15.12.2017, 2°C
  • 31.07.2017
  • von Sarah Kugler

Im ewigen Dialog

von Sarah Kugler

Festgehalten. Ihre Ideen rund um die

Marikka Pfeiffer motiviert Kinder und Jugendliche zum kreativen Schreiben und lernt selbst davon

Dialoge sind voll mit unwichtigem Zeug: Füllwörtern, unvollendeten Sätzen, Gedankenfetzen – zumindest in der Realität. Fiktionale Dialoge hingegen sind verdichtet, sie müssen schließlich die Handlung vorantreiben. Wie überhaupt jedes Element einer guten Geschichte, sagt Autorin Marikka Pfeiffer. Ihre Regel Nummer eins: Wenn etwas den Plot nicht weiterbringt, fliegt es raus.

Solche und ähnliche Grundsätze bringt Pfeiffer Kindern und Jugendlichen nahe, die sich im Bereich des Schreibens versuchen möchten. Als Projektleiterin für Literatur und kreatives Schreiben bietet sie in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam (SLB) seit etwa zwei Jahren einen Schreibkurs an. Darüber hinaus engagiert sie sich immer wieder in Projekten zur Schreib- und Leseförderung. Etwa im Drewitzer Begegnungszentrum Oskar bei „Literatur.Spiel.Raum“, eine Aktion, die Kinder spielerisch an Sprache heranführt. Oder dem Projekt der SLB „Wie kommt das ’W’ in den Baum“, bei dem sich Kinder und Jugendliche auf die Suche nach Buchstaben im Stadtbild machten (PNN berichteten). „Die Arbeit mit den jungen Menschen erfüllt und erdet mich“, beschreibt die Potsdamerin. Gerade als Autorin schmore sie oft in ihrem eigenen Saft, sei alleine mit ihren Gedanken. Der Austausch mit den Jüngeren gebe ihr neue Inspiration und Energie. Die braucht sie auch, denn demnächst wird wahrscheinlich ihr erstes Kinderbuch erscheinen. „Ich habe gerade den Abschluss für meine erste Kinderserie gemacht“, erzählt sie und strahlt. „Ich freue mich sehr, wenn das erste Buch demnächst erscheint.“

Schon als Kind hat die Autorin, die 1964 in Berlin geboren wurde, sich fantasievolle Geschichten ausgedacht, wollte aber ursprünglich Schauspielerin werden. Das scheiterte allerdings, an ihrer mangelnden Bühnentauglichkeit, wie sie lachend sagt. Schließlich studierte sie Musik, Geschichte sowie Psychologie und fing nach dem Abschluss in der Kulturarbeit an. Kulturelle Bildung und therapeutische Arbeit waren dabei ihre beiden Schwerpunkte. Trotzdem sie sich irgendwann selbstständig machte, fehlte ihr das Schreiben. „Ich hatte solange andere Menschen bei ihrer Kreativität unterstützt, jetzt wollte ich mich selbst ausprobieren“, so Pfeiffer. Die ersten Schreibanfänge versetzten sie sofort in einen Rausch, wie sie sagt, die Figuren erwachten wie von selbst zum Leben. Anfang 2000 entstand dann ein erstes Theaterstück, das im nicht mehr existierenden Theater am Ostkreuz aufgeführt wurde. Auch ein Roman entstand – jedoch zunächst nur für die Schublade. Wie viele unbekannte Autoren erhielt sie von den Verlagen nur Absagen. „Immerhin waren sie freundlich“, so Pfeiffer, die trotzdem weiter Geschichten schrieb. Über Rätsel, Geheimnis und Mystery, wie sie sagt. Abenteuergeschichten mit Humor, Geborgenheit und einem Schuss Magie. Auf ihrer Website finden sich Beispiele davon, die gleichzeitig von den Schwierigkeiten erzählen, sich als verlegter Autor zu etablieren. Da schreibt sie etwa vom „Aufstand der Protagonisten“. Eine Geschichte, die ihre Zweifel wiederspiegelt, ob sie mit ihren Texten an die Öffentlichkeit gehen soll oder nicht. Darin diskutiert sie mit ihren eigen Figuren, die sich im Stich gelassen fühlen, weil sie einfach in die Weite des Internets geschmissen werden. Schon hier wir der fantasievolle Witz ihrer Texte deutlich, den junge Leser demnächst hoffentlich auch in Buchform erleben dürfen. Über den Inhalt darf Marikka Pfeiffer allerdings noch nichts verraten.

Dafür spricht sie voller Stolz von den Geschichten, die in ihrem monatlichen Schreibkurs an der SLB entstehen. Texte über Liebe seien das, aber auch historische und phantastische Texte. Die Schreiber sind 14 bis 22 Jahre alt, ein junger Mann kommt sogar extra immer aus Mecklenburg-Vorpommern, wie sie erzählt. „Der Ehrgeiz ist bei allen sehr groß und inzwischen diskutieren sie auch gerne über ihre Texte“, so Pfeiffer. Gerade pausiert der Kurs, am 16. September geht es weiter. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, wie die Autorin sagt. Gelernt wird das Schreibhandwerk hier durch das Schreiben selbst. Theorie ist nur ein kleines Hilfsmittel. Etwa Figurenfindung durch Mindmapping oder Diskussionen über die Gestaltung von Textanfängen. Wie Pfeiffer sagt, lernt sie selbst dabei viel über die Vorlieben der jungen Schreiber und damit auch über ihr Zielpublikum. Gedanken und Ideen, die in der Interaktion entstehen, landen in Notizbüchern oder Zettelkästen auf ihrem Schreibtisch. Dort gibt es Sammlungen über Settings und Figurenentwicklung – bis hin zu Dialogfragmenten.

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