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  • 21.04.2017
  • von Richard Rabensaat

Alles bricht auseinander

von Richard Rabensaat

Verwandt durch Brüche: Das Museum FluxusPlus spürt der Verbindung von Fluxus und Dada nach

Alles fließt, auch im Museum FluxusPlus. In seiner aktuellen Erweiterung stellt das Museum eine Verbindung zwischen Fluxus und Dada her. Mit einer Druckgrafik bezieht sich der Berliner Künstler Wolf Vostell (1932–1998) unmittelbar auf Otto Dix, einen Künstler, der zur Dada-Bewegung der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gezählt wird. Aber es gibt noch andere Verbindungen zwischen der Fluxus-Bewegung und Dada. Beide Kunstrichtungen entstanden in einer Zeit, in der die Welt im Umbruch war. Das sollte sich auch in der Kunst widerspiegeln.

Die Hochzeit des Fluxus war in den 1970er und 1980er Jahren. Der Weltkrieg war vorbei, Deutschland weitgehend wieder aufgebaut. Die Welt befand sich dennoch am Abgrund. Der Kalte Krieg hätte schnell ein heißer werden können. Das hatte die Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie im Jahre 1961 und die Kuba-Krise ein Jahr später gezeigt. Künstler in aller Welt suchten nach neuen Wegen und Ausdrucksmöglichkeiten und Materialien. Hierbei treffen sich die Fluxus- und die Dada-Künstler, von denen einige den Ersten Weltkrieg hautnah erlebt hatten. Das Potsdamer Fluxusmuseum zeigt die innere Verbindung von Fluxus und Dada. Tafeln erläutern das Werk von Otto Dix und Dada, einige Reproduktionen von Werken des Malers Otto Dix sind zu sehen. Die Mona Lisa mit Schnurrbart von Marcel Duchamp demonstriert, dass sich auch der Urvater der Konzeptkunst schon an der De-Collage versuchte. Das Decollagieren, das Auseinanderreißen und Umformen von Bildern, Dingen und Ideen war eines der Hauptmerkmale der Fluxus Bewegung und auch der einige Jahrzehnte früher angesiedelten Dada-Bewegung.

Die immerwährende Veränderung, den konstanten Gedankenstrom hatte sich Fluxus auf die Fahnen geschrieben. Aber seit 2008 hat Fluxus mit dem FluxusPlus Museum einen festen Ort in Potsdam. Der innere Widerspruch zwischen dem Anspruch der Kunstrichtung und der musealen Inszenierung sei ihm wohl bewusst, erklärt der Museumsgründer Heinrich Liman. Nicht zuletzt deshalb befindet sich auch das Museum im steten Wandel. Ergänzungen wie die Arbeiten Mary Bauermeisters kommen hinzu, Wettbewerbe finden statt, in denen die Auseinandersetzung junger Künstler mit dem Fluxusgedanken erforscht wird, Verbindungslinien der musealen Inszenierung zu anderen Kunstströmungen werden aufgezeigt.

So wie gegenwärtig mit den neu installierten Schautafeln zu Otto Dix (1891- 1969). Dix meldete sich als Freiwilliger im Ersten Weltkrieg und erreichte den Grad des Vizefeldwebels. Nach dem Krieg allerdings schuf er Gemälde wie „Der Schützengraben“, das als eines der bedeutendsten Anti-Kriegsbilder überhaupt gilt. Auch mit der Weimarer Republik und dem modernen Berliner Leben setzte sich Dix in Zeichnungen, Collagen und Ölbildern ausgesprochen kritisch auseinander. Eben hier sieht das Museum FluxusPlus die Verbindung zur Fluxusbewegung und deren Künstlern. Denn Wolf Vostell und andere Fluxus-Künstler schufen Plastiken, die sich gegen den Vietnamkrieg und gegen Krieg als politische Handlungsoption generell wandten. Vostell jedenfalls hatte mit seinen Skulpturen und Experimenten erheblich mehr Glück als Dix. Unter den Nationalsozialisten galt Dix als entarteter Künstler. In der Postmoderne nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er nicht so recht heimisch, auch wenn er zahlreiche Auszeichnungen erhielt. Vostell dagegen startete eine auch kommerziell ausgesprochen erfolgreiche Künstlerkarriere, die er mit einem eigenen Museum in Spanien krönte. Einbetonierte Autos waren sein Markenzeichen. Vorzeichnungen und Skizzen dazu zeigt das Museum FluxusPlus.

Verwehrt blieb dem Großskulpteur allerdings eine Professur in Berlin, worüber er sich bitter beschwerte. Den Rathenauplatz in Berlin ziert eine seiner Skulpturen „Zwei Beton Cadillacs in Form der nackten Maja“. Die Kunstwerke der Fluxus-Künstler ergänzen im Museum in der jetzt erweiterten Form Reproduktionen von Plakaten und Erläuterungstafeln, die Verbindungslinien zu Dada aufzeigen. Auch die herausragende Berliner Collagistin Hannah Höch (1889 - 1979) erhält so in Form von Reproduktionen einen Platz in Potsdam. Am heutigen Freitagabend erinnert eine Veranstaltung daran, dass Dada auch in der Landeshauptstadt Tradition hat: Kurt Schwitters führte hier, im Hause der Verlegerin Noa Kiepenheuer, 1925 erstmals seine „Sonate in Urlauten“ auf.

„Dada Potsdam“ mit dem Duo „Klang-Zeichen“ heute um 18.30 Uhr im Museum Fluxus Plus, Schiffbauergasse 4f

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