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  • 22.08.2017

US-Präsident zu Afghanistan-Strategie: Trump will mehr Soldaten an den Hindukusch schicken

Bleibt beim Bewährten in Afghanistan: US-Präsident Donald Trump Foto: dpa/AP Carolyn Kaster

US-Präsident Trump kündigt ein stärkeres Engagement in Afghanistan an. Genaue Zahlen nennt er nicht. Die Taliban drohen mit "Krieg bis zum letzten Atemzug".

US-Präsident Donald Trump hat ein stärkeres Engagement der amerikanischen Streitkräfte in Afghanistan angekündigt und will dabei auch Alliierte in die Pflicht nehmen. Ein schneller Rückzug aus Afghanistan würde ein Vakuum schaffen, das Extremisten ausnutzen würden, sagte Trump am Montagabend (Ortszeit) auf einem Militärstützpunkt in der Nähe von Washington.

"Mein ursprünglicher Instinkt war abzuziehen", sagte Trump. Seine Sicherheitsberater hätten ihn aber von einem stärkeren Engagement überzeugt. Damit soll verhindert werden, dass die radikalislamischen Taliban die Regierung in Kabul stürzen. Wie viele Soldaten zusätzlich an den Hindukusch entsandt werden, sagte Trump nicht. Regierungskreisen zufolge billigte er aber den Plan von Verteidigungsminister Jim Mattis, die 8400 Mann starke Truppe um 4000 aufzustocken

Der Präsident griff in seiner Rede die Atommacht Pakistan scharf an. Das Land sei ein Rückzugsraum für Terrororganisationen, die Taliban und andere Gruppen. Dazu könnten die USA nicht länger schweigen. "Pakistan kann viel erreichen, wenn es Partner unserer Bemühungen in Afghanistan wird." Die pakistanische Armee hatte bereits Vorwürfe zurückgewiesen, wonach es in dem Land Verstecke für Extremisten gibt. Man gehe gegen alle Terroristen vor.

Taliban reagieren mit Drohung

Die radikalislamischen Taliban haben als Reaktion auf die neue Afghanistanstrategie von US-Präsident Donald Trump angekündigt, einen „heiligen Krieg bis zum letzten Atemzug“ führen zu wollen.

Talibansprecher Sabiullah Mudschahid schrieb in einer Email an Medien, solange auch nur ein US-Soldat im Land sei, würden die Taliban ihren „Dschihad mit Entschlossenheit“ fortsetzen. „Wir werden ihnen (den Soldaten) Angst machen und ihrer Regierung die Realitäten in diesem Land zeigen.“ Die Taliban seien nicht kampfesmüde. Sollten die USA nicht abziehen, werde Afghanistan zu ihrem Friedhof werden.

Die Rede Trumps, die mit Spannung erwartet wurde, war eher allgemein gehalten. Im Wahlkampf hatte er kritisiert, der Einsatz in Afghanistan koste zu vielen Menschen das Leben und sei zu teuer. Nach dem Amtsantritt ließ Trump schließlich die US-Strategie in dem Land überprüfen. Die amerikanischen Truppen sind dort seit dem Sturz der Taliban im Jahr 2001 im Einsatz. Dennoch konnten die Islamisten in den vergangenen Jahren Territorium gutmachen.

Der Republikaner ordnete nach eigenen Worten an, die US-Armee beim Kampf gegen Netzwerke von Extremisten und Kriminellen mit mehr Befugnissen auszustatten. Die Feinde könnten sich nirgendwo verstecken. "Unsere Soldaten kämpfen, um zu gewinnen", betonte er. Wie lange der Einsatz dauern soll, ließ er offen.

Alliierte sollen USA mehr unterstützen

Die USA werden nach Trumps Worten auch die Nato-Verbündeten und andere Partner bitten, in gleichem Umfang zusätzliche Truppen und Geld zur Verfügung zu stellen. "Wir sind zuversichtlich, dass sie das auch tun werden", sagte der Präsident. Verteidigungsminister Mattis kündigte Beratungen mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und den Alliierten an. Einige von ihnen hätten sich bereits verpflichtet, mehr Truppen zu schicken, erklärte der frühere General bei einem Besuch in Jordanien.

Der internationale Einsatz in Afghanistan wird von der Nato angeführt. Auch die Bundeswehr ist daran mit bis zu 980 Soldaten beteiligt. Sie sollen etwa die afghanischen Sicherheitskräfte ausbilden und unterstützen.

Trump äußerte in seiner Rede zudem die Hoffnung, dass der Konflikt in Afghanistan nach einem militärischen Erfolg politisch gelöst wird und daran auch Teile der Taliban beteiligt sein können. "Aber niemand weiß, ob oder wann das passieren wird."

US-Militärkommandeure haben schon lange geplant, nach dem erfolgreichen Kampf gegen die Extremistenmiliz Islamischer Staat in der irakischen Stadt Mossul den Fokus wieder stärker auf Afghanistan zu legen. Regierungskreisen zufolge ließ die neue Strategie aber so lange auf sich warten, weil Trump zunächst überzeugt werden musste, dabei auch Pakistan zu berücksichtigen. Der Präsident hatte demnach eine Reihe von Optionen vorgelegt bekommen.

Letztlich konnte sich sein Sicherheitsberater H.R. McMaster mit einer Aufstockung der Truppen durchsetzen. Trumps Chefstratege Steve Bannon dagegen warb Insidern zufolge für einen Abzug, weil der Krieg nach seiner Ansicht nicht zu gewinnen ist. Bannon wurde am Freitag entlassen. (Reuters, dpa)

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