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  • 02.04.2015
  • von Björn Stelley

Neuer Hafen in Teltow: Das Großprojekt nimmt Form an

von Björn Stelley

Das ausgebaggerte Erdloch ist so groß wie zwei Schwimmbecken. Im Frühherbst dann soll die Rohform für das Hafenbecken stehen. Foto: B. Stelley

Wie sieht es auf der Baustelle für den neuen Hafen in Teltow zur Zeit aus? Die PNN haben sich vor Ort einmal umgeschaut.

Teltow - Die Marina in Teltow wird die Stadt mit neun Millionen Euro rund eine Million Euro weniger kosten als bisher bekannt. Grund ist eine Rückzahlung der Mehrwertsteuer, da die Marina als Betrieb gewerblicher Art geführt wird. Das sagte Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) am Mittwoch vor der Presse. Bereits im vergangenen Jahr habe die Stadt den Antrag beim Finanzamt gestellt, so Kämmerer Rico Kasten. „Im März wurde er dann bestätigt.“

Schmidt hatte ins Rathaus und anschließend zu einer Baustellenbegehung eingeladen, um zu zeigen, wie es mit Teltows Vorzeigeprojekt bestellt ist. Die Gesamtkosten werden nach aktuellem Stand auf rund zehn Millionen Euro beziffert. Mitte Februar ist bereits bekannt geworden, dass der Hafen teurer wird als ursprünglich geplant (PNN berichteten). 1,1 Millionen Euro kommen als Förderung von der Investitionsbank des Landes Brandenburg. Abzüglich der in Aussicht stehenden Steuerrückzahlung muss Teltow unterm Strich 7,9 Millionen Euro für die Marina berappen.

Der erste Hafen vom Stadtplanungsbüro

Es ist der erste Hafen, den das Teltower Stadtplanungsbüro Wieferig & Suntrop baut. Alle Kosten habe man im Vorfeld nicht kennen können, äußerte sich Brigitte Suntrop am Mittwoch im Teltower Rathaus bezugnehmend auf die gestiegene Summe. Dass die Marina nun beinahe doppelt so teuer wird wie ursprünglich veranschlagt, ist für Bürgermeister Schmidt nicht ungewöhnlich. „Solche Dinge passieren einfach in einer Stadt“, sagte Schmidt und verwies unter anderem auf die Altlasten, die im künftigen Marinabecken vor sich hinschlummerten. „Man kann am Anfang nicht reinsehen“, ergänzte Suntrop.

Die Altlasten sind durchaus ein Kostenfaktor. 55 000 Kubikmeter Erde müssen bewegt werden, damit ein 4500 Quadratmeter großes Hafenbecken mit 39 Liegeplätzen entstehen kann. Doch mit dem reinen Abbaggern ist es nicht getan, da der Aushub mit Altlasten kontaminiert ist. „Man kann die Kontamination sehen und auch riechen“, sagt Torsten Huntemann, Geologe bei der Ingenieurberatungsfirma Spiekermann. „Es riecht nach Diesel.“ Zu DDR-Zeiten produzierten dort der VEB Betonwerke Teltow unter anderem Teile für die Berliner Mauer. Bei der Herstellung des Betons seien sogenannte Schalöle verwendet worden, so Huntemann. „Es ist allen klar, dass das eigentlich eine Müllkippe ist“, verdeutlicht Huntemann.

Rohform des Hafenbeckens im Frühherbst fertig

Der belastete Boden wird auf Polderanlagen, unmittelbar neben der künftigen Marina, aufwendig von Schadstoffen getrennt. Der schlammige Aushub wird entwässert. Das Wasser werde über eine Reinigungsanlage gefiltert und in den Teltowkanal geleitet, so Huntemann. Die Arbeiten auf der Baustelle müssen aufgrund der Altlasten im sogenannten Schwarz-Weiß-Verfahren durchgeführt werden. Der belastete Schwarzbereich ist dabei strikt vom unbelasteten Weißbereich getrennt. Die sichere Entsorgung der gefährlichen Abfälle werde durch ein zertifiziertes Nachweisverfahren abgesichert, so Huntemann. Die Verwaltung arbeite in diesem Fall eng mit den zuständigen Behörden im Landkreis Potsdam-Mittelmark und dem Landesumweltamt zusammen.

Nachdem Eidechsen umgesiedelt, Bäume gefällt und Munitionsreste geborgen wurden, sind die Arbeiten auf dem Areal in vollem Gange. Die Baustelle ist geprägt von Bergen aus abgebaggertem Erdreich und einem Erdloch von der Größe zweier Schwimmbecken. Einige Meter entfernt fließt der Teltowkanal vor sich hin. Es ist lediglich zu erahnen, dass dort mal Boote ankern und Menschen flanieren sollen. Während ein riesiger Radlader die ausgehobene, belastete Erde auf die Polderanlage fährt, schraubt ein mehrere Meter hoher Bohrer tiefe Löcher entlang der Oderstraße in das Erdreich. Insgesamt 102 Löcher werden schließlich mit Beton verfüllt. Die so entstehende Bohrpfahlwand soll die Straße auf 78 Metern Länge absichern. Auf diese Weise entsteht auch eine Dichtwand zum Hafenbecken. Die derzeit beauftragten Bauabschnitte beinhalten auch den Durchstich zum Teltowkanal, die darauffolgende Neugestaltung des Uferbereichs sowie die Pfähle für die Steganlagen und Bootsbefestigungen. Insgesamt beträgt das Bauvolumen vier Millionen Euro. Bislang lägen die Arbeiten im Zeitplan, so Bürgermeister Schmidt. Die Eröffnung der Marina sei zur Saison 2017 geplant, so Schmidt. Die Rohform des Hafenbeckens soll im Frühherbst fertiggestellt sein.

Bis dahin kann sich jeder online unter www.marina-teltow.de per Webcam ein Bild vom Baufortschritt machen.

Lesen Sie weiter: Baustopp für das Großprojekt abgelehnt >>

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