11.12.2017, 4°C
  • 28.07.2017
  • von Oliver Dietrich

Mit Beatbox und ohne Perfektionismus Used F.O. spielen heute Abend in der fabrik

von Oliver Dietrich

Der perfekte Soundtrack zum Sonnenuntergang – so kann man den unprätentiösen Stil der Potsdamer Band used F.O. beschreiben, wenn man nur eine knappe Metapher zur Verfügung hätte. Irgendwie breit und einlullend, aber statt einschläfernder Langeweile ist die Musik mit dieser nagenden Gefräßigkeit einer Garagenband ausgestattet. Seltsame Pflanzen, die da im Potsdamer Alternative-Dschungel gedeihen – zumal das ursprüngliche Duo immer wieder ins Psychedelische abdriftet. Die musikalische Pfadfinder-Mentalität der 70er-Jahre hallt eben noch lange nach.

Am heutigen Freitagabend spielen used F.O. in der Potsdamer fabrik in der Schiffbauergasse zur Musikreihe „Sound(g)arten“ – das musikalische Sommerprogramm in der Schiffbauergasse hievt bei freiem Eintritt und vor pittoresker Kulisse die lokale Musikszene auf die Bühne. Klar, dass used F.O. da nicht fehlen dürfen. Auch wenn sie bereits bei ihrem letzten Auftritt zur Fête de la Musique im Babelsberger Konsum mit einer gehörigen Überraschung aufwarten konnten: Das Duo ist zum Trio geworden. Nein, die Band hat sich nicht etwa den schon immer fehlenden Bassisten an Land gezogen. Schlagzeug und Gitarre werden jetzt durch einen Beatboxer verstärkt. Experimentell, klar. Aber eben auch originell. „Es war ja auch ohne Bassisten anstrengend genug“, sagt used-F.O.-Gitarrist Stephan Zehle. Mit dem Beatboxer, den die Band bei einem Konzert kennenlernte und in den Proberaum einlud, habe es jedoch auf Anhieb funktioniert: „Die Gemeinsamkeiten überwiegen“, sagt Zehle. Und irgendwie sei er auch froh darüber, dass ein neuer Einfluss dazukomme.

Und damit grenzt sich die Band auch schon wieder von ihrem liebgewonnenen Stil ab, der ja eher eine Mischung aus der Garagigkeit, etwa der verblichenen White Stripes und des drückend-bombastischen Stoner-Sounds der 90er-Jahre war. Dass für den klassischen Wüstenrock der Einsatz der Bassgitarre eigentlich unabwendbar ist, ließ die Potsdamer Band used F.O. jedoch schnell vergessen: Das ging schließlich auch so, reduziert auf Gitarre und Schlagzeug. Und wurde in der internen Szene kurzerhand „Robot’n’Roll“ getauft.

Diese verspielt-verfrickelten Riffs, die ja zum Markenzeichen der Potsdamer von reichlich Postrock getriebenen Musikszene gehören, wird man bei used F.O. allerdings nicht finden. Der ungeschliffene Charme entsteht vielmehr durch den zelebrierten Antiperfektionismus, der sich wie ein roter Faden durch den Klangteppich der Musiker zieht. Ob das Ganze aber auch noch funktioniert, wenn es durch ein so anachronistisches Element wie das Beatboxen – letztlich ein stilistisches Mittel aus dem Hip-Hop – ergänzt wird, davon sollte man sich selbst überzeugen. Heute Abend ist die perfekte Gelegenheit dazu. Oliver Dietrich

Used F.O. am heutigen Freitag, 28. Juli, ab 20 Uhr zur Musikreihe „Sound(g)arten“ in der fabrik, Schiffbauergasse. Der Eintritt ist frei

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!