20.08.2017, 20°C
  • 17.06.2017
  • von Oliver Dietrich

Von wegen blöde Blasmusik Gustav und Gerlinde bei „JazzTime in Babelsberg“

von Oliver Dietrich

So richtig in Jazz-Stimmung waren die Potsdamer am Donnerstagabend wohl nicht: Wo ansonsten stets bei der der Veranstaltungsreihe „JazzTime in Babelsberg“ das Awo-Kulturhaus ausverkauft ist, schien es die Alteingesessenen an diesem lauen Abend eher in die Biergärten gezogen zu haben. Wenn die nur wüssten, was sie Abend verpassten: Zum letzten Konzert vor der Sommerpause hatte Veranstalter Max Punstein das Duo Gustav und Gerlinde geladen – und was soll man sagen? Der Name der beiden war Programm.

Denn als die beiden Endzwanziger, die nicht nur auf der Bühne ein Paar sind, mit ihrer Musik loslegten, musste man sich erst mal Augen und Ohren reiben: Gerlinde mit Melodika – genau, dieses winzige Plastikteil mit schwarz-weißen Tasten – und Gustav mit Sousafon, einer XXL-Version der Tuba mit nach oben gedrehtem Trichter. Entstanden ist ihrer beider Formation, als beide nach ihrem Musikhochschulabschluss mit einem Wohnmobil zwei Jahre durch Deutschland tingelten – und entdeckten, dass sich mit dem Spaßprojekt etwas dazuverdienen ließ. Wie das klingt? Na ja – zunächst wie ein Crossover aus Walzer und Volksmusik. Denn das spielten sie darauf.

Doch das war nur geschickt angetäuscht und mit den Erwartungshaltungen gespielt: Denn direkt nach dem Opener folgte „Black Magic Woman“ von Carlos Santana, womit wohl keiner gerechnet hätte und was natürlich einen ungeheuren Wiedererkennungswert besitzt – noch dazu, wenn es von diesen beiden so gegensätzlichen Blasinstrumenten interpretiert wird. Ab da ging es richtig los, es folgte ein Klassiker der Musikgeschichte auf den anderen: „Happy“ von Pharrell Williams wurde von Johnny Cash mit „Ghostrider in the Sky“ abgelöst, darauf folgte Popsternchen Taylor Swift mit „I knew you’re in Trouble“ – und „Oye como va“ von Tito Puente. Gastgeber Max Punstein währenddessen am Schlagzeug: Der begleitete souverän und überließ als echter Profi den beiden die Show.

Dann hielt es auch die Gäste nicht mehr – die wurden abwechselnd zum Chor und zur Percussion. Und als ob es an diesem Abend nicht heiß genug gewesen wäre, kam beinahe Partystimmung in Babelsberg auf: „Love is in the Air“, Johnny Cash noch mal, diesmal tatsächlich mit „Ring of fire“, und schließlich Meghan Trainor mit „All about that Bass“ – die Adaption eines Radioprogrammes, getarnt als Mischung aus Jazz und Kabarett. Mit ihrem Programm brauchen Gustav und Gerlinde keine Konkurrenz zu befürchten: Die seltsame Instrumentensymbiose und diese Spielfreude machen sie definitiv einzigartig und unvergesslich. Oliver Dietrich

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