Jubelnde Rebellen auf einem erbeuteten Panzer in Aleppo soll dieses Foto von einem Internetvideo zeigen. Von den Kämpfen dort gibt es kaum Bilder. Foto: dpa
Kämpfe haben offenbar das historische Stadtzentrum erfasst Opposition fordert arabische Staaten zur Lieferung schwerer Waffen auf
Kairo - Die westlichen und arabischen Staaten befürchten eine humanitäre Katastrophe. Papst Benedikt XVI. sprach am Sonntag von tragischer Gewalt und beschwor die internationale Gemeinschaft, nichts unversucht zu lassen, eine politische Lösung zu erreichen. Seit dem Wochenende tobt die Schlacht um Aleppo. Es gebe „viele Opfer“ unter der Zivilbevölkerung, vor allem wegen der Luftangriffe, erklärte am Sonntag ein Rebellenkommandant gegenüber einem AFP-Reporter und forderte das westliche Militär auf, eine Flugverbotszone zu errichten.
Ununterbrochen beschossen die Truppen des Regimes nach Angaben von Menschenrechtlern die südwestlichen Bezirke Salah al Din, Hamdaniya und Saif al Dawla mit Artillerie. Auch im nordwestlichen Bezirk Skahur waren schwere Explosionen zu hören, während sich die Soldaten in den Straßen nach erbitterten Gefechten mit den Rebellen am Sonntag für einige Stunden zurückzogen. Videos zeigen wilde Schusswechsel, getötete Soldaten in den Vierteln sowie Aufständische, die auf angreifende Hubschrauber feuern. Inzwischen haben die Kämpfe offenbar auch das historische Stadtzentrum erfasst, das zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. In Panik flüchten sich immer mehr Bewohner in Schulen, Moscheen oder öffentliche Parks.
Der Chef des Syrischen Nationalrates (SNC), Abdel Basset Sayda, richtete in Abu Dhabi einen dramatischen Appell an die arabischen Staaten, den Rebellen mehr schwere Waffen gegen Panzer und Kampfflugzeuge zu liefern. Präsident Baschar al Assad müsse wegen der Massaker vor Gericht gestellt werden und dürfe in keinem Land Asyl erhalten, forderte er. Nach seinen Worten braucht die „Freie Syrische Armee“ pro Monat eine Finanzhilfe von rund 120 Millionen Euro, habe aber bisher höchstens ein Zehntel dieser Summe erhalten. Am Sonntag gelang es den Aufständischen, in der Kleinstadt Al Bab nahe Aleppo die örtliche Zentrale des Militärgeheimdienstes zu erobern und ein Dutzend Verhörbeamte und Folterer festzunehmen.
Die russische Regierung bestritt jegliche Vereinbarung mit Damaskus, Assad Asyl zu gewähren. „Wir denken noch nicht einmal darüber nach“, erklärte Moskaus Außenminister Sergei Lawrow. Sein syrischer Amtskollege Walid al Muallim reiste am Sonntag in den Iran, der zweite enge Verbündete des Regimes. „Die Rebellen werden hundertprozentig besiegt“, gab er sich auf einer Pressekonferenz in Teheran überzeugt.
Derweil geht der Exodus von Flüchtlingen aus Syrien weiter. Zwischen 1000 und 2000 kommen jeden Tag nach Jordanien, das am Wochenende ein Zeltlager mit einer Kapazität von 110 000 Plätzen in Betrieb nahm. Algerien meldete die Aufnahme von 12 000 Flüchtlingen, ähnlich viele haben auch in Ägypten Zuflucht gefunden. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR ließen sich bisher rund 120 000 Syrer in den Nachbarländern Libanon, Irak, Türkei und Jordanien offiziell registrieren. Die wirkliche Zahl der ins Ausland Geflohenen jedoch dürfte inzwischen bei über 500 000 liegen. Im Inneren Syriens irren weitere 1,5 Millionen Menschen herum, die durch die Kämpfe ihr Dach über dem Kopf verloren haben. Martin Gehlen
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