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  • 21.04.2017
  • von Richard Rabensaat

Formfrei aber farbenfroh

von Richard Rabensaat

Das Museum FluxusPlus ehrt den Künstler und Poeten Emmett Williams, der vor zehn Jahren starb

Die flauschigen, bunten Anzüge der „kleinen Männer“ hängen ordentlich an der Wand des Museum FluxusPlus in Potsdam. Darunter eine Vitrine, darin: VHS Videokassetten, auf denen sich die gesprochene Autobiografie von Emmett Williams findet. Zu sehen sind im Museum auch Partituren, Fotos und Filme von Performances von Williams. Viele illustrierte der Poet mit seinen „Little Men“.

Das Museum FluxusPlus zeigt in seiner ständigen Ausstellung Werke und Schriftstücke von Emmett Williams, einem der Begründer der Fluxus Art. 1925 im US-amerikanischen South Carolina geboren, starb Williams 2007, vor zehn Jahren, im Alter von 81 Jahren in Berlin. Die „kleinen Männer“ sind seine Erfindung, die sich als Zeichnungen auf zahlreichen seiner Fluxus-Partituren und Dichtungen findet. In weitgehend formfrei aber farbenfrohe Anzüge gekleidet, agierten 50 „Little Man“ während der Einweihungsfeiern des FluxusPlus Museums im Jahre 2008 entsprechend dem Williamschen Gedankenfluss. Die Berliner Designerin Meike Deter hatte die Kostüme entworfen.

Emmett Williams war Künstler und Poet. Williams nahm teil an den „Fluxus-Internationalen Festspielen Neuester Musik“ die der vielseitige Künstler, Architekt und Musiker George Maciunas im Jahre 1962 veranstaltete. Maciunas, der aus Litauen stammte, in den USA aufgewachsen war und dort auch studiert hatte, kam nach 1962 nach Deutschland, nach Wiesbaden, um als angestellter Grafiker für die US-Air Force zu arbeiten, begleitet von seiner Mutter.

In Wiesbaden sollte fortan auch das Zentrum der europäischen Fluxus-Bewegung sein, deren erste Keimzellen zuvor in den USA gesprossen waren. Alles sollte fließen, Kunst nicht an der Wand hängen, sondern lebendig konzertiert, geschreddert, aufgeführt und aufgebrochen werden. Dementsprechend fanden sich bei den Fluxuskünstlern eher Musiker und experimentelle Künstler als bildende Künstler und Maler.

Über den Kontakt mit den Künstlerkollegen kam Williams zur wortspielerischen Grafik, agierte fortan auch in Performances und Aktionen und arrangierte seine Bilder und Sprachspiele fantasievoll. Aufgewachsen in den USA, gelangte Emmett Williams mit der US Army nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa. Hier knüpfte er in den 1960er Jahren erste Kontakte zu Dichtern und Literaten, die nach neuen Formen von Poesie und Literatur Ausschau hielten und entsprechend experimentelle Texte verfassten. In den 1970er Jahren formierte sich die Fluxus-Bewegung. Das Werk von Williams ist einer der gegenwärtigen Schwerpunkte des Potsdamer Museums.

Der Poet Williams widmete sich der konkreten Poesie, die mit der elementaren Wirkung des gesetzten, geschriebenen, reduzierten und gewandelten Wortes spielt. Hiermit bekannt geworden erhielt er verschiedene literarische Auszeichnungen und Ehrungen. Nicht zuletzt wegen seiner Frau Ann Noël, mit der er ein gemeinsames Kind hatte, lebte er fortan zumeist in Europa. In Berlin.

Das Museum zeigt auch weitere Objekte der Fluxusbewegung: blecherne Vögel, die klappernd mit ihren Flügeln schlagen. Frauenbeine, die sich um ein Cello legen und an deren Fuß ein Eisenbahnwaggon klebt. Fernseher, die zu pyramidalen Gebilden arrangiert sind. Der Gedanke des Fluxus verschließt sich eigentlich einer musealen Inszenierung. Aber er lebt auch nach dem Tod einiger Hauptprotagonisten munter weiter. Das Museum zeigt einerseits die materiellen Hinterlassenschaften der experimentierfreudigen Künstler und andererseits immer wieder Hommagen an einige der Künstler. Einer davon war Emmett Williams, dieser amerikanische Poet, der in Deutschland lebte und dessen Werke das Potsdamer FluxusPlus Museum in seiner jetzigen Gestalt wesentlich mit prägen. Richard Rabensaat

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