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  • 12.04.2014
  • von Henry Klix

Werder (Havel): „Alle wollten, dass aus Werder etwas wird“

von Henry Klix

Baldur Martin tritt nach 20 Jahren nicht mehr für das Stadtparlament an. Er hat jetzt andere Pläne.

Werder (Havel) - Selbstbewusst, durchsetzungsstark, ehrgeizig und impulsiv – so hat Baldur Martin den Bürgermeister in der Gartenbauschule als Gärtnerlehrling erlebt. „Werner Große war einer meiner besten Schüler“, erinnert sich Martin. Jahre später traf er ihn in der Stadtverordnetenversammlung wieder, auch andere seiner ehemaligen Gärtnerlehrlinge. Wie als Berufsschullehrer hat Baldur Martin gelegentlich auch im Stadtparlament durch seinen moderierenden und sachlichen Ton die Lage befriedet – und oft genug die Politik des Bürgermeisters verteidigt.

Nach zwei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik wird Baldur Martin bei der Kommunalwahl am 25. Mai nicht mehr antreten, auch nicht für den Kreistag, in dem er ebenso lange mitgewirkt hat. „Man muss wissen, wann man aufhört“, sagt der 74-Jährige. So bekomme er etwas mehr Zeit für seine Enkelkinder.

Dabei wird es nicht bleiben: Martin, in Werder für seine Arbeit als Ortschronist bekannt, will sich um die Vorbereitung des 700. Stadtjubiläums im Jahr 2017 kümmern. Sieben Geschichtsbände sollen veröffentlicht werden, Veranstaltungen und das Jubiläumsfest seien vorzubereiten und er hofft, dass viele Werderaner mitmachen. Womöglich ja auch der Bürgermeister, der bekanntlich in den Ruhestand versetzt werden will. „Vielleicht wird er ja Vorsitzender des Festkomitees.“

Es wäre nicht das erste Mal, dass Baldur Martin Dinge in Bewegung setzt und eloquente Mitstreiter findet. Er stammt aus einer erzgebirgischen Bauernfamilie, wuchs auf dem Hof in der Nähe von Seiffen auf. An sich wollte er Jura studieren, musste sich aber nach einer Alternative abseits der Heimat umsehen, als er in der jungen DDR in eine Offizierskarriere gedrängt werden sollte. So verkündete er, in den Westen Berlins zu gehen. „1958 hat bei diesem Satz jeder gedacht, dass ich türme.“ Für ein Studium an der Offiziersschule kam er so nicht mehr infrage.

Doch Martin begann eine Gärtnerlehre in Ketzin, studierte danach Russisch und Geografie, promovierte später auch im Gartenbau – für eine Lehrerlaufbahn in der neuen Berufsausbildung mit Abitur und als der Chef der Lehrplanentwicklung für Gärtner im Land. 1962 hatte seine Praxisausbildung in der Gartenbauschule Werder begonnen. Seitdem lebt er in der Stadt.

Martin schrieb sein Geografie-Staatsexamen zur Siedlungsflächenentwicklung von Werder. Die Inhalte bereitete er später für eine Artikelserie in den Brandenburgischen Neuesten Nachrichten auf, so begann seine Liebe zur Heimatgeschichte. 1981 gründete er mit Mitstreitern die „Interessengemeinschaft Heimatgeschichte“, den späteren Heimatverein, stellte eine Ausstellung auf die Beine und begann mit der Veröffentlichung der „Heimatgeschichtlichen Beiträge“, die bis heute jährlich erscheinen.

Für Politik hat er sich immer interessiert. Nach der Wende trat er in die CDU ein, war seit 1994 Stadtverordneter, wirkte am Regionalbahnanschluss, der Inselsanierung, der Telefonerschließung, der Wiederbelebung des Baumblütenfestes, dem Gymnasiumsbau oder der Ausweisung neuer Baugebiete mit. Ende der Neunzigerjahre gründete er, enttäuscht vom Wandel der CDU unter Jörg Schönbohm, die Freien Bürger, die schnell zu einer wichtigen politischen Kraft in Werder und im Landkreis aufwuchsen.

„Alle wollten, dass aus Werder was wird und die meisten Entscheidungen wurden einstimmig gefasst“, erinnert sich Martin an die Aufbaujahre. Da war er gern dabei. Henry Klix

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