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  • 13.11.2015
  • von Steffi Pyanoe

Art Brandenburg startet in Potsdam: Haie und nackte Frauen

von Steffi Pyanoe

Mehr Licht. Der Installationskünstler Rainer Gottemeier arbeitet mit Leuchtstoffröhren, die zu Gestaltungselementen im Raum werden. Am Wochenende sind sie auf der Art Brandenburg zu sehen. Weitere gut 100 Künstler zeigen Malerei und Fotografie, Plastik, Objekte und Performance. Foto: Andreas Klaer

Die märkische Kunstszene ist wild und unterhaltsam und jetzt auf der Art Brandenburg zu erleben.

Malerei und Fotografie, Skulptur, Installation, Arbeiten aus und auf Papier, aus Holz und Metall, Keramik und Glas, Schönes, Skurriles, Befremdliches, Sinnliches – nichts, was es nicht gibt auf der Art Brandenburg. Mehr als 100 Künstler und Ateliergemeinschaften sind auf der größten und wichtigsten Kunstmesse des Landes vertreten. Die sechste Auflage findet am Wochenende in Schinkelhalle und Waschhausarena statt. Und wird wieder Tausende Besucher, nicht nur aus der Region Potsdam und Berlin, anziehen. Am gestrigen Donnerstag wurde sie eröffnet. Ab dem heutigen Freitag ist die Messe für alle Besucher geöffnet.

Darunter sind auch Spezialisten aus ganz Deutschland. „Die schauen, was sich in der Brandenburger Kunstszene entwickelt“, sagt Jutta Pelz, Vorsitzende des Brandenburger Verbands Bildender Künstler, der die Messe veranstaltet. Brandenburg, das Flächenland mit seinen urbanen Zentren, biete eine großartige Kreativlandschaft, sagt sie. Während Galerien stets nur winzige Ausschnitte davon präsentieren, liegt dem Besucher hier die ganze Vielfalt zu Füßen. Die Künstler sind anwesend, man kommt ins Gespräch, mit Kollegen, Galeristen, Sammlern und Käufern. Dazu kommt ein Rahmenprogramm, Führungen von Experten als auch von Schülern für Schüler.

„Es ist die größte Veranstaltung, die der Verband alle zwei Jahre schultert“, sagt Klaus Fahlbusch, stellvertretender BVBK-Vorsitzender. Auch, weil hier die Künstler direkt Umsatz machen. Vor Weihnachten verkaufen sich kleine Formate gut, Kalender, Bücher, Grafiken, aber auch größere Werke. Zudem sei das Nachmessegeschäft enorm wichtig. 250 Euro kostet ein Messestand für drei Tage, es gibt mehr Interessenten als Plätze. Aus 150 Bewerbern wählte eine Jury des Künstlerverbands die Teilnehmer aus.

Jörg Engelhardt hat sein Atelier in Wriezen im Oderbruch. Dort arbeitet der Holzbildhauer an seinen Tierskulpturen – fast ausschließlich Gorillas aus Bronze und Holz, zum Teil bemalt, die wie herzige kleine Kerle auf Pflöcken kauern. „Ich habe eine Affinität zu Affen“, sagt Engelhardt. Vier- bis fünfstellig sind die Preise und auch auf der Messe nicht verhandelbar. „Warum soll ich runter gehen mit dem Preis? Meine Kunst wird doch nicht schlecht“, sagt er. Zum zweiten Mal ist er bei der Messe dabei. „Ich finde es sehr spannend hier, man weiß nie, wen man so trifft“, sagt er.

Man trifft zum Beispiel Rainer Gottemeier aus Fahrland, der Lichtinstallationen, bunte Leuchtröhren, zu Bildern formt. Man trifft auf die Künstlergruppe Ornament und Versprechen, Mike Bruchner, Mike Geßner und Steffen Mühle aus Potsdam, die einen Holzschrank mit Triptychon-Schlüsselkasten zeigen, vielleicht zu deuten als das Angebot, sich hier selbst etwas aufzuschließen. Man trifft auf den Potsdamer Fotografen Frank Gaudlitz, der bunt-surreale, installierte Stillleben mit Zutaten aus tropischer Flora und Fauna zeigt, dazu sein druckfrisches Buch „Die Amazonen des Amazonas“, Porträts junger transsexueller Männer, die er in Südamerika fotografiert hat.

Für Ralf Wilhelm Schmidt ist der Messekubus fast zu klein, er kann nur groß, scheint es, malt mit feinem Strich Naturmomentaufnahmen, die durch ihre Genauigkeit und Plastizität verblüffen. Heike Adner, Bildhauerin aus Glienicke, zeigt Terrakottaplastiken, bemalte Büsten, und gleich um die Ecke hängen die bunten Gnubbel des Keramikkünstlers Michael Wagner, farbige Formen, die einfach so in den Raum hineinzuwachsen scheinen.

Oft ist schon die Präsentation ein Highlight. Während Todd Seversen, Maler aus Kleinmachnow, seine „Tausend Deutschen Porträts“ wie mehrlagig dekorativ über die Wände verteilt, deutsche Identitäten wie Massenware, platziert die Potsdamer Künstlerin Annette Paul ihre großen Skulpturen, Haie und nackte Frauen, auf einer Bühne wie auf einem freien Feld. Auf dem Schirrhof steht die Skulptur „Thron“ von Manfred Sieloff, ein schmiedeeisernes Gestell, so groß wie ein Hochsitz mit Rädern und Dach, über dem ein Fisch schwebt. Täglich um 12 Uhr wird Annette Paul den Turm besteigen und bespielen. Auch für Selbermacher gibt es Angebote: Heike Isenmann vom Potsdamer Atelier kunstgriff 23 und die Malerin Susanne Pomerance wollen mit Kindern basteln, malen und dichten „soweit der Arm reicht und die Ideen tragen“. Und so ist die Messe auch ein Familienevent. Der BVBK ist froh, dass sie sich in der Schiffbauergasse etablieren konnte. „Wir gehören hierher“, sagt Fahlbusch.

Schinkelhalle und Arena in der Schiffbauergasse, geöffnet Freitag und Samstag 11 bis 20 Uhr, Sonntag 11 bis 18 Uhr. Tagesticket acht Euro, Ticket ab 16 Uhr fünf Euro

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