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  • 05.02.2016
  • von Ariane Lemme

Streit um Finanzierung des Hans Otto Theaters: Der Wert der Kunst

von Ariane Lemme

Ein offenes Haus. Das HOT betont auch seine integrativen Aufgaben. Foto: Michael Urban/ddp

Die Stadtverordnete wollten, dass das Theater mehr Eigenmittel in die Finanzierung einbringt. Das aber hat dafür wenig Spielraum, Schuld ist die Infrastruktur in Potsdam - und auch die integrative Arbeit, die das HOT leistet.

Um drei Prozent soll das Hans Otto Theater seinen Eigenanteil an der Gesamtfinanzierung des Hauses erhöhen. So wollen es zumindest die Stadtverordneten. Als im vergangenen März der Haushalt für 2015/2016 beschlossen wurde, beauftragten sie Oberbürgermeister Jann Jakobs, „ein Konzept zu entwickeln, den Eigenanteil der Gesamtfinanzierung des HOT auf 15 Prozent zu erhöhen.“ Aktuell rechnet das Theater für das Jahr 2015 mit Erlösen von rund 1,5 Millionen Euro – wobei der Abschluss noch nicht vorliegt. Das entspricht etwa einem Anteil von 11,5 Prozent an der Gesamtfinanzierung. Aber 15  Prozent Eigenanteil, heißt es in einer Stellungnahme von HOT-Geschäftsführer Volkmar Raback, sind „nicht realistisch.“

Der Spielraum für das Theater ist eng

Das hängt gar nicht einmal damit zusammen, wie gut oder schlecht das Theater wirtschaftet. Es gibt, so Raback, ein paar Faktoren, die eine Steigerung des Eigenanteils dauerhaft begrenzen. So seien etwa 40 Prozent aller Veranstaltungen Vorstellungen des Kinder- und Jugendtheaters, bei denen Eintrittspreise vom Theater niedrig gehalten werden. „Weil damit auch unser Bildungsauftrag verbunden ist“, sagt HOT-Sprecherin Stefanie Eue. Es ist klar, dass Kinder – und zwar aus allen sozialen Schichten – eine Chance auf kulturelle Bildung haben sollten.

Dazu kommen neuerdings verstärkt Angebote, bei denen sich Potsdamer und Geflüchtete austauschen können, wie die „Lange Nacht der Begegnung“, der „Refugees Club“ oder die Diskussionsreihe „Welches Land wollen wir sein?“, mit denen das Hans Otto Theater eine Spaltung der Gesellschaft, Hass und Ressentiments entgegenwirken will. Diese Veranstaltungen kosten bislang keinen Eintritt – auch, um jedem die Teilhabe zu ermöglichen. „Wir machen das natürlich freiwillig und vor allem sehr gerne – aber Theater haben eben schon auch die Aufgabe, integrativ zu arbeiten“, sagt Eue.

Sponsoring ist nicht in nennenswertem Umfang möglich

Ein zweiter Faktor, der den Spielraum beim Eigenanteil begrenzt, ist laut Raback die wirtschaftliche Infrastruktur in Potsdam und Umgebung – die vor allem aus Klein- und Kleinstbetrieben sowie Handwerk besteht. Nennenswerte Sponsoring-Mittel lassen sich da nicht einwerben.

Wenn man die Qualität der Inszenierungen, die Bandbreite des Repertoires irgendwie erhalten will, lässt sich dann aber nur noch minimal am Eigenanteil schrauben. Die Eintrittspreise steigen ohnehin, aber das funktioniert nur bis zu einem gewissen Grad: Wenn sie niemand kauft, nützen auch die teuersten Tickets nichts. Dann bleiben noch der Verkauf von Gastspielen – was bereits geschieht, etwa wenn „Der Besuch der alten Dame“ demnächst nach Frankfurt/Oder geht, oder die Vermietung des Hauses an externe Veranstalter.

Der Eigenanteil des HOT liegt im oberen Durchschnitt

Grundsätzlich geht es – wenn ein höherer Eigenanteil gefordert wird –, natürlich darum, bei den städtischen Zuwendungen zu sparen. Im vergangenen Jahr hat die Stadt das Hans Otto Theater mit 8,5 Millionen unterstützt, davon stammten 2,9 Millionen aus sogenannten Finanzausgleichsmitteln für überregionale Aufgaben. Weitere 2,6 Millionen Euro erhielt das HOT vom Land.

Der Eigenanteil des HOT schwankte in den vergangenen Jahren zwischen 10,4 Prozent im Jahr 2010 über 13,6 Prozent 2011 bis zu 12,6 Prozent im Jahr 2014 und eben 11,5 Prozent für 2015. Für das laufende Jahr rechnet das Theater damit, einen Anteil von 11,3 Prozent erwirtschaften zu können.

Damit liegt das Stadttheater der Landeshauptstadt übrigens im oberen Durchschnitt: Das Maxim-Gorki-Theater in Berlin beteiligte sich in der Spielzeit 2013/2014 mit 11,1 Prozent an seiner Gesamtfinanzierung, das Schauspielhaus Hamburg im selben Jahr ebenfalls mit 11,1 Prozent, genauso wie das Staatstheater Cottbus. Einen vergleichsweise hohen Anteil übernahm in diesem Zeitraum das Schauspielhaus Leipzig mit 12,9 Prozent.

Beschluss der Stadtverordneten kann icht umgesetzt werden

Das HOT schneidet also im Bundesvergleich in Sachen Eigenbeteiligung gar nicht so schlecht ab. Die CDU-Fraktion unter Matthias Finken hat jetzt trotzdem nochmal – mittels Anfrage – nachgehakt und wollte unter anderem wissen, welche „Vorgaben der Leitung des HOT nach dem Beschluss gemacht wurden, den Eigenanteil zu erhöhen.“

In einer Antwort des Bürgermeisters heißt es: „Ohne Zustimmung des Intendanten ist eine Änderung der Spielplanpolitik nicht möglich.“ Im Klartext: Der Beschluss kann somit nicht umgesetzt werden. In der Antwort heißt es weiter: „Der gesellschaftspolitisch orientierte Ansatz des Hans Otto Theaters mit den erfolgreich durchgeführten Aktivitäten eines interkulturellen Dialogs führt nicht unbedingt zu Einnahmesteigerungen, trägt aber dem Anliegen Rechnung, dass das Theater einen gesellschaftspolitischen Auftrag hat.“ 

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