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  • 04.06.2015
  • von Henry Klix

Geburtsstation in Bad Belzig: Doch eine Zukunft?

von Henry Klix

Potsdam stellt neuen Rettungsvorschlag vor – von dem man in Brandenburg (Havel) aber gar nichts hält

Bad Belzig/Potsdam - Hat die Geburtsstation in Bad Belzig doch noch eine Zukunft? Dieser womöglich irrige Eindruck ist am Mittwoch bei einem Pressegespräch in Bad Belzig erweckt worden. Die Geburtsstation in der Bad-Belziger Klinik war vor zwei Monaten geschlossen worden, weil mit kaum 200 Geburten ein Weiterbetrieb nicht mehr machbar erschien. Die Klinik gehört seit zwei Jahren mehrheitlich zum Potsdamer „Ernst von Bergmann“-Klinikum. Das städtische Klinikum Brandenburg (Havel) hatte überraschend einen Vorschlag gemacht, wie die Geburtsstation mit Ärztepersonal aus Brandenburg womöglich doch noch gerettet werden könnte.

Das Übernahmeangebot war offenbar eine Herausforderung für die Potsdamer: Zunächst wurde es skeptisch gesehen. Am Mittwoch zeigte sich Klinikums-Geschäftsführer Steffen Grebner im Pressegespräch diplomatisch und sagte, dass man mit den Kollegen aus Brandenburg an einer Lösung zur Rettung der Geburtsstation arbeiten wolle. Der Vorschlag aus Brandenburg sei nach einem Gespräch am Dienstag, das vom Gesundheitsministerium moderiert wurde, besser verstanden worden.

Grebner zufolge werde jetzt folgende Idee verfolgt: Die Geburtsstation könne mit fünf Vollzeitstellen für Fachärzte wiederbelebt werden. 1,5 dieser Stellen könnten durch die Mitarbeiter der Gynäkologie-Station abgedeckt werden, die in Bad Belzig noch besteht. 3,5 Stellen könnten durch mehrere Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe aus dem Brandenburger Klinikum abgedeckt werden, die anteilig in Belzig arbeiten würden. Außerdem würden fünf Hebammen benötigt.

Grebner nannte weitere Voraussetzungen, die von Brandenburger Seite gestern allerdings bereits abgelehnt wurden: So müssten die Brandenburger Ärzte für die Arbeitszeit, die sie in Belzig tätig sind, anteilig beim Belziger Klinikum angestellt werden. Das sei aufgrund der Führungs- und Organisiationsverantwortung in der Geburtshilfe unabdingbar.

Außerdem sei man sich in einer Expertenrunde einig gewesen, dass es keine Geburtshilfe ohne Kinderarzt geben kann. Deshalb sollen drei Fachärzte für Kinder und Jugendmedizin, die sich auch in der Neu- und Frühgeborenenmedizin auskennen, im Klinikum Westbrandenburg angestellt werden, die abwechselnd in Belzig tätig sind, so Grebner. Selbst wenn eine Geburtshilfe keine kinderärztliche Vorortbetreuung garantieren muss, sei sie fachlich angezeigt und Konsens der Experten gewesen.

Das Klinikum Westbrandenburg ist vor drei Jahren von den kommunalen Kliniken in Potsdam und Brandenburg (Havel) gegründet worden und betreibt seitdem im hälftigen Verbund die Kinderkliniken in den beiden Städten. Potsdam würde mit den drei neuen Stellen das gemeinsame Projekt also weiter ausbauen. In Brandenburg ist das allerdings nicht erwünscht, wie Klinikchefin Gabriele Wolter gestern betonte.

„Herr Grebner weiß, dass sich die Zusammenarbeit im Klinikum Westbrandenburg schwierig gestaltet und wir uns eine Aufwertung sicherlich nicht wünschen“, sagte Wolter gegenüber den PNN. Man gehe in Brandenburg eher in die andere Richtung. Zudem habe es nie eine Festlegung von Experten gegen, dass für die Geburtsstation ein Kinderarzt benötigt wird. „Das ist eine Fehlinterpretation aus einer Gesprächsrunde, die im März stattgefunden hat.“ Wolter schloss außerdem völlig aus, dass Ärzte aus ihrem Klinikum Teilverträge mit Belzig schließen. „Unsere Ärzte lassen sich ganz sicher nicht vom ,Ernst von Bergmann’-Klinikum anstellen.“ Sie sei fassungslos, dass in einer schwierigen Situation solche Vorschläge unterbreitet werden, so Wolter.

Das Brandenburger Klinikum bleibe bei seinem Vorschlag, mit seinen Ärzten eine Versorgung aufrechtzuerhalten, die dem Standard der vergangenen Jahre entspricht: Brandenburg würde demnach dafür sorgen, dass die Geburtshilfe in Belzig mit rund zweieinhalb Fachärztestellen für Gynäkologie und Geburtshilfe plus Hebammen weiterlaufen kann.

„Eine ständige Beschäftigung von Kinderärzten ist in einer Geburtsstation, in der gesundene Neugeborene zur Welt kommen, nicht notwendig.“ Ein Bereitschaftsdienst sei dafür völlig ausreichend und könne abgesichert werden. Wolter hat den Eindruck, dass Brandenburg in dem Streit der Schwarze Peter zugeschoben werden soll.

Immerhin ist sie sich mit Grebner einig, dass schwierige Geburten in allen Planspielen in Potsdam oder Brandenburg (Havel) stattfinden sollten. Darüberhinaus gibt es offenbar alles andere als eine Annäherung zwischen Potsdam und Brandenburg.

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