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  • 30.07.2014

Aus dem GERICHTSSAAL: Bilder zum Übelwerden

Bewährungsstrafe für mutmaßlich Pädophilen

Michendorf - Ausgerechnet die italienische Polizei kam Ralf R.* auf die Schliche. Der Michendorfer war dringend verdächtig, zwischen 2009 und 2011 massenhaft kinderpornografische Bilder und Videos auf seinem Computer gespeichert, die verbotenen Dateien zudem mit anderen pädophil Veranlagten getauscht zu haben. Brandenburgische Polizisten führten zudem zwei Hausdurchsuchungen bei dem mittlerweile 55-Jährigen durch. Drei Computer und diverses Zubehör wurden sichergestellt. Fachleute des Landeskriminalamtes durchforsteten die Rechner, machten zahlreiche bereits gelöschte Dateien sichtbar. Das Ergebnis war erschreckend: Insgesamt 6461 kinderpornografische Dateien fanden die Spezialisten, ausschließlich Mädchen. Die Jüngsten sollen noch nicht einmal drei Jahre alt gewesen sein.

Am gestrigen Dienstag wurde Ralf R. vom Schöffengericht unter Vorsitz von Constanze Rammoser-Bode wegen Besitzens und Verbreitens kinderpornografischer Schriften in 33 Fällen zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Strafe wurde allerdings zu vierjähriger Bewährung ausgesetzt. Binnen sechs Monaten muss der fünffache Großvater eine Sexualtherapie beginnen, zudem 2000 Euro Geldbuße an den Verein Kinderhilfe e.V. zahlen, der sich um junge Missbrauchsopfer kümmert. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die allerdings fünf Jahre Bewährung für nötig erachtete. Verteidigerin Verena Duchow plädierte dagegen nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ auf Freispruch für ihren Mandanten.

Ralf R. hatte von Anfang an bestritten, irgendetwas mit den Bildern – von denen einem beim Ansehen „wirklich übel wird“, wie es die Richterin ausdrückte – zu tun zu haben. Er sei technisch überhaupt nicht in der Lage, nach derartigen Dateien zu suchen – geschweige denn anderen Männern Bilder und Videos zugänglich zu machen, beteuerte der Michendorfer, der im bunten Freizeithemd zur Verhandlung erschienen war. Der Staatsanwalt wertete die Aussage als Schutzbehauptung, untermauerte seine These mit einem Foto vom Schreibtisch des Angeklagten, der computermäßig beinahe so gut ausgestattet gewesen sei wie seiner.

Bereits im Juli 2009 wurde der Monteur wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Geldstrafe verurteilt. Eine Warnung war ihm das offenbar nicht. Kaum drei Monate später soll er begonnen haben, mithilfe einer speziellen Software gezielt nach verbotenen Dateien zu fahnden. Und selbst als erneut gegen ihn ermittelt wurde, machte er weiter. Zwar wurde eine externe Festplatte, auf der nach Ansicht der Ermittler Fotos und Videos gespeichert wurden, beim Angeklagten nicht gefunden. Chatprotokolle, die Richterin Rammoser-Bode während der gestrigen Verhandlung verlas, belegen ziemlich sicher, dass sich Ralf R. mit Gleichgesinnten über die Bilder austauschte. Es ergab sich sogar der Anfangsverdacht, der Michendorfer habe seine damals sechs Monate alte Enkelin sexuell missbraucht. Dazu wird noch ermittelt.

„Ich habe schon zahlreiche Verfahren über Kinderpornografie geführt, aber keines, in dem so viele junge Kinder Opfer wurden“, sagte Rammoser-Bode. Mithilfe der Sexualtherapie solle dem Angeklagten die Chance gegeben werden, sich mit seinem Handeln auseinanderzusetzen, so die Richterin weiter. (*Name geändert.) Hoga

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