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  • 12.03.2018
  • von Bernd Matthies

Matthies meint: Wenn sich Merkel und Putin Bier und Räucherfisch schenken

von Bernd Matthies

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wird im Kreml von Wladimir Putin, Präsident Russlands, bei den 14. deutsch-russischen Regierungskonsultationen begrüßt. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Pool/dpa

Merkel schenkt Putin Bier, der revanchiert sich mit Räucherfisch. So nett sind die miteinander. Aber was heißt das? Eine Glosse.

Das Merkel-Prinzip beruht zu einem großen Teil auf gestörter Kommunikation. Sie sagt etwas, wir stutzen, fragen uns, ob dieses Tante-Helga-Zeugs wirklich so gemeint ist, erwägen eine kleine Auszeit zum Fremdschämen – und dann ist sie schon wieder weg und lässt uns ratlos zurück.

Dieses Prinzip fand auch am gestrigen Montag wieder seinen Niederschlag in einem Wortwechsel über Wladimir Putin. Ob es denn richtig sei, wurde sie gefragt, dass sie Putin von Zeit zu Zeit deutsches Bier schicke? Und für welche Gegenleistung? Ja, sagte sie, „manchmal ergibt sich die Möglichkeit, dass man sich da austauscht. Ich habe schon mal sehr guten Räucherfisch bekommen.“

Bier und Räucherfisch als Elemente freundschaftlicher Koexistenz – das ist verblüffend. Und es ist wohl wirklich so gemeint. Mir fehlen grad die Detailkenntnisse: Bricht die Kanzlerin damit eventuell das EU-Embargo? Ist es ein gutes oder ein schlechtes Zeichen, dass sich die Chefs zweier zunehmend auf Kollisionskurs driftender Länder gegenseitig mit Nahrungsmitteln versorgen? Und wie verhandeln die beiden das? „Lieber Wladi, ich lass dir die Krim, wenn du mir noch so einen leckeren Räucherstör schickst. Und den Kaviar kann der Schröder haben.“ So?

Der Bizeps ist geölt

Wahrscheinlich tun wir Putin unrecht. Er hängt im Kreml rum, der Bizeps ist geölt, die Eisen sind gestemmt, der Job ödet ihn an. Da geht er einfach unten in den Supermarkt und lässt sich einen schönen Fisch für Angela einpacken. Der ist zwar nicht selbst geangelt, aber die Kanzlerin braut das Bier ja auch nicht selbst, sondern kauft es, wahrscheinlich im Laden in der Mohrenstraße. So ist Weltpolitik: Kein messerscharfes, mit den Geheimdiensten abgestimmtes Kalkül mit dem Zweck, die Kanzlerin zu vergiften oder den russischen Präsidenten in den Alkoholismus zu treiben. Sondern einfach so, wie unsereiner sich Ansichtskarten schickt. Nett!

Was bewegt die Kanzlerin? Es ist das Quantum Freude. „Wenn dann noch eine Portion Freude dazukommen könnte am Gestalten“, sagte sie zum Koalitionsvertrag, „dann kann das eine gute Regierungsarbeit werden.“ Ohne unken zu wollen: Politische Themen, die so richtig Freude bereiten beim Gestalten – wo sollen die herkommen? Vielleicht schickt ja Wladi welche.

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