will auch nicht die ganze Zeit die Saison im Rückblick haben. Sonst besteht die Gefahr, dass ich verkrampfe. Das macht vieles kaputt, denn es ist eine äußerst feine Angelegenheit, sein Instrument zu spielen. Früher war ich überall engagiert. Der Sommer ist die Hochzeit für Festivals. Das wurde in den vergangenen Jahren auch immer mehr. Ich war etwa auf dem Schleswig-Holstein-Musikfestival, im Rheingau … Aber diese Saison war extrem anstrengend. Vor allem an den Wochenenden stand ich wegen der Konzerte oft unter Anspannung. Hinzu kamen die Europatournee in den Pfingstferien und die Konzerte in Südamerika. Jetzt in der Saisonpause möchte ich mich intensiv meiner Familie widmen und meinen Kindern gerecht werden. Außerdem ist es die einzige Zeit, um das Instrument gründlich überholen zu lassen. Die Geige habe ich meinem Geigenbauer überlassen: Das Griffbrett muss abgezogen werden, damit für die neue Saison alles wieder glattläuft.“

BETTINA LANGE (FLÖTE)

„Diesmal mache ich weit abgeschieden Urlaub. Aber die Flöte ist immer dabei. So etwa in der Mitte des Urlaubs trainiere ich. Vorrangig Technik, um dabeizubleiben. Ich übe für mich, nur wenn ich Lust habe und experimentiere dabei. Da ich mir zum Ende der Saison ein neues Instrument zugelegt habe, muss ich es kennenlernen, mich einspielen. Es muss mit mir schwingen. Das braucht Zeit. So verbinde ich Urlaub mit der Musik. Das Tempo, das während der Saison herrscht, schaffe ich nicht mehr durchzuhalten ohne Urlaub. Ich brauche etwa eine knappe Woche, um zu entschleunigen, muss auch mal Stille genießen oder andere Sachen hören. Das setzt neue Gedanken frei. Es ist natürlich verlockend durchzuarbeiten, zumal wir nicht den Anspruch auf bezahlten Urlaub haben. Aber ich habe auch Kinder und ein soziales Leben. Das Pensum während der Saison ist unvorstellbar hoch. Ich unterrichte nebenbei, führe den Tonträgerladen und arbeite auch konzeptionell im KAP-modern- Team. Auch dafür brauche ich die Freiheit, nachzudenken, um Neues zu entwickeln und kreativ zu werden.

NATHAN PLANTE (TROMPETE)

„Ich mache im Sommer selten eine Pause. Ich bin aus Kalifornien und seit zehn Jahren in Deutschland. Es ist lustig, der Sommer ist die schönste Jahreszeit in Brandenburg und Berlin und die Deutschen verschwinden in den Urlaub. Ich fliege im Februar nach Kalifornien, wenn das Wetter hier schlecht ist. Im Sommer aber gibt es so viele Projekte und Festivals. Mit der KAP war ich in Rheinsberg, habe bei „Tucholskys Spiegel“ mitgespielt. Das hat Spaß gemacht. Gerade lief in Berlin das „L’Arme!-Festival“ – für experimentelle Musik. Ich bin überhaupt kein Jazzer, aber es war nett, für so ein Konzert angefragt zu werden. Und es war ein tolles Konzert. Diese Woche spiele ich wieder in Berlin mit unserem Blechbläserensemble bei Mikromusik und auch noch als Gastmusiker in Hannover beim Festival für neue Musik „Musik 21“. Ich habe nebenbei mit Susanne Zapf auch einen Verlag. Der Sommer ist schön, denn da ist relativ wenig los und ich habe Zeit nachzuholen, was auf dem Tisch liegen geblieben ist. Es ist eine sehr produktive Zeit. Natürlich ist es so, dass wir keinen bezahlten Urlaub haben. Und man sich allein deswegen sehr gut überlegen muss, was man macht und was man verpasst. Die ersten Proben stehen für den 26. und 27. August an. Die neue Saison beginnt mit etwas Besonderem: Diesen Sommer hat die Kammerakademie zwei Klappentrompeten angeschafft. Wir benötigen sie für die Mendelssohn-Sinfonien, mit der wir am 1. September in die Saison starten. Auch mit dem neuen Instrument werde ich also den Sommer verbringen.“

Aufgeschrieben von Grit Weirauch

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