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  • 07.04.2004
  • von Von Peter Könnicke

Zweifel im Wind

von Von Peter Könnicke

Der Anwalt der Stahnsdorfer Windkraft-Gegner hat einen fragwürdigen Ruf – die Initiative baut auf sein Wissen

Der Anwalt der Stahnsdorfer Windkraft-Gegner hat einen fragwürdigen Ruf – die Initiative baut auf sein Wissen Von Peter Könnicke Stahnsdorf. Die Worte klangen wie Balsam für das geplagte Gemüt. Er sehe gute Chancen, die Windräder zu verhindern, versprühte Thomas Mock im vergangenen Herbst Zuversicht, als wenige Wochen vor der Kommunalwahl in einem groß angelegten Forum über die Pläne einer Windfarm auf den Stahnsdorfer Rieselfeldern diskutiert wurde. Mock, als Anwalt der Bürgerinitiative „Stahnsdorf Süd“ vorgestellt, avancierte zum Hoffnungsträger, zum Mutmacher. Seine geschilderte „Empörung“ und „Verzweiflung“ von Menschen, deren gesamte Lebensplanung von Windrädern „über den Haufen geweht“ wird, entsprach genau den Empfindungen der Schenkenhorster, vor deren Haustür ein gutes Dutzend Windräder geplant ist. Für Auftritte dieser Art ist Mock in zahlreichen deutschen Kommunen bekannt. Hinter so manch angekündigtem Themenabend „Windkraft – nein danke“ steht als Name des Referenten: Thomas Mock, Rechtsanwalt. Doch ist das ist nur die halbe Wahrheit. Schon vor Jahren wurde in Fernsehbeiträgen und Presseartikeln aufgespürt, dass hinter der – für die anwaltliche Arbeit benutzten – Adresse nicht die rheinische Anschrift einer Kanzlei steht, sondern die Vereinigten Aluminium Werke (VAW) firmieren. Das Unternehmen ist einer der größten deutschen Alu-Hersteller, großer Energieverbraucher und daher interessiert an niedrigen Strompreisen – und Mocks Arbeitgeber. Ist sein Kampf gegen Windmühlen in Wirklichkeit ein „doppeltes Spiel“, wie es vor wenigen Tagen das TV-Enthüllungs-Magazin „Monitor“ meinte? Bringt Mock im Namen von Bürgerinitiativen eiserne Windmühlen zu Fall, während sich im Hintergrund die stromfressende Industrie die Hände reibt? Denn die Abnahme von Windenergie bedeutet für Firmen wie die Aluminiumwerke höhere Kosten. Hat sich die Stahnsdorfer Bürgerinitiative ein „trojanisches Pferd“ in die Reihen geholt, wie der Bundesverband Windenergie Widersacher wie Mock einmal nannte. „Wir sind mit Mock zufrieden“, hat Frank Schmidtke keinen Grund zu Klage. Dem Sprecher der Bürgerinitiative „Stahnsdorf Süd“ hat sich Mock – nachdem man den Kontakt zu ihm gesucht hatte – selbst als Betroffener vorgestellt. Tatsächlich beginnt Mocks Feldzug gegen Windkraft vor Jahren in einem kleinen Dorf in der Eifel, wo er Haus und Grundstück besaß. Als dort die Pläne für einen Windpark publik wurden, organisierte Mock Widerstand – mit vermeintlich zweifelhaften Mitteln, wie die Berliner „taz“ 1997 schrieb: Mock soll den Text einer Unterschriftensammlung manipuliert haben, so dass die Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung ermittelte. „Vor einem Jahr habe ich mein Grundstück verkauft“, beschreibt Mock nun gegenüber den PNN das Ende seiner Anfänge als Windkraft-Kritiker. Ein Feind dieser alternativen Energiegewinnung sei er keinesfalls, betont Mock. „Ich bin nicht gegen Windkraft“, sagt er, „nur gegen zu hohe Preise.“ Auch den Preis, den Schenkenhorster Hausbesitzer wie Frank Schmidtke zu zahlen hätten, hält Mock für zu hoch. In seinen Auseinandersetzungen mit Planungsbehörden und Investoren kämpft der Anwalt um Mindestabstände und Geräuschsarmut, gegen Projektierungsfehler und städtebaulichen Unfug. Bei der Ausübung seines Mandats für Bürgerinitiativen bleibe er „primär im Hintergrund“. Er sei da, um betroffenen Bürgern bei ihren Stellungnahmen gegenüber Planungsbehörden „unter die Arme zu greifen“. Für die Stahnsdorfer Bürgerinitiative hat er ein Gutachten erarbeitet, das der Regionalen Planungsabteilung „Havelland-Fläming“ verdeutlichen soll, warum eine Windfarm auf den Stahnsdorfer Rieselfeldern keinen Sinn mache. „Er hat Informationen, die für uns schwer zugänglich sind“, freut sich Initiativensprecher Schmidtke über Mocks hilfreiches Fachwissen. „Mit Mock wollten wir Druck machen“, sagt Schmidtke. „Er hat in unserem Interesse gute Arbeit gemacht.“ Dass Mock lediglich nebenberuflich als Anwalt deutschlandweit Gegenwind produziert und der VAW-Konzern als Lobbyist traditioneller Energiegewinnung ihm Lohn und Brot bezahlt, war der Stahnsdorfer Bürgerinitiative teilweise bekannt. „Wir wussten, dass er Interessenvertreter für einen Industriezweig ist, der viel Energie verbraucht“, sagt Schmidtke. Ein Grund, auf Mocks Beraterdienste zu verzichten, war dies nicht. Auch Mock sieht gegenüber den PNN keine fragwürdige Verquickung zwischen Haupt- und Nebenjob: „Was soll schlimm daran sein?“ Als Anwalt dürfe er ohnehin nur solche Mandate wahrnehmen, die nicht mit den Interessen seines Arbeitgebers verbunden sind. Zudem könne sich jeder von ihm trennen, der seine anwaltliche Dienste in Frage stelle. Diese lässt sich die Bürgerinitiative ein pauschales Honorar von 500 Euro kosten. Zunächst war Mocks Einsatz bis zu dem Tag geplant, an dem die Eignungsgebiete für den Bau von Windparks in Havelland-Fläming beschlossen werden. Der Beschluss ist inzwischen zweimal vertagt worden. Für die Bürgerinitiative Grund, weiter Gewehr bei Fuß zu stehen – mit Mock als Sekundant.

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