18.01.2018, 2°C
  • 15.02.2005
  • von Georg Jopke

Bäume statt Schießstände Die Bundeswehr ist vom Truppenübungsplatz Güterfelder Heide abgezogen/Jetzt wird aufgeforstet

von Georg Jopke

Stahnsdorf - Für die Güterfelder Heide beginnt ein neues Zeitalter. Die gut 500 Hektar große Fläche zwischen Haussee und dem Forst von Philippsthal, zwischen Autobahn und an den nach Schenkenhorst reichenden Rieselfeldern kann wieder zum Erholungswald werden. Die militärische Ära ist endgültig vorbei, denn zum Ende des Jahre 2004 hat nun auch die Bundeswehr hier ihre Infanterieausbildung beendet und sich damit von dem so lange als Standortübungsplatz genutzten Gelände verabschiedet. Fast drei Jahrzehnte hatten hier die in Stahnsdorf stationierten NVA-Einheiten ebenso die Rote Armee und DDR-Betriebskampfgruppen Häuserkampf geübt, eine lange Fahrschulstrecke mit unzähligen Hindernissen war entstanden und an den Butterbergen gegenüber dem Forsthaus Nudow an der Chaussee nach Drewitz verbarg sich ein ausgedehntes Munitionslager. Alles gründlich eingekreist mit Warnschildern, dass es sich um militärisches Sperrgebiet handelt und deshalb das Betreten verboten ist. Viele Schilder stehen noch, aber ihre Zeit läuft ab. Ein umfangreiches Arbeitsprogramm ist aufgelegt, um das ganze Areal der Natur zurückzugeben. Die Übungsbauten sollen abgerissen werden, Betonhindernisse in den Gräben beseitigt, manche Parkflächen entsiegelt. Also Aufräumen und dann neu gestalten. Dazu gehört auch das Auflockern mancher Kiefern-Altbestände. Und dann wird wieder aufgeforstet. Es soll nicht wieder ein einfacher Kiefernwald werden wie vor vielen Jahrzehnten, sondern ein Laubmischwald. „Wir pflanzen Eichen, Traubeneichen, Stieleichen, Buchen, Ahorn, Wildbirnen und Wildapfel, Ebereschen und verschiedene Straucharten", so die Auskunft von Forstdirektor Hans-Joachim Weber, Leiter der zuständigen Hauptstelle Bundesforst Potsdam der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Fast eine halbe Million Pflanzen kommen in die Erde. Was mit dem Baugeschehen im weiteren Umland zusammenhängt: Wenn Grünflächen zugebaut werden, muss an anderer Stelle ein Grün-Ausgleich geschaffen werden. Der alte Standortübungsplatz war und ist Ausgleichsfläche für eine ganze Reihe von Projekten, etwa die Verbreiterung der A115, für die Nuthestraße, die Ortsumgehung Michendorf oder die L40-Ortsumgehung Güterfelde bis zu Bauten auf dem Truppenübungsplatz Lehnin, um nur eine Auswahl zu nennen. Außerdem gibt es Ausgleichspflanzungen für den neuen Radweg, der von Drewitz über die Autobahnauffahrt hinweg zum Kreisverkehr zwischen Güterfelde und Philippsthal führt. Er verläuft gleich neben den Munitionsbunkern des Übungsgeländes. Mit den Arbeiten sind die Forstleute schon gut vorangekommen. „Wenn alles klappt, ist Güterfelde bis zum Jahresende komplett renaturiert“, versichert Forstdirektor Weber. Zäune werden bleiben, die Pflanzen vor Wildverbiss schützen, und Bauten am Munitionsdepot gegenüber dem Forsthaus Nudow. Daraus werden Unterkünfte für Fledermäuse. Was aus einem alten Schießplatz werden kann, hat Güterfelde schon mit dem Gelände am Priesterweg nahe dem Haussee bewiesen, das den Berliner Forsten gehört. Dort hatten während der Olympischen Spiele von 1936 in Berlin die Sportschützen vieler Nationen trainiert. Vor einigen Jahren folgte eine große Pflanzaktion als Ausgleich für die Versiegelung von Flächen für den Europark Dreilinden. Inzwischen ist daraus ein schöner, junger Wald geworden. Georg Jopke

Social Media

Umfrage

Soll die Biosphäre abgerissen werden, wie es die Grünen-Fraktion im Stadtparlament nun fordert? Stimmen Sie ab!