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  • 14.03.2018
  • von Matthias Meisner

Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“: In Hochburgen von Rechtspopulisten grassieren Abstiegsängste

von Matthias Meisner

Marzahn-Hellersdorf ist eine der Hochburgen von Rechtspopulisten in Deutschland und Frankreich, die für die Studie ausgewählt wurden. Foto: picture alliance/Matthias Balk

"Weniger Migranten bedeutet mehr für mich" - das meinen viele Menschen in den Hochburgen von Rechtspopulisten. Eine Studie dazu wird am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Denjenigen zuzuhören, über die sonst geredet wird. Das war der Ansatz für die Studie „Rückkehr zu den politisch Verlassenen“ des Politikberaters Johannes Hillje. Es sind oft abstrakte Ängste und weniger konkrete Erfahrungen mit Ausländerkriminalität, die darin benannt werden. So sei Zuwanderung aus Ländern wie Rumänien „immer Zuwanderung in Sozialsysteme“, sagt ein 64-Jähriger aus Berlin-Marzahn. Und behauptet: „Integration funktioniert überhaupt nicht: Libanesische Banden haben das Sagen in Neukölln und Wedding.“ Eine 39-jährige Frau aus Duisburg treibt die Sorge vor Altersarmut um: „Ich gehe jeden Tag arbeiten und ich weiß, ich werde meine Miete nicht mehr zahlen können.“

Dies sind Auszüge aus der Studie, die an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt werden soll. Im Auftrag des Progressiven Zentrums wurden rund 500 Menschen in Deutschland und Frankreich befragt, in Hochburgen der AfD sowie des Front National (FN), im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf genauso wie in den brandenburgischen Städten Eisenhüttenstadt und Fürstenwalde. Hillje kommt zu dem Schluss, dass die meisten Befragten – längst nicht nur die Anhänger von AfD und FN selbst – urteilen, dass im eigenen Land „nichts oder wenig gut läuft“.

Angst vor sozialen Abstieg

Unterschiede zwischen den Ländern finden sich durchaus: Den Franzosen bereitet mehr als alles andere die wirtschaftliche Lage des Landes Sorgen, gefolgt von den Ängsten um die eigene Zukunft. Bei den Deutschen speisen sich die Sorgen am häufigsten aus Ängsten um die Zukunft ihrer Kinder und einen möglichen eigenen sozialen Abstieg. Von einer „vergleichenden Abwertungslogik“ spricht der Autor der Studie: Menschen fühlten sich abgewertet, weil ihnen in ihrer Wahrnehmung Unterstützung vom Staat verweigert, Geflüchteten aber sehr wohl angeboten werde. Sie meinen: „Weniger Migranten bedeutet mehr für mich.“

Hilljes Fazit: Rechtspopulistische Kräfte würden in die „politische Verlassenheit“ drängen. Die anderen Parteien müssten den Kampf um diese Räume aufnehmen und sich das Vertrauen der Menschen neu verdienen. Zum Beispiel mit Präsenz vor Ort.

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