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  • 11.03.2016
  • von Grit Weirauch

Finanzierung des Jüdischen Filmfestivals: Rettung aus dem Auswärtigen Amt

von Grit Weirauch

Beistand. Außenminister Frank-Walter Steinmeier mit Festivalleiterin Nicola Galliner (l.) und Zeitzeugin Margot Friedländer bei der Eröffnung im vergangenen Jahr. Foto: M. Thomas

Das Jüdische Filmfestival könnte doch noch eine Zukunft haben: Derzeit laufen Gespräche mit dem Auswärtigen Amt. Künftig wird sich das Festival stärker nach Brandenburg orientieren.

Potsdam - Für das Jüdische Filmfestival scheint sich ein neuer Förderer gefunden zu haben. Nach der Absage durch den Bund, der dieses Jahr kein Geld aus dem Hauptstadtkulturfonds für das Festival geben will, gebe es vorsichtig positive Signale aus dem Auswärtigen Amt, sagte die Geschäftsführerin des Festivals, Silke Azoulai, gegenüber den PNN. Aus dem Auswärtigen Amt heißt es: „Wegen des besonderen Stellenwertes des Festivals im deutsch-jüdischen Kontext und des internationalen Bezuges hoffen wir, zur Fortführung beitragen zu können. Die Gespräche dazu laufen.“

Außenminister Frank-Walter Steinmeier hielt zuletzt anlässlich 50 Jahre deutsch-israelischer Beziehungen die Eröffnungsrede. Er nannte das Jüdische Filmfestival einen wichtigen Teil des lebendigen Austauschs mit Israel. Es ist nach eigenen Angaben das größte und traditionsreichste Filmfest in Deutschland, es besteht seit 22 Jahren. Der Großteil des Programms ist in Berliner Kinos zu sehen.

100000 Euro ohne Vorwarnung gestrichen

Vorige Woche hat der Hauptstadtkulturfonds als größter Geldgeber überraschend seine Förderung von jährlich rund 100 000 Euro gestrichen. Das Gesamtbudget beläuft sich auf rund 250 000 Euro. Mit der Absage war das Festival drei Monate vor der geplanten Eröffnung unmittelbar bedroht.

„Wir hatten keinen Plan B, weil es keine Anzeichen gab und nichts darauf hingedeutet hat, dass das mit der Förderung dieses Jahr nicht klappt“, sagte Silke Azoulai vom Veranstaltungsbüro. Erst vor wenigen Wochen hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel betont, wie wichtig es sei, jüdisches Leben und jüdische Kultur in Deutschland weiterhin zu fördern sowie steigendem Antisemitismus vehement entgegenzutreten. Als Begründung für die Absage nannte das Staatsministerium für Kultur, dass mit dem Hauptstadtkulturfonds grundsätzlich nur Einzelveranstaltungen gefördert würden. „Das Argument ist schwierig“, so Azoulai, „wir wurden seit 2006 regelmäßig gefördert.“

Unverständnis unter Potsdamer Kulturschaffenden

Unter Potsdamer Kulturschaffenden und in der Politik rief die Entscheidung Unverständnis hervor: „Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg ist das traditionsreichste Festival seiner Art im deutschsprachigen Raum. Die große Eröffnungsgala, die seit 2011 bei uns im Neuen Theater stattfindet, zählt zu den Glanzpunkten im Potsdamer Kulturkalender“, erklärte das Hans Otto Theater. „Dass das Festival durch das Ausbleiben der Unterstützung von Seiten des Bundes in seiner Existenz bedroht ist, ist alarmierend.“

Für den israelischen Filmwissenschaftler und Gastdozent in Potsdam, Frank Stern, ist die Einstellung öffentlicher Mittel für jüdische Institutionen ein verheerendes Zeichen angesichts der Zunahme von Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Stern organisiert selbst am Potsdamer Filmmuseum eine Retrospektive des israelischen Films. „Der Film ist heute ein entscheidendes Medium, um politische, kulturelle und antijüdische Vorurteile zu bekämpfen.“ Es nütze wenig, in Sonntagsreden die Solidarität mit Israel zu beschwören und dann bei der Vergabe öffentlicher Mittel gerade israelische und jüdische Filme zu boykottieren, so Stern.

Verstärkte Orientierung nach Brandenburg

Auch das Brandenburger Kulturministerium stellte sich auf die Seite der Festivalmacher: „Das einzige jüdische Filmfest in Deutschland ist fester Bestandteil der Berlin-Brandenburger Kultur-Landschaft.“ Auch angesichts der steigenden Besucherzahlen – rund 5000 Zuschauer bei 50 Veranstaltungen  – sei es nicht nachvollziehbar, „dass der Bund seine Förderung einseitig und kurzfristig kappt“. Das Ministerium förderte im vergangenen Jahr das Festival mit 12 000 Euro, für dieses Jahr liege bislang kein Antrag vor. Auch das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt 2016 die Organisatoren mit 22 500 Euro.

Die Zusammenarbeit mit der Brandenburger Politik und Potsdam sei herausragend, lobte Silke Azoulai. Das Festival wird sich dieses Jahr deswegen verstärkt nach Brandenburg orientieren. Erstmals sollen Kleinmachnow und Cottbus als Spielorte hinzukommen. Dass das Festival wie geplant stattfinden kann, steht für Silke Azoulai angesichts des Entgegenkommens des Auswärtigen Amts außer Frage: „Es ist klar, wir eröffnen am 4. Juni im HOT.“ (mit alm)

 

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