25.05.2017, 19°C
  • 25.01.2016
  • von Klaus Büstrin

„Klassik am Sonntag“ hofierte im Nikolaisaal den Winter: Gläserne Klänge, wie aus Eis und Schnee

von Klaus Büstrin

Mit Fingerspitzengefühl. Das renommierte Wiener Glasharmonika-Duo Christa und Gerald Schönfeldinger kam nach Potsdam. Foto: Brennecke Art

Wintertage haben, wie es im Mozart- Sehnsuchtslied „Komm, lieber Mai“ heißt, der Freuden viel. In der nachmittäglichen „Klassik am Sonntag“, die gestern im Nikolaisaal wieder stattfand, wurde der frostig-weißen Jahreszeit musikalisch Tribut gezollt und deutlich gemacht, dass der Winter auch seine schönen Seiten haben kann. Zwei Instrumente wurden aufgefahren, die man wegen ihrer zierlichen und glasklaren Töne assoziativ dem glitzernden Schnee und dem leicht zerbrechlichen Eis zuordnet: die Glasharmonika und das Verrophon. Das renommierte Wiener Glasharmonika-Duo Christa und Gerald Schönfeldinger kam nach Potsdam, um mit der traditionellen Harmonika, die aus ineinandergeschobenen Glasschalen besteht, sowie mit der moderneren Version, dem Verrophon, in dessen Holzkorpus sich stehende Glasröhren befinden, zu musizieren. Mit von der Partie waren die Brandenburger Symphoniker, die unter der Leitung des Berliner Dirigenten Martin Fischer-Dieskau mit Alexander Glasunows Winter-„Malerei“ aus der Ballettsuite „Die Jahreszeiten“, mit Emil Waldteufels Walzer „Der Schlittschuhläufer“ sowie mit Mozarts humorvollem „Deutschen Tanz Nr. 3“ aufwarteten – zauberhafte Musik, elegant musiziert.

Mozart war ein Fan der Glasharmonika, die bald nach ihrer Erfindung durch den Gründervater der Vereinigten Staaten, Benjamin Franklin, sich in Europa durchsetzte. Mozarts „Deutscher Tanz“ erklang im Nikolaisaal in einer Bearbeitung für Glasharmonika und Orchester. In derselben Besetzung gab es ein Konzert des Mozart-Zeitgenossen Vincenc Masek, der in Prag lebte.

Die Glastonkünstler haben die Leichtigkeit und Unbeschwertheit der beiden Werke immer treffsicher musiziert. Und dennoch wirkte der Klang geheimnisvoll, wie aus einer fernen Welt. Die Symphoniker begleiteten die beiden Wiener mit viel Feingefühl. Zum Finale konnten sie sich so richtig entfalten, mit Peter I. Tschaikowskys Sinfonie Nr. 1 g-Moll op. 13 mit dem Beinamen „Winterträume“. In ihr geht es nicht um ein gemütliches Träumen an russischen Kaminen, vielmehr um Gemütszustände, um Eisesstarre, die in den Adern steckt. Doch hoffnungsvoller Frühling deutet sich an. Zu Tschaikowskys Stärken gehört eine abwechslungsreiche Instrumentation. Die Farbgebung, auch die Tempi und die Artikulation wurden von Fischer-Dieskau mit Feingefühl abgestimmt. Wie sehr sich der Dirigent auf das Herausarbeiten von Kontrasten versteht, machte er bereits im Kopfsatz deutlich: In der Exposition gestaltete er den unvermittelten Wechsel der pochenden Streicherrhythmen mit dem von Holzbläsern umspielten Hauptthema präzise und die große Schlusssteigerung im Finalsatz meisterte er mit den Brandenburger Symphonikern mit beachtlicher Spannkraft. Klaus Büstrin

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