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  • 13.05.2017
  • von Lena Schneider

Potsdam: Der Defa-Regisseur Roland Gräf ist tot

von Lena Schneider

Einer der Großen. Defa-Regisseur Roland Gräf (1934–2017). Foto: Andreas Klaer

Der Potsdamer Filmemacher Roland Gräf ist verstorben. Er gehörte zu den wichtigsten Autorenfilmern der Defa. Ein Nachruf.

Potsdam - Einer der Großen des Defa-Films ist tot. Der Filmemacher Roland Gräf verstarb am 11. Mai im Alter von 82 Jahren nach schwerer Krankheit, wie die PNN am Freitag erfuhren. Roland Gräf gehörte zu den wichtigsten Autorenfilmern der Defa. Als Regisseur schuf er zehn für die Defa der 1970er- und 1980er-Jahre wesentlichen Filme. Als Kameramann prägte er ab Mitte der 1960er-Jahre maßgeblich den Stil eines poetischen Realismus, etwa mit dem Film „Jahrgang 45“ in der Regie von Jürgen Böttcher – ein an Berliner Originalschauplätzen gedrehtes Werk, das die leere und lustlose soziale Realität der Hinterhöfe zeigt. Der Film entstand 1966, konnte aber erst 1990 gezeigt werden.

Geboren 1934 im thüringischen Meuselbach, wächst Roland Gräf als Sohn eines Holzarbeiters auf. 1954 kommt er als Kamera-Student an die Deutsche Hochschule für Filmkunst nach Potsdam-Babelsberg, wo er auch für den späteren Regiekollegen Rolf Losansky hinter der Kamera steht. Bereits „Mein lieber Robinson“, sein Spielfilmdebüt von 1970, sorgt für große Aufmerksamkeit. Anders als bei späteren eigenen Regiearbeiten steht Roland Gräf hier auch noch selbst hinter der Kamera. 1978 erhält er auf dem Internationalen Filmfestival Karlovy Vary den Hauptpreis für „Die Flucht“ – ein Film, der sich mit einem Tabu-Thema der DDR auseinandersetzt: der „Republikflucht“. Auch Gräfs nächster Film „P.S.“ (1978), eine präzise Studie über die Sozialisation eines Heimkindes, erhält in Ost und West zahlreiche Auszeichnungen.

Gräf fasst im Filmgeschäft der BRD nicht mehr Fuß

Die Literaturverfilmung „Märkische Forschungen“ nach einer Vorlage von Günther de Bruyn erhält den Preis als bester Defa-Film des Jahres 1982. Während „Fariaho“ zurückhaltend aufgenommen wird, ist „Das Haus am Fluß“ (1985), die Geschichte um vier Frauen (Katrin Saß, Corinna Harfouch, Jutta Wachowiak und Johanna Schall) einer der prägenden Filme der 1980er-Jahre. „Fallada – Letztes Kapitel“ mit Jörg Gudzuhn in der Titelrolle wird 1989 auf der Berlinale gezeigt, wo er im Internationalen Wettbewerb läuft. Der Film macht ihn bekannt als genauen Beobachter.

Roland Gräfs letzter Kinofilm ist „Die Spur des Bernsteinzimmers“ (1992), der zugleich einer der letzten Defa-Filme ist. Im Filmgeschäft der Bundesrepublik fasst Roland Gräf nicht mehr Fuß. Er macht einige Fernsehfilme, dann arbeitet er von 1997 bis 2000 an der Babelsberger Filmhochschule als Dozent im Studiengang Schauspiel. Mitte der 1990er- Jahre beendete er seine Regie-Laufbahn. Er hinterlässt zwei Töchter. Seine Frau Christel Gräf, eine der wichtigsten Dramaturgen der Defa, verstarb bereits 2011.

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