30.05.2016, 23°C
  • 14.03.2016
  • von Oliver Dietrich

Der Kopf-Herz-Bauch-Mix

von Oliver Dietrich

Live im Haus 2: Footprint Project. Foto: Joachim Gessinger

Am Freitagabend begeisterte die erste Veranstaltung des neuen Labels „Lalonova“

Der Auftakt ist gemacht: Nachdem Tontechniker Kai Mader wie berichtet angekündigt hat, in Potsdam mit „Lalonova“ ein Label nur für die Community hiesiger Musiker zu gründen, hat die Idee mittlerweile Form angenommen: Am vergangenen Freitagabend fand im Haus 2 auf dem Freiland-Gelände die erste „Lalonova-Labelnacht“ statt – mit drei Musikprojekten auf der Bühne, die stellvertretend für die Potsdamer Vielfalt stehen. Drei Bereiche, in denen Musik wirken soll, hatte Mader im Vorfeld definiert: „Kopf“ für das Entdecken und Dechiffrieren, „Herz“ für Inhalte und Botschaften und „Bauch“ für den Rhythmus des Lebens. Klar, dass sich diese Bereiche nicht nur überschneiden dürfen, sondern das auch explizit sollen.

Den Auftakt machte die selbst ernannte Klangjägerin Aisa Waluszko, die als Solokünstlerin unter dem Namen Riczman – ein polnisch-englisches Wortspiel – auftrat. Die in Potsdam lebende Musikerin hatte zuletzt im Februar vergangenen Jahres im Keller des Kulturlobby-Projektes Am Kanal von sich reden gemacht, unter anderem mit einem Auftritt im „nachtboulevard“. Waluszko konstruiert mit Synthesizer und auffälligen Songstrukturen einen Klangteppich, der mit fiebrigen Klängen einlullt – ganz so, als wäre diese Reminiszenz an die Neue Deutsche Welle zu einer Neuen Polnischen Welle geworden. Viel Musik zum Zuhören also, die eine seltsame Faszination auslöste.

Musiker Florian Helbig, der beim zweiten Act beteiligt war, tritt derzeit vor allem als Solokünstler auf: Zuletzt spielte er im „Nowawes“. Im Rechenzentrum, wo er seine Heimat gefunden hat, gab es bereits eine Woche zuvor ein Konzert und eine Ausstellung: Jedes seiner Albumcover ist selbst gestaltet, im Rechenzentrum hingen sie gerahmt an der Wand. Diesmal war er mit seinem Bandprojekt „Der schönste Mann von Lichtenberg“ vertreten, in klassischer Dreierbesetzung Schlagzeug, Gitarre und Bass – und ließ einen erstaunt zurück. Denn während seine Solonummern eher verspielte Experimente waren, findet er mit der Band zu einer exzentrischen Show zurück, zu schmutzigem Blues bisweilen. Diese textlastige Minimalmusik verbaute scheinbaren Dilettantismus dermaßen geschickt, dass es schon genial war: quirliger Postpunk, der gar nichts mit den verspielten Klangteppichen zu tun hatte, die Helbig solo produziert. Sollte er seine zuletzt geäußerte Drohung wahr machen, den „Schönsten Mann von Lichtenberg“ auf Eis zu legen, sei ihm hiermit dringend davon abgeraten.

Ganz anders klang dagegen Footprint Project, eine junge Band, die mit ihrem jazzigen Funk schon einige Konzerte in Potsdam spielte. Eigentlich fast schon in Ska-Besetzung – mit Saxofon und Trompete – doch was die Band, die als Sextett auftritt, so einzigartig macht, ist, dass sie das Schlagzeug mit einer Beatbox ersetzte: Die Percussion war also absolut menschlich und entstand nur durch die Stimme. Dieser Beatbox-Funk sorgte auch am Freitag für eine erstaunliche Partystimmung.

Kai Mader, der den Abend selbst am Mischpult verbrachte, zeigte sich hinterher begeistert von der Auftaktveranstaltung. Sein Konzept, Musik in die drei Bereiche „Kopf“, „Herz“ und „Bauch“ aufzuteilen, sei völlig aufgegangen. Mit so vielen Besuchern und so einer ausgelassenen Party hätte er gar nicht gerechnet: „Für diese wunderbare Stimmung hat sich das alles schon gelohnt“, sagte er. Für eine nächste „Lalonova-Labelnacht“ gebe es schon Pläne, auch wenn noch kein fester Termin feststehe – zunächst sei dafür der Juni angepeilt. 

 

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