• 27.03.2010
  • von Lars von Törne

Vorwurf gegen Vertreter von Stasi-Opfern Verbandschef soll Kinder sexuell missbraucht haben

von Lars von Törne

Berlin - Der Stasi-Opfer-Verband VOS (Vereinigung der ehemaligen politischen Häftlinge in der DDR – Opfer des Stalinismus) hat sich wegen am Freitag bekannt gewordener Missbrauchsvorwürfe von ihrem früheren Vizevorsitzenden Carl-Georg H. distanziert. Der Bundesvorsitzende der VOS, Johannes Rink, forderte H. auf, zu dem durch einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ bekannt gewordenen Vorwurf Stellung zu nehmen, er habe seine Kinder „als Minderjährige in massiver Form über einen längeren Zeitraum hinweg sexuell missbraucht“. So zitierte die Zeitung aus einem Gerichtsurteil, das noch nicht rechtskräftig ist.

H., der auch Vorsitzender der in Berlin ansässigen „Vereinigung 17. Juni 1953“ ist, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch sein Anwalt war wegen einer Dienstreise nicht erreichbar. H. soll aber nach Aussage von Bekannten die Vorwürfe in der Vergangenheit abgestritten und als „Lüge“ bezeichnet haben.

Der VOS-Bundesvorsitzender Rink erklärte: „Wir sind entsetzt. Kindesmissbrauch ist mit den ethisch-moralischen Maßstäben der VOS und einer Mitgliedschaft unvereinbar.“ Um weiteren Schaden von der VOS und den SED-Opfern abzuwenden, habe die Vereinigung H. aufgefordert, „unverzüglich zu den in der Presse geschilderten Vorwürfen und dem Urteil gegen ihn Stellung zu nehmen“.

Der Geschäftsführer der von H. geleiteten „Vereinigung 17. Juni 1953“, André Rührig, sagte dem Tagesspiegel, er habe erst am Freitag vom Umfang der Vorwürfe gegen H. erfahren. Allerdings habe H. früher bereits angedeutet, dass es aus seiner Familie derartige Vorwürfe gebe. Daraufhin habe H. aber „glaubwürdig erklärt“, dass das nicht wahr sei. „Sollten sich die Vorwürfe jetzt erhärten, dann ist die Vereinigung tot“, sagte Geschäftsführer Rührig. Sollten die Vorwürfe zutreffen, könne die Vereinigung sich kaum noch glaubwürdig für die Opfer von Stasi und DDR-Willkür einsetzen.

H. war kürzlich durch eine spektakuläre Aktion international in den Medien: Der frühere Stasi-Häftling ließ sich 20 Jahre nach dem Mauerfall für eine Woche im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Berlin-Hohenschönhausen einschließen. Die Aktion, die H. wegen persönlicher Probleme vorzeitig abbrach, wurde live im Internet übertragen. Im vergangenen Jahr hatte H., der unter früheren Mitstreitern als persönlich sehr schwierig gilt, außerdem Strafanzeige gegen den früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras wegen dessen Stasi-Mitarbeit gestellt. Lars von Törne

  • Erschienen am 27.03.2010 auf Seite 06

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