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  • 10.02.2015
  • von Enrico Bellin

Unbekannte wollten Zugang zu Beelitzer Heilstätten: Mit einem Bagger das Hauptgebäude demoliert

von Enrico Bellin

Das Eingangsportal der Beelitzer Heilstätten wurde demoliert. Foto: Andreas Klaer

Unbekannte haben am Samstag in den Beelitzer Heilstätten mit einem kurzgeschlossenen Baufahrzeug das Hauptgebäude demoliert. Der Investor hatte kurz zuvor den Zugang zum Haus gesperrt, um Schaulustige fernzuhalten.

Beelitz - Abgerissene Balkone, eingestürzte Stützpfeiler und ein völlig demolierter Bagger: Der Schaden, den Unbekannte am Samstag in den Beelitzer Heilstätten hinterlassen haben, ist enorm. „Anscheinend wurde ein Bagger, der auf dem Gelände abgestellt war, kurzgeschlossen, um damit den Eingang der Chirurgie freizubekommen“, sagte Georg Hoffmann am gestrigen Montag den PNN.

Der Geschäftsführer der Heilstättenpark Projektentwicklungs-GmbH hatte in der vergangenen Woche den Eingang der denkmalgeschützten Ruine mit Betonplatten sichern lassen, nachdem die Türen zur Chirurgie immer wieder von Ruinen-Touristen eingetreten worden waren. „Anscheinend hat die Schließung manche so erzürnt, dass sie selbst vor Beschädigungen des Gebäudes nicht zurückgeschreckt haben“, so Hoffmann.

Heilstätten sind ein Eldorado für Foto-Fans

Der Bagger war erst einen Tag vor dem Übergriff auf das Gelände gestellt worden, da die Bauarbeiten für den Höhenpfad durch die Heilstätten in diesen Tagen beginnen sollen. Er wurde, nachdem der Zugang zur Chirurgie freigeräumt war, in den Wald gefahren. Die Täter hoben eine Grube aus, in die sie das Kettenfahrzeug fuhren. Als Zeugen den Bagger am Samstagnachmittag fanden, war er selbst zur Hälfte mit Erde bedeckt. „Der Schaden am Baugerät beträgt etwa 50.000 Euro, genauso wie der an der Chirurgie“, so Georg Hoffmann.

Die Heilstätten sind seit Jahren ein Eldorado für Menschen, die den maroden Charme des mehrere Hektar großen, verfallenen Geländes lieben. Im Internet verabreden sie sich auf mehreren Foren zu gemeinsamen Treffen und tauschen möglichst morbide Bilder der Häuser, die teilweise seit Jahrzehnten sich selbst überlassen sind. „Die Leute betrachten die Heilstätten inzwischen als ihr Eigentum und sehen uns als Störenfriede“, so Georg Hoffmann. Er habe kein Interesse daran, sich mit den derzeitigen Besuchern anzulegen und sieht auch sein Projekt des Heilstätten-Parks nicht gefährdet. Ab der kommenden Woche soll jedoch verstärkt Wachschutz das Gelände sichern.

Silvesterknaller explodieren mitten in der Nacht

Ob das riesige Gelände jedoch wirklich gesichert werden kann, scheint fraglich. „Die Menschen überwinden ja jetzt auch den Zaun und dringen in jedes Haus ein, selbst wenn dafür die Stäbe vergitterter Fenster auseinandergebogen werden“, sagt Gudrun Kimmel-Fischer, die das Landhotel Gustav direkt gegenüber den Heilstätten betreibt. Zwar habe ihrer Meinung nach die Zahl der Besucher in den vergangenen Jahren abgenommen, jedoch gebe es jetzt sogar nachts um zwei Uhr Detonationen auf dem Gelände, vermutlich von übrig gebliebenen Silvesterknallern. „Die Explosionen sind so heftig, das unsere Gäste wach werden und am nächsten Morgen besorgt nachfragen, was denn da los war“, so Kimmel-Fischer. Wenn nur wenige Gäste im Hotel sind, würden sie oder ihr Mann immer dort übernachten, um den übrigen ein Gefühl von Sicherheit zu geben.

In den kommenden Tagen soll auch der Parkplatz des Hotels mit einem Schlagbaum gesichert werden. Einerseits würden Besucher der nahe gelegenen Kliniken dort unrechtmäßig parken, besonders nachts müssen laut Kimmel-Fischer aber auch junge Leute runtergescheucht werden, die in die Ruinen wollen. „Die sind meist freundlich und parken dann auf einem kleinen Platz am Pförtnerhäuschen gegenüber.“ Dort stünden nachts bis zu zehn Autos gleichzeitig, meist mit Kennzeichen aus den berlinfernen Landkreisen Brandenburgs.

Liste der Straftaten ist lang

Gerüchte aus der Beelitzer Bevölkerung, die nächtlichen Besucher würden vor allem aus dem rechten Spektrum stammen, konnte die Polizei gestern nicht bestätigen. „Auch auf die Täter vom Wochenende gibt es noch keine Hinweise“, sagt Jana Birnbaum von der Polizeidirektion West den PNN. Die Zeugen, die den Bagger in der Grube gefunden haben, meldeten das der Polizei. Die Beamten stellten daraufhin die erheblichen Schäden am Gebäude fest.

Die Liste der Straftaten, die den Tätern vorgeworfen werden, ist Birnbaum zufolge lang: Hausfriedensbruch, Sachbeschädigung, unbefugter Gebrauch von Kraftfahrzeugen und Dieseldiebstahl aus dem Bagger, dessen Innenraum komplett zerstört worden sei. Hausfriedensbruch in den Heilstätten sei der Polizei bekannt, mutwillige Beschädigungen seien dort aber noch nicht angezeigt worden. „In letzter Zeit ist es auf dem Gelände ruhiger geworden, wir sind dort häufiger vor Ort.“ Womöglich habe der Rückgang der Besucher aber auch mit der Witterung zu tun. Wie oft die Beamten in den Heilstätten patrouillieren, wollte die Pressesprecherin auf Anfrage nicht sagen. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren würden aber nicht mehr bei jedem Kontrollgang unerwünschte Gäste angetroffen.

Bei Kontrollen im Sommer seien aber zumindest an jedem Wochenende Schaulustige in den Heilstätten gewesen, die die Polizei jeweils des Geländes verwies. Die Spannbreite der Besucher reiche Birnbaum zufolge von einzelnen Abenteuertouristen über Pärchen, die einen romantischen Spaziergang zwischen den Ruinen machen, bis hin zu kleineren Gruppen, die für die Heilstätten auch weitere Anreisen in Kauf nähmen.

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