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  • 16.05.2014
  • von Tobias Reichelt

Deckname „Zeder“

von Tobias Reichelt

Stasi-Eintrag zum FDP-Stadtverordneten Derlig gefunden. Der weist „bewusste Zusammenarbeit“ zurück

Teltow - Der Teltower FDP-Stadtverordnete Eberhard Derlig soll zu DDR-Zeiten für das Ministerium der Staatssicherheit gearbeitet haben. Einen entsprechenden Bericht der Stasi-Unterlagen-Behörde machte der Vorsitzende der Teltower Stadtverordnetenversammlung, Berndt Längrich (SPD), am Mittwochabend in der letzten Sitzung der Legislaturperiode bekannt. Demnach sei Derlig im April 1988 unter Angabe eines Decknamen sowie eines Führungsoffiziers beim Geheimdienst registriert worden. Aktivitäten seien auf den gefundenen Dokumenten nicht verzeichnet, auch Akten wurden nicht gefunden. Indes wurden erste Rücktrittsforderungen gegen Derlig laut.

Gegenüber den PNN wies der FDP-Politiker eine bewusste Zusammenarbeit mit der Stasi zurück. Er habe nie entsprechende Dokumente unterschrieben. Derlig will sein Mandat behalten und zur Kommunalwahl am 25. Mai antreten. Er habe nichts zu verbergen und sich nichts vorzuwerfen.

Nach PNN-Informationen wurden in der Unterlagen-Behörde zwei Karteikarten gefunden, die auf eine Stasi-Zusammenarbeit hinweisen. Darauf wurde der Teltower unter dem Decknamen „IMS Zeder“ geführt. Die sogenannten „Inoffiziellen Mitarbeiter zur Sicherung und Durchdringung eines Verantwortungsbereiches“ waren in Betrieben, Bildungsstätten oder staatlichen Institutionen beschäftigt. Sie sollten ihren Führungsoffizieren berichten, die Stimmungen in der Bevölkerung kennen, Verdächtige melden und Republikfluchten verhindern.

Eberhard Derlig hat in seinem Berufsleben 18 Jahre lang als Kulturoffizier der Nationalen Volksarmee gearbeitet, war später Leiter des Kulturhauses „Hans Marchwitza“ in Potsdam und wechselte noch vor der Wende in die Stadtverwaltung Teltows. Nach dem Mauerfall gründete er den Lokalfernsehsender Teltowkanal.

„Ich bekam jede Woche einen Besuch der Kollegen. Wenn die da irgendwelche Notizen angelegt haben, konnte ich das nicht beeinflussen“, sagte Derlig über seine Arbeit in der DDR. Aus seiner Sicht sei das nicht als Mitarbeiterschaft zu werten. „Man muss mir nachweisen, dass ich IM war, und das ist nicht der Fall.“

Bereits kurz nach dem Mauerfall sei er das erste Mal auf eine Stasi-Tätigkeit überprüft worden, später ein zweites Mal als Stadtverordneter. Beide Male wurde nichts gefunden. Erst jetzt habe die Behörde Hinweise entdeckt. Die könnten laut Derlig im Zusammenhang mit der Festnahme seines zweiten Sohnes stehen. Der sei im April 1988 wegen versuchter Republikflucht verhaftet und eingesperrt worden.

Im Allgemeinen gelte es als unwahrscheinlich, dass Informanten des Geheimdienstes nichts von ihrer Tätigkeit wussten, teilte Dagmar Hovestädt von der Stasi-Unterlagen-Behörde auf Anfrage mit. In Einzelfällen sei das aber möglich gewesen. Generell ließen allein gefundene Karteikarten – wie in Derligs Fall – keine Einschätzung zu, wie tief der Informant tatsächlich im Überwachungssystem verstrickt war.

Dass der Fall jetzt bekannt wurde, ist auf einen einstimmigen Beschluss aller Stadtverordneten zurückzuführen. Sie hatten vor knapp vier Jahren entschieden, alle Mitglieder sowie den Bürgermeister und Teltows 1. Beigeordnete zu überprüfen. Wie nun bekannt wurde, sind dabei gleich zwei Funde gemacht worden. Einer betrifft Eberhard Derlig, der andere den früheren SPD-Stadtverordneten Torsten Lippert. Er hatte sein Mandat 2012 abgegeben, als sein Prüfergebnis bekannt geworden war. Das fordert nun auch die Teltower CDU von Eberhard Derlig: „Für uns ist das eine eindeutige Angelegenheit“, sagte Peter-Joachim Trog. Sollte er nicht selbst die Konsequenzen ziehen, müsse die FDP handeln, forderte Trog. FDP-Fraktionschef Hans-Peter Goetz lehnt das ab. „Es gibt keine Berichte, keine Akten“, so Goetz. „Wir haben daher keine Veranlassung, irgendetwas zu fordern.“ Auch der Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Berndt Längrich, ist zurückhaltend: Solange es keine Hinweise gebe, dass Derlig anderen geschadet habe, werde er keine Forderungen stellen. Derlig müsse mit sich selbst ausmachen, ob er sich in der Verantwortung eines Stadtverordneten geeignet sehe.

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