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  • 13.08.2018
  • von Robert Birnbaum

Nato-Bündnis: So wichtig ist die Türkei für Deutschlands Sicherheit

von Robert Birnbaum

US- und türkische Piloten bei einer gemeinsamen Luftwaffenübung. Foto: Master Sgt. Nick Hodge/U.S. Air force/dpa

Nicht nur, dass die Türkei Rüstungsgüter aus Russland kauft, irritiert die Nato. Die Partner wissen nicht, welchen Kurs Erdogan weiter fahren wird. Abschreiben will der Westen das Land aber nicht.

Als Donald Trump vor vier Wochen sein Smartphone für die Reise zum Nato-Gipfel in Brüssel einpackte, konnten die besorgten Europäer in vielen US-Medien den zweifelhaften Trost nachlesen, der twitternde Präsident sei gar nicht so schlimm – ihr wahres Problem sitze am Bosporus. Richtig neu war das den anderen Partnern nicht. Speziell Deutschland kann ein Lied davon singen, wie schnell sogar das Verteidigungsbündnis für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zur innenpolitischen Spielmasse werden kann. Seit einem Jahr fliegen deutsche Aufklärungstornados von Jordanien aus für die Allianz gegen die Terrorgruppe IS, nachdem Erdogan den Flughafen Incirlik für Besuche von Bundestagsabgeordneten gesperrt hatte.

Ernsthafte Sorgen um den Bündnispartner an der Südostflanke machte sich damals trotzdem niemand; allzu offenkundig steckte vor allem Macho-Gehabe hinter Erdogans Handeln. Das demonstrative Interesse, das der starke Mann aus Ankara und der starke Mann Wladimir Putin in Moskau neuerdings für einander zeigen, ist da schon von anderem Kaliber. Die amerikanische Nato-Botschafterin Kay Bailey Hutchison hat den Verdacht offen ausgesprochen: „Russland versucht die Türkei umzudrehen.“

Als Brückenkopf nicht ersetzbar

Tatsächlich ist auch den Partnern unklar, wie weit Erdogan die Annäherung treiben will. Dass er im Syrien-Konflikt mit Moskau ins politische Geschäft kommen will, gilt als nachvollziehbar. Aber ob hinter dem Beschluss, das russische Flugabwehrsystem S-400 zu kaufen, bloß eine Ihr-könnt-mich-mal-Geste gegen die Verbündeten steckt oder eine längerfristige Umorientierung, wüssten sie in Brüssel auch gerne. In Washington wird das Geschäft als feindlicher Akt behandelt; der Kongress droht, den Verkauf von F-35-Jagdbombern an die Türkei zu blockieren, damit russische Instrukteure nicht an türkischen S-400-Stationen üben können, wie man die Tarnkappenmaschine effektiv bekämpft.

Abschreiben will die Türkei als Partner im Westen aber niemand. Selbst im Zeitalter der ferngelenkten Kampfdrohne bleibt Geographie eine strategische Größe. Mit seiner Grenze zum Krisenbogen in Nahost einerseits und der beherrschenden Stellung an Bosporus und Schwarzem Meer andererseits ist die Türkei als Brückenkopf nicht ersetzbar. Auch auf den finanziellen Beitrag aus Ankara würde man in Brüssel ungern verzichten.

Da wertet man Erdogans Ausflüge gen Moskau lieber als neuen Versuch, sich als großer Spieler auf der Weltbühne zu inszenieren. Die EU-Mitgliedschaft in weiter Ferne, der Traum vom Brückenwärter zwischen Orient und Westen geplatzt, die Wirtschaft nach dem Boom scharf eingebrochen – Erdogans Spielräume sind eng geworden. Da mag eine kleine Mesalliance mit dem Gegner bei der Selbstbehauptung helfen.

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