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  • 02.06.2017
  • von Peter Buske

Mendelssohns Brio bis zum Bersten Mit Verve: Eine neue CD der Kammerakademie

von Peter Buske

Geradezu übersprudelnde Musizierlust gehört zum Markenzeichen der Kammerakademie Potsdam (KAP). So auch auf ihrer jüngsten CD-Produktion: Die Aufnahmen der 3. und 5. Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy unter der Leitung ihres Chefdirigenten Antonello Manacorda, mit denen sich der geplante Sinfonie-Zyklus des Meisters auf Silberscheiben des Sony-Labels weiter vervollständigt. Die Nummern 1 und 4 sind bereits erschienen, die Novität mit der „Schottischen“ und der „Reformationssinfonie“ ab heute im Handel erhältlich.

Jene „Symphonie zur Feier der Kirchen-Revolution“, so Mendelssohn Bartholdy, kommt genau zur rechten Zeit, um das Lutherjahr musikalisch zu begleiten. Wozu sich die auch spieltechnisch vorzüglich gelungene Einspielung hervorragend eignet. Ihre klangliche Besonderheit erhält sie zusätzlich durch die Verwendung von Naturhörnern, -trompeten und -posaunen sowie Klappentrompeten, wie sie zu Mendelssohns Zeiten üblich gewesen sind.

Sakral und erhaben beginnt die Andante-Einleitung der d-Moll-Sinfonie op. 107 mit glanzvollen Trompetensignalen, gefolgt von den ätherischen Klängen des „Dresdner Amen“, einer Formel aus der sächsischen Liturgie, die dem Kenner als Gralsmotiv aus Wagners „Parsifal“ bekannt sein dürfte. Danach findet ein äußerst kontrastbetontes Musizieren zwischen Freude und Trübsal, Leiden und Leidenschaft statt. Mit fröhlicher und heiterer Hingabe erklingt das an den „Sommernachtstraum“ gemahnende Scherzo, dem ein kurzes beschauliches Andante folgt, dem wiederum der Variationensatz über den Luther-Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Vom zaghaften Flötensolo bis zum finalen Fortissimo steigert er sich in eine triumphale Fugenhymne und setzt dem Reformator ein opulentes Denkmal.

Auch bei der Einspielung der „Schottischen“ a-Moll-Sinfonie op. 56 sind die KAP-Musiker ganz in ihrem könnerischen Element. Sehr intensiv, mit voluminösem Ton wissen sie die düstere Stimmung um Königin Maria Stuart und ihren längst zerfallenen Palast heraufzubeschwören. Leidenschaftliche Klänge wechseln mit den schwärmerischen des Klarinettensolos sowie hell getöntem Violinenglanz. Ungestüme Kraftentfaltung trifft auf unruhevolle Erregung in zügigen Tempi. Detailversessen und kontrastbetont bis berstend vor Brio – musikalischem Glanz – geht es immerfort zu, sodass Langeweile beim Hören nie aufkommt.

Die Poesie hat es da mitunter schwer, sich respektables Gehör zu verschaffen. Leicht und lebendig, geradezu sprühend jagt das Scherzo vorüber, während das Adagio melancholisch und trauermarschierend einherschreitet, sich immer wieder aufbäumend gegen die Mächte des Schicksals. Voller Verve, geradewegs rabiat stürzen sich die Musiker in das hymnische Finale, das sich – straff artikuliert und spannend phrasiert – überaus transparent offenbart. Eine sehr frische und lebendige Sichtweise, die man nicht versäumen sollte. Peter Buske

— Kammerakademie Potsdam, Antonello Manacorda

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonie Nr. 3 „Schottische“ und Nr. 5

„Reformation“.

Sony Classical 2017. Ab heute im Handel.

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