16.08.2018, 28°C
  • 03.07.2017
  • von Astrid Priebs-Tröger

Klare Botschaften

von Astrid Priebs-Tröger

Schüler der Tanzakademie Erxleben begeisterten im Hans Otto Theater mit dem Märchen „Wie der Rabe das Licht brachte“

Seit über zwanzig Jahren gibt es kurz vor den Sommerferien im Hans Otto Theater eine bemerkenswerte Premiere. Eleven der Tanzakademie von Marita Erxleben zeigen ihre alljährliche Schuljahresabschlussinszenierung. Und die ist jedes Mal ein Ereignis! So auch am vergangenen Samstag, als die indianisch inspirierte Geschichte „Wie der Rabe das Licht brachte“ von mehr als einhundert Kindern und Jugendlichen vertanzt wurde.

Im bis auf den letzten Platz besetzten Hans Otto Theater machte sich eine ähnliche Spannung breit wie zur Eröffnung der diesjährigen Potsdamer Tanztage, als dort Produktionen aus Montreal gezeigt wurden. Doch hier betraten nicht internationale Stars die Bühne, sondern Kinder ab 5 Jahren bis hin zu Erwachsenen, die zur Dance Company von Marita Erxleben gehören und zumeist seit vielen Jahren tanzen. Von Ballett in den Graden 1 bis 12, über Breakdance und Hip Hop bis hin zu Akrobatik.

Diesmal nach Motiven eines indianischen Märchens, aber auch „Die zertanzten Schuhe“ oder „Zwerg Nase“ waren schon im Repertoire. Und bei aller Verschiedenheit der Stoffe, Ausstattungen und (Tanz-)Stile wird immer nach dem gleichen Prinzip gearbeitet. Jede und Jeder wird seinen Fähigkeiten entsprechend eingebunden, erhält eine kleine oder große Rolle, ein wunderbares Kostüm und den Raum, sich auf einer großen Bühne zu entfalten. Da werden dann in mehr als einem Dutzend Vorstellungen – mit sechs verschiedenen Besetzungen – bis zum 13. Juli über 800 Eleven zu sehen sein. Zumeist im ausverkauften Haus. Ja, auch das gehört zu diesem (auch logistisch) einmaligen Projekt – Eltern, Großeltern, Freunde und Bekannte gehen scharenweise ins Theater, um „ihre“ Kinder zu sehen.

„Wie der Rabe das Licht brachte“, spielt in einem Wald, in dem zwei Clans leben: Die Helaku (das Sonnenvolk) und die Chogan (das Rabenvolk) sind sich nicht wirklich grün. Doch als das (Sonnen-)Licht verschwindet, müssen sie sich auf den Weg machen und dabei lernen, zu kooperieren. Der charmant-freche Geist der Dunkelheit (Léon Schröder) ist dabei so etwas wie ein Katalysator, Spielmeister und Popcorn essender Beobachter. Er gibt dem Mädchen Nimeda vom Sonnenclan und dem Jungen Kangee vom Rabenclan Tipps, wie sie nach Norden kommen und erzählt dem Publikum, was sich ereignet und was (eigentlich) zu tun ist. „Haltet zusammen!“ ist eine seiner deutlichen Botschaften, von der Nimeda (Vanessa Schümmelfeder) und Kangee (Philipp Krüger) jedoch lange nichts wissen wollen.

Weil sie auf ihrem langen Weg sowohl bedrohlichen Eiswesen als auch niedlichen Schneeflocken und Hasen, hilfreichen Bibern und weisen Schneeeulen und Adlern begegnen, begreifen sie irgendwann, dass es gar nicht anders geht. Die Kinder und Jugendlichen der Tanzcompany haben dies jedoch schon lange verinnerlicht und es wird wunderbar deutlich, wenn der baumlange Hip Hopper seinen gerade mal fünfjährigen Kollegen an die Hand nimmt, nachdem dieser – noch etwas aufgeregt – gezeigt hat, was er schon kann.

Auf dem Theater geht indes die Geschichte weiter – und auf ihrem guten Ausgang zu. Denn auch dies ist ein Markenzeichen der Inszenierungen von Marita Erxleben. Sie beschreiben – wunderbar poetisch – den gegenwärtigen Zustand der Welt, sparen Konflikte und Widersprüche nicht aus, zeigen jedoch immer einen Weg, diese zu überwinden. Solche „klaren“ Botschaften sind selten geworden auf dem Theater und tun doch denen, die sie hören und sehen einfach gut.

Das alles wird detailverliebt in tolle Kostüme (Maren Steinebel), schöne Choreografien (Marita Erxleben) und ein märchenhaftes Bühnenbild (Jacqueline Teschner) verpackt. Alles läuft auch im Hintergrund mit vielen helfenden Händen hochprofessionell ab. Und wenn auch diese Kinder nicht alle Profitänzer werden, die Liebe zum (Tanz-)Theater wird ihnen jedoch ihr Leben lang erhalten bleiben. Bravos und minutenlanger Beifall zeigten auch den Kleinsten, dass es sich lohnt, auch im nächsten Jahr wieder mitzumachen. Astrid Priebs-Tröger

Nächste Vorstellungen am 6. Juli, um 10 bzw. 17 Uhr im Hans Otto Theater.

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