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  • 21.08.2015
  • von Björn Stelley

Aus der Turnhalle in ein Haus

von Björn Stelley

Schnell montiert. Das Low-Cost-Haus ist gedämmt und mit Fenstern und Heizung ausgestattet. Arbeiter tragen ein Teil des Fußbodens in das Haus. Foto: Björn Stelley

In Brück baut eine Firma ein Flüchtlingsdorf für rund 150 Asylsuchende. Die Häuser sind innerhalb weniger Stunden aufgebaut. Der Landkreis mietet das Areal für knapp fünf Jahre

Brück - Es gibt weder Keller noch eine zweite Etage. Aber es bietet Schutz und Wärme und ein klein wenig Privatsphäre. In einem Gewerbegebiet in Brück entstehen derzeit 30 so genannte Low-Cost- Häuser für Flüchtlinge. Ursprünglich wurden die Häuser von der in Brück ansässigen Feilmeier AG für Katastrophengebiete entwickelt, um Opfern schnell ein Dach über dem Kopf zu bieten. „Ich habe mit meiner Frau ferngeschaut, es ging um Flüchtlinge in einem Zeltlager, und einem Kind wehte der Wind durch die Haare“, sagt Feilmeier. „Da habe ich gesagt, da muss man doch was tun.“

Feilmeier, der den Produktionsstandort in Brück seit 2012 betreibt, hatte dem Landkreis bereits im vergangenen Jahr angeboten, die obere Etage des dortigen Bürogebäudes für Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Das Grundstück hatte er samt Bürohaus vor drei Jahren gekauft. „Seit Ende März mietet der Landkreis das gesamte Gebäude“, sagt Feilmeier. Laut Kreissprecherin Andrea Metzler wird der Standort sehr gut angenommen. Schnell entstand die Idee, weitere Flüchtlinge auf dem Grundstück unterzubringen. „Die Anfrage des Landkreises kam schneller, als die Idee zu den Low-Cost-Häusern“, sagt der 51-jährige Firmenchef. Platz auf dem Areal gibt es für die Häuser mehr als genug. „Am Freitag werden die ersten Flüchtlinge aus der Michendorfer Turnhalle hier einziehen“, sagt Andrea Metzler. „Insgesamt sind es 75 Menschen, die die provisorische Unterkunft in der Michendorfer Turnhalle verlassen können.“ Die Flüchtlinge, darunter zehn Familien, kommen unter anderem aus Afghanistan, Mazedonien, Albanien, Bosnien und Herzegowina sowie Vietnam.

Die Low-Cost-Häuser bieten einen großen Vorteil: Sie sind winterfest. Neben den Wänden sind das Dach und der Boden gedämmt. „Im Innern sind zudem Heizungen installiert“, sagt Feilmeier. Ein Pellet-Kraftwerk soll in den nächsten Wochen aufgebaut werden und das Areal mit Wärme versorgen. In weitere Häuser werden Waschmaschinen, Trockner, Küchen und Spülen eingebaut. Sanitäranlagen stehen in speziellen Containern zu Verfügung.

Die Feilmeier AG produziert bundesweit an vier Standorten und stellt vor allem Wellprofile für Dächer und Fassaden her, die in der Industrie genutzt werden. Die Materialien für das Low-Cost-Haus werden beinahe vollständig vor Ort hergestellt. Es gibt zwei Varianten, einmal mit 19 und einmal mit rund 32 Quadratmeter Fläche. „Die Häuser wurden gemeinsam mit einem Architekten entwickelt und sind statisch und brandschutztechnisch bewertet worden“, sagt Feilmeier.

Der Landkreis wird die Häuser für insgesamt viereinhalb Jahre mieten. Wie hoch die Kosten pro Monat ausfallen, wollte die Sprecherin nicht kommentieren. Laut Feilmeier bezahle der Landkreis monatlich 1 000 Euro pro Haus. „Ein Haus kostet rund 15 000 Euro, je nach Dämmung“, sagt Feilmeier. „Ein Haus besteht aus 87 Einzelteilen und kann von drei Leuten innerhalb von rund 2 Stunden aufgebaut werden“, so der Firmenchef.

Für den Landkreis könnte sich das Low-Cost-Haus als Glücksfall erweisen. „Die Wartezeit für einen Wohncontainer beträgt zur Zeit acht Monate“, sagt Andrea Metzler. Zelte wie in Bad Belzig kommen, im Hinblick auf den bevorstehenden Winter, nur als Notlösung in Frage. Noch immer werde nach Unterkunftsmöglichkeiten gesucht.

Nach derzeitigem Stand fehlen dem Landkreis bis Jahresende Unterkünfte für rund 250 Flüchtlinge. Doch in den kommenden Tagen kann die Anzahl der Asylbewerber noch steigen. Deutschland erwartet in diesem Jahr rund 800 000 Flüchtlinge. Wie viele Asylsuchende Brandenburg und schließlich der Landkreis Potsdam-Mittelmark aufnehmen müssen, ist noch unklar.

Weitere Low-Cost-Häuser zu bauen sei für die Firma in Brück kein Problem. Innerhalb von drei Wochen könnten Unterkünfte für 100 weitere Flüchtlinge bereitstehen, so Feilmeier. Björn Stelley

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