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  • 13.11.2014
  • von Henry Klix

Orgel-Traditionsunternehmen: Orgelbauer Schuke ist insolvent

von Henry Klix

Nicht risikofrei. Aus Bambus hat Matthias Schuke noch nie eine Orgel gebaut. Derzeit erkunden seine Fachleute das Material. Foto: hkx

Die Orgeln sind fertig, aber das Geld kommt nicht: Zahlungsausfälle für Aufträge aus Russland und Ostukraine bringen das Orgelbau-Traditionsunternehmen Schuke in Schieflage

Werder (Havel) - Der Ukrainekonflikt und die Kreditsanktionen gegen Russland treffen eines der bekanntesten Traditionsunternehmen der Region: Die Alexander Schuke Potsdam Orgelbau GmbH in Werder hat am Dienstag einen Insolvenzantrag stellen müssen. Hintergrund sind Zahlungsausfälle aus der Ostukraine und aus dem russischen Shelkovo. Schuke hatte den Auftrag, in der zweitgrößten ukrainischen Stadt Charkow eine Orgel für den neuen Konzertsaal zu bauen. Die Orgel steht fertig verpackt vor Ort, kann wegen der angespannten Lage aber nicht aufgestellt werden. Für das Unternehmen ergibt sich daraus ein Zahlungsausfall von mehr als 100 000 Euro.

Noch größer ist nach PNN-Informationen der Ausfall in Russland. Ein Oligarch hatte geplant, in Shelkovo einen Hotelkomplex mit Konzerthalle zu bauen, darin eine Schuke-Orgel für eine halbe Million Euro. Die Orgel steht fix und fertig in Werder zum Abtransport bereit, ist aber nicht einmal zur Hälfte bezahlt. Die Bauarbeiten für den Hotelkomplex ruhen – offenbar wegen der EU- und US-Sanktionen gegen Russland, die sich auch auf das Kreditgeschäft erstrecken.

Insolvenzverwalter ist der Potsdamer Rechtsanwalt Christian Graf Brockdorff. Er bestätigte gestern, dass es sechsstellige Zahlungsausfälle gebe, die das Unternehmen in Schwierigkeiten gebracht hätten. „Deshalb hat man sich zu einer geplanten Insolvenz entschieden“, so Brockdorff. Ohne die offenen Rechnungen wäre es nicht zu den Problemen gekommen, wie Brockdorff betonte. Mit einem Insolvenzplan soll Schuke wieder auf die Füße geholfen werden. Brockdorff geht von einer Fortführung der Geschäfte aus.

„Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung ist sehr gut“, so der Insolvenzverwalter. Die Mitarbeiter seien vom Insolvenzantrag informiert worden. Inzwischen habe sogar die Landesregierung bei ihm angerufen, wie man Schuke erhalten und unterstützen könne, so Brockdorff. In Deutschland habe man neue Aufträge akquiriert und Brockdorff hofft nun, dass man einige davon vorziehen kann. „Wir wären sehr dankbar, wenn uns die Kirchengemeinden dabei unterstützen könnten.“

Das Unternehmen hat eine fast 200-jährige Tradition. Der Orgelbaumeister Gottlieb Heise hatte es 1820 in Potsdam gegründet. 1894 kaufte Alexander Schuke den Betrieb und begründete damit das Familienunternehmen, das sich schnell zu einer bekannten Orgelbaufirma in Deutschland entwickelte. 1972 wurde die Firma verstaatlicht. Matthias Schuke, seit 1974 Mitarbeiter, reprivatisierte 1990 das Unternehmen und ist seit dieser Zeit Inhaber und Geschäftsführer.

Der Orgelbaumeister erhielt 1998 als engagierte Persönlichkeit im Orgelbau das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. 2001 erhielt Matthias Schuke den Seifriz-Preis, mit dem Projekte von Handwerk und Wissenschaft gewürdigt werden. Er hatte mit dem zweiten Preisträger, Markus Abel vom Physikinstitut der Universität Potsdam, eine Regeleinrichtung für die Druckluftversorgung einer Orgel entwickelt. Seitdem gab es verstärkte Anfragen zu Neubauten von Kirchen- und Konzertorgeln aus dem In- und Ausland. Vor zehn Jahren hat die Firma das neue und größere Werkstattgebäude in den Havelauen in Werder bezogen. Henry Klix

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