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  • 18.05.2018
  • von Malte Lehming

Sarah Silverman über Depression: „Erzähl von Deiner Finsternis“

von Malte Lehming

Sarah Silverman Foto: Frazer Harrison/Getty Images/AFP

Seit sie 13 ist, leidet Sarah Silverman unter Depressionen. Die amerikanische Komikerin spricht offen darüber. Mit einem Video ermutigt sie Kinder, dies auch zu tun.

Sie trägt Brille, lächelt auf ihre unnachahmliche Art, offen, direkt, freundlich. Das Video dauert eine Minute, 50 Sekunden davon spricht Sarah Silverman. „Die Finsternis kann nicht im Licht existieren“, sagt sie, „also erzähl’ von Deiner Finsternis, bringe sie ans Licht“.

Gerichtet ist die Botschaft an Kinder. Das Video ist Teil einer Spendensammelkampagne vom „Child Mind Institute“, einer amerikanischen Organisation, die Kindern mit mentalen Krankheiten hilft. Zu diesen Kindern redet Sarah Silverman. „Wenn du Medikamente nehmen musst, nimm sie. Das ist kein großes Ding. Wenn du Diabetes hast, nimmst du ja auch Medikamente." Sie will den Kindern die Scham nehmen, die immer noch oft mit dem Begriff „psychische Krankheit“ verbunden ist, ihnen Mut machen, offen damit umzugehen.


Sarah Silverman ist Schauspielerin, Komikerin, Schriftstellerin. Sie ist böse, bissig, das Gegenteil von politisch korrekt. Sie reißt Witze über Mexikaner, Obdachlose, Juden, Behinderte, Schwarze und Schwule. Sie plaudert über ihre Vagina und über ihre Fantasie, mit Gott zu schlafen, der ihr als Schwarzer begegnet. Vielen Zuhörern stockt dabei der Atem. Witze über Schwarze zu machen, ohne rassistisch zu sein, sondern im Gegenteil: rassistische Vorurteile zu entlarven – das ist die Kunst. Ihre Kunst.

„Ich hatte Heimweh, obwohl ich zu Hause war“

Seit sie 13 ist, leidet die heute 47-Jährige unter Depressionen. In einem langen Essay für das Magazin „Glamour“ beschrieb sie 2015, wie es anfing. Das Gefühl beschreibt sie so: „Ich hatte sehr verzweifelt Heimweh, obwohl ich zu Hause war.“ Eingesetzt hatte es nach einer Klassenfahrt. Sie war Bettnässerin, hatte die Pampers in ihrem Schlafsack versteckt, als ihre Mutter sie in Empfang nahm, setzten plötzlich Panikattacken ein. Mal heftig, mal weniger heftig. Drei Jahre lang dauerte das. Sie fehlte oft in der Schule, sah mehrere Psychiater, nahm Medikamente.


Dann kam Hoffnung auf. Über lange Strecken fühlte sich Sarah Silverman gesund. Doch die Depression kam wieder. Als sie Sketche für die Sendung „Saturday Night Live“ schrieb, war die Krankheit wieder da. Ein Freund half ihr, aus den Löchern herauszukommen. Inzwischen sei sie in der Lage, ihre Depression zu kontrollieren, sagt sie. Für alle Fälle trägt sie allerdings immer einen großen Vorrat an Medikamenten in ihrem Rucksack mit sich herum. „Aber es gibt etwas, was ich jetzt weiß, was ich früher nicht wusste: Es geht vorbei. Und es geht vorbei.“


In Deutschland hat der Komiker Oliver Polak, der 2012 ebenfalls unter schwerer Depression litt, ein Buch über seine Krankheit geschrieben. Es heißt „Der jüdische Patient“. Polak half eine Psychodramatherapeutin, seine Ängste in den Griff zu bekommen. Eine Garantie, dass es dabei bleibt, gibt es nicht.

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